Lali Puna - Scary World Theory
Autor : Jochen Groß E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 05.11.2001
Die Münchner Band Lali Puna aus dem sympathischen Hausmusik-Umfeld liefert mit Scary World Theory ihr zweites Album ab. Die Band bringt damit das Thema Pop und Politik unter veränderten Rahmenbedingungen zurück auf den Plan.
Kaum etwas wurde in Folge des 11. Septembers so oft wiederholt wie die vermeidliche Einsicht, das die Welt nicht mehr wie vorher sei. Auch wenn es niemand offen ausspricht, die viel beschworene neue Weltordnung ist (bisher) nicht in Sicht. Weder die Wissenschaft noch die Politik hat ein schlüssiges Konzept zu bieten, wie und wohin sich die Welt nach den Terroranschlägen und dem Krieg in Afghanistan hin entwickeln wird. Und die vor dem 11. September virulenten Themen sind ja auch alles andere als gelöst und werden eher früher als später wieder auf die politische Agenda gesetzt werden. Man denke nur an die Globalisierungsdebatte.
Sprachlose Popkultur?
Auch die, sonst immer so freudig jedes neue Thema aufnehmende, Popgemeinde tut sich sichtlich schwer mit dem 11. Septembers. Intro, Spex, De:Bug und alle anderen haben so ihre ganz eigenen Probleme mit ihren aktuellen Publikationen: Können wir so weiter machen, wie bisher? Dürfen wir uns in diesen Zeiten ausschließlich mit Kunst im Allgemeinen und Musik im Speziellen beschäftigen? Wäre nicht ein Innehalten der Popkultur, als deren Teil wir uns definieren, vonnöten? Dürfen wir Platten, die auf ja doch zur Ablenkung bestimmt sind, mit der weltpolitischer Lage verbinden? Ist das Reflektion, notwendige Verarbeitung, Teil eines (neuen) intellektuellen Popkultur-Diskurses? Oder einfach nur geschmacklos? Was bedeutet der Krieg gegen Terror für die soziale Einbettung der Popkultur, zumal das Ende der Spaßkultur in den einschlägigen Feuilletons schon ausgerufen wurde? Diese Fragen beschäftigen landauf, landab sämtliche Popkulturformate. Allen voran die Spex, die in ihrer aktuellen Ausgabe einen sehr offensiven und transparenten Weg der Problembewältigung sucht. Damit hat sie gekonnt ein business-as-usual unter veränderten Vorzeichen praktiziert, das Schule machen sollte.
Wie Zufälle Alben machen
Mitten in dieses ratlose Stochern um Themen, Denkansätze und Alltagsbewältigung hinein fällt die Veröffentlichung von „Scary World Theory". Natürlich bezieht sich das zweite Album der Münchner Band Lali Puna nicht auf die Terrorangriffe. Es war bereits im Frühjahr fertig gestellt und lag schon bei den Rezensenten als das World Trade Center in sich zusammenstürzte. Trotzdem hinterlässt der Titel Verwirrung in Zeiten der veränderten und sensibilisierten Wahrnehmung. Zu leicht lässt sich der Titel als Antwort der Popkultur auf alle (noch immer offenen) Fragen missverstehen. Das ist „Scary World Theory" natürlich nicht. Vielmehr bezieht sich der Titel auf eine alte Theorie aus den Kommunikationswissenschaften und beschreibt den Seelenzustand von Valerie Trebeljahr, musikalisches Mastermind hinter Lali Puna. Dennoch steckt aber in diesem Album sehr wohl eine persönlich-politische Positionierung. Zeilen wie „when destruction takes over / there is no escape" und die durchgehende Melancholie drücken schließlich das aus, was derzeit viele empfinden.
„Indietronics"
Lali Puna ist hier ein erschreckendes Album gelungen. Erschreckend, weil alles so hervorragend zusammenpasst. Im Debütalbum „Tridecor" entdeckte Intro schon "Magie in jeder Rille" und De:Bug sah den Pop von morgen revolutioniert. All dies kann man ungeniert auch für sagen. Ein musikalisch unglaublich dichtes und bewegendes Album, wie es zuletzt vielleicht Portisheads Debüt „Dummy" war. Zugleich ist „Scary World Theory" aber auch ein persönliches Album mit Breitenwirkung. Entstanden ist es in den Gedanken von Valerie. Aufgenommen abseits des Mainstreamgeschäfts von Trebeljahr zusammen mit Markus Acher (Notwist, Tied & Tickled Trio), Christoph Brandner (Console, Tied & Tickled Trio) und Florian Zimmer (Iso 68, Fread Is Dead) im Rahmen der Ex-Weilheimer Hausmusik-Posse (produziert von Mario Thaler) ist das Album samt Aussage deutlich jenseits der Spaßkultur platziert. Hier wird die Liaison zwischen Indiesongs und Elektrotracks zu „Indietronics" (De:Bug) perfektioniert. „Eine Platte, die es schafft, beides zu sein, wunderschön und wichtig. Mikropolitik mit Makrowirkung" (Spex). Die wohl beste Beschreibung von Lali Punas eleganter Beschränkung auf das musikalisch Notwendige, erschaffen aus behutsamen Beats, gehauchtem Mädchengesang und kompakten Melodien.
"Scary World Theory" von Lali Puna ist bereits auf Morr Music / Hausmusik erschienen.
Foto: Copyright liegt bei Morr Music / Hausmusik.
Weiterführender Link: Homepage von Hausmusik.
Tourdaten:
06.11. Leipzig - Conne Island
07.11. Bayreuth - Glashaus
08.11. Jena - Kasablanca
09.11. Hamburg - Hafenklang
10.11. Bielefeld - JZ Kamp
11.11. Marburg - Café Trauma
12.11. Frankfurt - Cookys
13.11. Münster - Luna Bar
14.11. Köln - Gebäude 9
15.11. Hildesheim - Lösecke
16.11. Dresden - Scheune
17.11. Berlin - Volksbühne
19.11. Würzburg - AKW
21.11. Stuttgart - Travellers Club
22.11. Freiburg - Jos Fritz
24.11. München - Club 2
26.11. Wien - B72
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