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Collage - Horst Mahler

Die 68er als Keimzelle rechtsextremer Chef-Ideologen?! - 2.Teil

Autor :  Florian Wachter
E-mail: fwachter@e-politik.de
Artikel vom: 10.02.2001

Das Nationalrevolutionäre im antiautoritären Denken. Zweiter Teil einer Betrachtungen "mutierter" 68er am Beispiel Horst Mahlers. Von Florian Wachter.


Wenn Mahler schon dabei ist, die roten Ideale von einst braun zu überpinseln, wird ganz im Stil des Antiimperialismus der 68er-Bewegung argumentiert. Nur eben so verkürzt, wie es ins nationalistische Konzept passt. Kein Wort über die Befreiung der Arbeiterschaft. Dafür ein Sermon über die Emanzipation des deutschen Volkes, die erst gelingen würde, wenn die Menschheit sich befreit von allen Lastern eines globalen Kapitalismus.

Es riecht nach 68ern

Die Stange blieb, die Fahne wurde getauscht. Mahler, das Chamäleon. Kapitalismus? Klar doch, war und ist der Hauptfeind. Erst recht heute, im Zeitalter der vielbeschworenen Globalisierung. Die 68er als Vorbild für die Renegaten:
"Das deutsche '68 war der zweite deutsche Revolutionsversuch gegen die Weltherrschaft des Kapitals."
(Zitat Mahler/Maschke/Oberlercher aus "Kanonische Erklärung zur Bewegung von 1968", 1998)

Auch das, was Mahler sich in seiner neuen "Reichsordnung" vorstellt, riecht stark nach Ansätzen des linken Radikalismus der 60er und 70er. Lediglich der Multimedia-Aspekt ist neu:
Für Mahler besteht ein idealer Staat aus zwei Elementen: einer Regierung und einem Volk. Parteien gibt es nicht mehr, Volkes Wille wird über das Internet eruiert. Und wenn die Regierung sich darüber hinwegsetzen will, muss sie sich vor dem Volk öffentlich rechtfertigen. Mahler glaubt, dass dadurch die politische Kompetenz des Volkes gestärkt wird, die jetzt in der Scheindemokratie zerstört wird.

Mahler erklärt seine Gegenwart konsequent aus seiner Vergangenheit. Er erinnert daran, dass einer der wichtigsten Slogans seiner ehemaligen Organisation, der maoistischen KPD, die Parole "Dem Volke dienen!" gewesen sei. Für den gedanklichen Schritt vom Volk zur Rasse-Nation braucht er nur noch kurz zu hüpfen.

Dutschke dient als Steigbügelhalter

Es ist Rudi Dutschke, der häufig und gerne zitiert wird. Von jenen, die in den 60er und 70er Jahren mit Inbrust den Faschismus bekämpften und ihn heute zelebrieren. Tatsächlich war es der ideologische Wortführer Dutschke, der in der Zeit nach dem Attentat auf ihn zunehmend nationalistische Töne anschlug. Für Horst Mahler und Mitstreiter heute ein gefundenes Fressen.

Fakt ist, Dutschke versuchte, den sozialistischen Protest gegen die bürgerliche Gesellschaft mit nationalistischen Positionen zu versöhnen. Das ist zunächst im Sinne der Emanzipation des eigenen Klientels durchaus verständlich.
In einem Text von 1978 schreibt Dutschke: "Amerikanisierung und Russifizierung sind vorangeschritten, aber nicht die Wiedergewinnung eines realen Geschichtsbewußtseins der Deutschen, ganz zu schweigen von einem nationalen Klassenbewußtsein der deutschen Arbeiterklasse."
Damit veränderte Dutschke - gewollt oder ungewollt - aber die Richtung des gegen die bürgerliche Gesellschaft gerichteten Radikalismus. Plötzlich ging es um das nationale Klassenbewußtsein und nicht mehr um die Position der internationalen Studenten- und Arbeiterbewegung. Herausquoll ein speziell deutsches "nationales Klassenbewußtsein" - zumindest für Rabehl oder Mahler und andere neurechte Denker mit linker Vergangenheit.

