Frisches Rot
Autor : Nina Schönmeier E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 17.10.2003
Hans- Ulrich Pfaffmann will als Generalsekretär die bayrische SPD erneuern. Das Portrait eines Ruhelosen von Nina Schönmeier.
Vor der übermächtigen CSU zu kapitulieren, würde die Lage der bayrischen SPD nur noch verschlimmern, das weiß Pfaffmann.
Es darf keine Tabus geben
Er sieht in dem katastrophalen Wahlergebnis nicht nur eine Niederlage, sondern auch eine Chance: "Was wir jetzt dringend brauchen, ist eine Erneuerung, und zwar personell wie programmatisch", fordert er. Dabei dürfe es keine Tabus geben.
Hart greift Pfaffmann die eigene Partei an, fast als gehöre er nicht dazu. Die bayrische SPD sei inzwischen eine "Partei der Überalterung", die sich zu oft in belanglosen Gremiendebatten verheddere. "Mut zum Neuanfang", den bräuchten die Sozialdemokraten jetzt. Diesen Neuanfang will der Abgeordnete aus dem Wahlkreis München-Ost aber nur mit einer neuen Mannschaft wagen. Von seiner Partei fordert er aus diesem Grund "ein klares Personalkonzept". Nur bekannten Gesichtern eine Chance zu geben, dagegen lehnt er sich auf.
Rütteln an den Machtstrukturen
Schon früh schlug auch Pfaffmann den Weg zur Politik ein. Sein Vater, ein gewerkschaftlich organisierter Gleisarbeiter, weckte in ihm die Lust, die Welt zu gestalten. Pfaffmann ging später den klassischen Weg: Vom Betriebsrat in den Stadtrat, dann in den Landtag. Heute hält er allerdings nicht mehr viel von den verkrusteten Parteistrukturen.
Gerne würde er die SPD für junge Talente öffnen: "Projektarbeit" einführen, ihnen den Weg für eine unbürokratische Laufbahn frei machen. Doch wird die Bayern- SPD sich zu diesem revolutionären Konzept durchringen? Die Personaldebatte um den Landesvorsitz gibt keinen Anlass zu hoffen. Schließlich rüttelt Pfaffmann gewaltig am uralten Machtgebäude der Bayern- SPD.
Freie Posten in der Partei würde er am liebsten mit Nachwuchs-Politikern besetzen. Den Eindruck, die SPD verfüge nicht über hoffnungsvolle Jungpolitiker lässt er nicht gelten. "Wir könnten die Kandidaten einbinden, die nicht in den Landtag gewählt wurden, da gibt es kreative und intelligente junge Leute", sagt er. Einzig beim Landesvorsitz will Pfaffmann auf Nummer sicher gehen: "Ich finde, der Maget soll´s machen".
Die Bundes-SPD wäre besser in Berlin geblieben
Dass die bayrischen Sozialdemokraten bei der Landtagswahl nicht einmal 20 Prozent der Wähler überzeugen konnten, dafür macht er vor allem die Politik der Regierung verantwortlich: "Jeden Tag hat jemand ein anderes Reformprojekt vorgeschlagen", so sein Eindruck. Die Wahlkampfauftritte der Berliner Minister in Bayern hätten den Wähler zudem verunsichert. "Wenn Bundeskanzler Schröder sagt, an Stoiber könne man nichts kritisieren und Stolpe den Transrapid fordert, obwohl die Bayern- SPD dagegen ist, dann wären sie besser in Berlin geblieben", kritisiert Pfaffmann.
Nach vorne gerichtete Konzepte und eine eindeutige Haltung zu den Reformprojekten, das sei es, was seine Partei nun brauche. Man spürt: Hans- Ulrich Pfaffmann möchte etwas bewegen, fast greifbar ist seine Unruhe: "Ich habe 20 Jahre politische Erfahrung, und kann, glaube ich, ganz gut Probleme analysieren ohne mir dabei zu sehr die Parteibrille aufzusetzen", beschreibt er sich. Eigenschaften, die den bayrischen Sozialdemokraten jetzt nützen könnten.
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Weiterführende Links:
Homepage von Hans-Ulrich Pfaffmann
Homepage der Bayern SPD
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