Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Politisches Kabarett   Kabarettisten


Gerhard Polt

Der Kaiser von Bayern

Autor :  Claus von Wagner
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 07.05.2002

Wie Gerhard Polt endgültig reif und bekloppt wurde. Claus von Wagner mit einem Versuch, sich dem Leben des bayerischen Satirikers ein wenig zu nähern.


München, 7. Mai 2002. Der Satiriker Werner Schneyder geht auf den Tisch mit den ersten Exemplaren von Gerhard Polts neuestem Werk "Circus Maximus" zu. Und kehrt um. Ihm balgen sich zu viele Leute um die bereits unterschriebenen Bücher. Und dabei könnte der ehemalige Boxrichter und Kabarettist sich mit seinen fast zwei Metern Körpergröße jederzeit Respekt verschaffen. Was er dem Polt zum Sechzigsten wünsche? "Alles was man einem Freund zum Geburtstag wünscht". Sagts und marschiert von dannen.

Raus aus dem überfüllten Hugendubel am Münchner Marienplatz, in dem sich Polt-Fans aller Alterklassen gerade eine Schlacht um Autogramme liefern. Mitten im Zentrum des Ansturms - umringt von Gladiatoren mit Dreizack und Signierbüchern: der Augustus der bayerischen Satire, der Princeps Poltus. Mit stoischer Ruhe signiert er Buch um Buch. Der Geburtstag eines Kaisers.

Bolzenschuss und Schweine schlitzen

Angefangen hat alles in einem Wallfahrtsort in Oberbayern. Die dortige Kapelle beherbergte, damals wie heute, ein als wundertätig verehrtes Marienbild - ein Haus in der Nähe beherbergte in den 40er Jahren den kleinen Gerhard. Zwischen Klerus und Bauernhof versuchte Polt als evangelisch Getaufter unter Katholiken aufzuwachsen. In einer Metzgerei. Hier hat er schon als 5-Jähriger mit einem Schussapparat ein Schwein erledigt. Die Belohung: er durfte es auch noch mit dem Messer zerteilen.

Die Unerschütterlichkeit des Landlebens hat Polt sich im Herzen bewahrt. Auch im Studium. 18 Semester lang besuchte er die Hochschule für Politik und die Ludwig Maximilian Universität in München. Die Ruhe zahlte sich aus. In einem der Seminare lernte er Werner Finck, den damaligen Altmeister des deutschen Kabaretts, kennen. Dieser begeisterte ihn für das politische Kabarett und lehrte ihn die Grundtugend des Satirikers: die Skepsis. Sie hat Polts Tun seitdem treu begleitet.

Satirische Attacken

Wenn Finck der Startschuss war, so waren Regisseur Hanns Christian Müller und Schauspielerin Gisela Schneeberger die Trägerraketen, die Polts Aufstieg bis heute mitbeschleunigten. Zwar hatte Polt schon Anfang der 70er Jahre Hörspiele geschrieben und gesprochen, aber so richtig zündete seine Karriere erst durch die künstlerische Zusammenarbeit mit diesen kongenialen Partnern. Geld verdiente er in dieser Zeit als Übersetzer und Schwedischlehrer. Die Kenntnisse dafür hatte er beim Studium an der Universität von Göteborg erworben.

In Müllers "Nachtrevue" in der Kleinen Freiheit in München trat Polt 1976 dann erstmals vor ein Publikum. Zwei Jahre später erzitterten auch die Bühnenbretter der Münchner Kammerspiele und des Berliner Schillertheaters unter seinen satirischen Attacken. Durch die TV-Reihe "Fast wia im richtigen Leben" lernte ihn dann ein größeres Publikum kennen - und lieben. Polts erster Spielfilm "Kehraus" wurde zum Kritikererfolg, zwei Jahre später, 1988, folgte der Kinofilm "Man spricht deutsh". Für Dieter Hildebrandts Auftritte in diesen Filmen revanchierte sich Polt immer wieder mit Auftritten in dessen Scheibenwischer.

Verleumderisch und bösartig

Dass seit dieser Zeit der Deutsche Kleinkunstpreis, die Grimmepreise in Bronze und Silber, goldene Kameras und andere Ehrungen um seinen Hals hängen, hat Polt nie sonderlich gestört. Und dass die Bayerische Staatsregierung sich damals gegen seine "verleumderische und bösartige Ehrabschneidung" wehrte, auch nicht. 2001 nahm er von eben dieser Regierung gar den bayerischen Literaturpreis entgegen. Denn: Polts Bühnenmonologe sind längst zu Literatur geworden.

Und dennoch spielt er sie in Bierzelten genauso selbstverständlich, wie vor dem schwedischen König. Das Phänomen Polt ist faszinierend - und es wird 60 Jahre alt. Eine Jury des Bonner Kleinkunstpreises "Prix Pantheon" erklärte Gerhard Polt deshalb endgültig für "reif und bekloppt." Tja, und da steht er nun - reif und bekloppt im Hugendubel. Immer noch am Autogramme geben und wird von einer jungen Radiopraktikantin gefragt, wie er denn seinen Sechzigsten heute verbringen werde. "Ich stehe diesem Abend ratlos gegenüber", sagt er und lächelt in sich hinein. Die Fragerin verstummt in Ehrfurcht. Salve Poltus und langes Leben, Werner Schneyder wartet schon am Ausgang.

Foto: Copyright liegt beim Kein&Aber Verlag.


Zur Dossierübersicht: Gerhard Polt - Das Dossier



   

Weiterführende Links:
   Die inoffizielle Polt Hompage
   Zum Verlag Kein&Aber



Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.