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Sie machen den Weg leider frei
Autor : Nikolaus Röttger E-mail: nroettger@e-politik.de Artikel vom: 29.06.2003
Es war der 29. Juni 2003 – und die Krise des Zeitungsmarkts hatte ihr nächstes Opfer: Die Münchner Seiten der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) erscheinen zum letzten Mal. Leider. Ein Nachruf von Nikolaus Röttger.
Rechts oben in der Ecke der ersten Münchner Seite in der FAS ist ein roter Streifen – schräg von oben zum rechten Rand. Ein Streifen, wie er auf Titelblättern von Magazinen oft eine Geschichte ankündigt. Auf der ersten Münchner Seite kündigt er auch etwas an: „Neu“ steht dort in Schreibschrift. Und daneben in Druckbuchstaben: „Künftig noch praktischer! Nie mehr nach den Münchner Seiten suchen!“
In der Woche vor dem 29. Juni hatte die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) erklärt, dass weitere 100 Stellen abgebaut werden müssen: 50 im Verlag, 50 in der Redaktion. Es ist dies bereits die dritte Entlassungswelle bei der FAZ, um Geld zu sparen. Und nun eben auch in München: Die FAS stellt mit der aktuellen Sparmaßnahme ihre Münchner Seiten ein.
„Wir machen den Weg frei“, schreibt die Redaktion zum Abschied und begründet die Entscheidung des Verlags ironisch: „Die Münchner Seiten können aus der Zeitung fallen, weil alles gesagt und geschrieben wurde, was zu sagen und zu schreiben war.“
Stiller Protest
Die Abschiedsausgabe ist ein stiller Protest gegen die Einstellung: „Die Annahme, der Leser wolle lesen, kam uns schon immer auch kühn vor. Was wenn er vor allem seine Ruhe haben will?“ Mit diesen Sätzen wird ein Artikel auf der letzten Seite eingeleitet, in dem die Redaktion kurz vorstellt, was in den kommenden Ausgaben bis Mitte August geplant war.
Die Abschiedsausgabe ist aber auch ein selbstironischer Blick der Redaktion auf sich selber: „Was waren die Münchner Seiten, außer schwer zu finden?“, fragt sie auf Seite Eins, um ein paar Seiten weiter noch einmal ältere Ausgaben vorzustellen.
Eine Bastion gegen die Berlinisierung
Was die Münchner Seiten waren, verkörpert diese letzte Ausgabe wie alle anderen zuvor. Die Münchner Seiten waren mutig und kritisch, witzig und ernst. Sie blickten von innen und von außen auf das Münchner Geschehen. Sie waren eine Bastion gegen die Berlinisierung der Republik. Sie waren ein politisches und kulturelles Magazin für München, das auf Zeitungspapier gedruckt 21 Monate lang jeden Sonntag der FAS beilag.
Ja, sicherlich, die Münchner Seiten waren auch Luxus. Man brauchte sie nicht, um dem politischen Geschehen in München zu folgen. Es war nicht notwendig hier noch eine Theaterkritik zu lesen. Aber man las sie eben gerne in den Münchner Seiten der FAS. Und auch die Geschichten, die selten in anderen Zeitungen Platz fanden. Die Münchner Seiten hatten Themen und Ideen, Überschriften und Texte, Illustrationen und Grafiken, die zum Lesen einluden – und wenn eine Zeitung so gemacht ist, dann, ja dann, will der Leser nicht seine Ruhe haben, sondern lesen. Diesen Luxus wünscht er sich.
Autoren und Redakteure der Münchner Seiten verabschieden sich von ihrem Arbeitsplatz mit sechs kleinen Artikeln. Sie versuchen für den Leser – und für sich selber– die Einstellung noch einmal zu begründen: „Das Ende der Münchner Seiten ist ökonomisch richtig, philosophisch sauber herzuleiten und bietet eine Menge praktischer Vorteile.“
Aber weder für die Redaktion, noch für den Leser. Der sagt zum Abschied leise „Servus“.
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