Der Protest gegen den Vietnam-Krieg - ein Zeichen zur "nationalen Befreiung"?

Der Soziologe und ex-Weggefährte Dutschkes Bernd Rabehl interpretiert in seinem Exzerpt "Mythos 1968" (Dezember 1998), wie sich die Studentenbewegung rückblickend gefälligst zu lesen hat: national-konservativ bitteschön!
Ziel des "Nationalrevolutionärs" Dutschke sei es gewesen, "zu den nationalen Grundlagen von Sozialismus, Freiheit und Unabhängigkeit" zurückzukehren. Bei den Demonstrationen gegen die nordamerikanische Kriegspolitik in Vietnam sei es zugleich um die nationale Befreiung Deutschlands gegangen. Diese Zielsetzung sei von dem geteilten Land in Südostasien auf das eigene übertragen worden. Der Internationalismus, fasst Rabehl seine Retrospektive zusammen, "trug die Farben nationaler Empörung".

Rabehl und Mahler liegen falsch. Für die 68er-Bewegung war die nationale Frage mit Sicherheit unbedeutend. Es wäre eine klare Geschichtsfälschung, die 68er-Bewegung, die tatsächlich ein Aufbegehren gegen die verkrusteten, nur halbdemokratisierten und teilweise postfaschistischen Verhältnisse in der BRD gewesen ist, national gesinnt zu bezeichnen.

Das wird den NPD-Anwalt kaum interessieren. Er wird - wie Rabehl und die anderen braunen Irrlichter der 68er Generation - weiter gegen die "Verschwörung des jüdischen Finanzkapitals" schreien, gegen die "Dirigenten des globalen Finanz- und Wirtschaftssystem" und gegen den "Meinungsterror", der den "Deutschen Volksgeist" bekämpft. Mit einer Mischung aus völkischer Ursuppe und ´sozialem` Bewußtsein. Man könnte auch sagen national-sozial.
Denn Mahler wird weiter die Gewalttaten von Neonazi-Glatzen als "Ausdruck der natürlichen Gegenwehr des Deutschen Volkes gegen seine Umvolkung zu einer afro-euro-asiatischen Mischrasse" bezeichnen.
Und Mahler wird sein Heimatgesülze, seine religiösen Erweckungsmetaphern und seinen nationalrevolutionären Agitpop weiter unter seinen Anhängern verbreiten. Die nächsten, die ihm zuhören müssen, sind die Richter des Bundesverfasungsgerichts. Mahler wird sich in der Rolle des NPD-Anwalts gefallen und heftig wettern.
Natürlich mit philosophisch verschraubtem Rechtshegelianismus und mit lauter Selbstverliebtheit ob seiner rhetorischen Brillanz.

Linksradikal, rechtsradikal - schei...egal!


Den ersten Teil des Beitrags "Die 68er als Keimzelle rechtsextremer Chef-Ideologen?!" lesen Sie hier.


Foto: Collage von e-politik.de


Weitere Beiträge zum Thema finden Sie bei e-politik.de auch unter
Themen/Virtualität: Extremismus im Netz


   


Leserkommentar von Dr. Heike Mökers
am 12.02.2001
Mahler steht in der Linie Mussolinis

Eine kleine Ergänzung zu Ihrem guten Essay:
Mahler steht ganz in der Linie eines Mussolinis. Seine Biografie ist mit Sicherheit außerordentlich grotesk. Dennoch, sie besitzt Anknüpfungspunkte an historische Vorbilder - auch, wenn Mahler das wohl nicht akzeptieren will:
Mit Mussolini ist ein ehemaliger revolutionärer Syndikalist und Vertreter des linken Flügels der Sozialisten zum Führer des dortigen Faschismus geworden.
In Frankreich waren es der ehemalige führende Kommunist Jacques Doriot und seine sozialistische Entsprechung Marcel Déat, die Bild und Ideologie des dortigen Faschismus prägten.
Und in Großbritannien? Der über Jahrzehnte wichtigste Führer des britischen Faschismus, Oswald Mosley, war zunächst Unterhausabgeordneter der Labour Party.

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