Obwohl im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen vehement an einer diplomatischen Lösung des Irak-Konflikts gearbeitet wird, stehen die Zeichen auf Sturm. Die USA haben ihre Truppenpräsenz in der Region aktuell auf über 50.000 Mann erhöht. Zwei Luftwaffenstützpunkte der Amerikaner in Kuwait und Quatar sind in den letzten Monaten umfangreich ausgebaut worden, um eine größere Anzahl an Kampfbombern und Transportmaschinen aufnehmen zu können. Modernste Kommunikationseinrichtungen und Kommandozentralen sollen in einem möglichen Krieg gegen den Irak zum schnellstmöglichen Sieg führen. Das Problem dabei: Es könnte nicht ausreichen!
Erfahrungsbericht Afghanistan
In Fachkreisen ist seit längerem Zweifel an der Effektivität der amerikanischen Kriegsmaschinerie laut geworden. Diverse Erfahrungsberichte der US-Truppen in Afghanistan und technische Detailinformationen über Waffensysteme, die in den letzten Tagen publik wurden, unterstützen diese Skepsis.
So haben sich die US-Spezialeinheiten, die an der Mission Anaconda in der nördlichen Bergregion Afghanistans eingesetzt wurden, über die Qualität ihrer Ausrüstung beschwert. Schuhe und Kleidung seien den Klimaverhältnissen nicht angepasst. Auf der einen Seite schwitze man tagsüber so extrem, dass die Feuchtigkeit die Haut aufreibt, auf der anderen Seite seien die Nächte so kalt, dass man ohne Kälteschutz nicht überleben könne. Problem dabei ist jedoch, dass zum Beispiel die Handschuhe der US-Soldaten so dick sind, dass sie mit den Fingern nicht mehr an den Abzug ihrer Waffen gelangen, geschweige denn die Tasten ihrer Kommunikationsgeräte bedienen können.
Lange Liste an Bemängelungen
Desweiteren stellte sich heraus, dass die Funkgeräte der Eliteeinheiten zu viel Strom verbrauchten, und die Soldaten daher Unmengen an Akkus mitführen müssten. Das Sortiment umfasse kleine, handliche Handgeräte mit zu schwacher Sendeleistung oder schwere, hinderliche Rucksackgeräte.
Auch die Waffen der US-Truppen, M-16 Colt Sturmgewehre, sind sehr anfällig. Sand tritt im verstärkten Ausmaß in den Verschluss und den Gasdrucklader der Waffe ein, was zu Ladehemmungen führen kann. Waffenreinigungsgeräte, wie sie bei der Bundeswehr jeder Soldat erhält, sind nicht in ausreichendem Umfang bei den Einheiten vorhanden. Außerdem kommt nun auch der elementare Nachteile der Splitterschutzwesten ans Tageslicht. Liegt der Soldat in Stellung, hindert ihn der Kragen der Weste daran den Kopf zu heben, da auch der Helm mittlerweile einen weiter nach unten reichenden Genickschutz besitzt.
Schlagkraft gemindert
Aber nicht nur der Umgang mit den Waffen und Ausrüstungsgegenständen hat sich als problematisch erwiesen, auch die Schlagkraft einiger Waffensysteme liegt deutlich unter den Erwartungen. Das verwendete 5.56mm Kaliber der US-Streitkräfte schafft es nicht die gegnerischen Kräfte außer Gefecht zu setzen. Der Grund liegt in der verwendeten Munitionsart. Hartkerngeschosse gehen schnurgerade durch den Körper durch und hinterlassen nur kleine Wunden.
Dadurch kann ein getroffener Soldat durchaus noch weiter am Kampfgeschehen teilnehmen. Die effektiveren Weichkerngeschosse würden größere Wunden hervorrufen, die jedoch dann meistens tödlich enden, vor allem, wenn sie im Bauchbereich auftreten. Weichkerngeschosse des Kaliber 5.56mm durchschlagen aber keine Schutzwesten oder Helme, weswegen sie nicht mehr eingesetzt werden.
Kampfhubschrauber mit gestutzten Flügeln
Der AH-64 Apache Kampfhubschrauber der USA hat ebenfalls seine Schwächen offenbart. Beim Abschuss der Hellfire Raketen gegen gepanzerte Ziele haben Bruchstücke der Treibladung den Heckrotor und die Hecksteuerung zum Teil erheblich beschädigt. Piloten der US Army dürfen nur noch die am rechten Außenträger befestigten Raketen abfeuern, müssen aber aus Gleichgewichtsgründen auch den linken Außenträger mit den Raketen bestücken. Überhaupt hat sich der Apache Helikopter als zu anfällig erwiesen.
Inoffizielle Statistiken zeigen, dass über 80% der eingesetzten Maschinen zum Teil schwer beschädigt wurden. Zugegeben hat die US Army zumindest den unrühmlichen Ausfall von 5 der 7 bei Anaconda eingesetzten Helikopter durch Beschuss von Bodentruppen, die dazu noch mit veralteten Maschinengewehren und Luft-Boden-Raketen geschossen haben sollen. Grund für die hohe Ausfallquote könnte das unzureichende Zielerfassungssystem sein, das die Maschine zwingt, sehr nahe an das zu bekämpfende Ziel heran zu fliegen.
Unzureichende Strategie
Sollten die USA doch an ein militärisches Vorgehen gegen Saddam Hussein denken, dann bedeutet dies auf jeden Fall den Einsatz von Bodentruppen und Spezialkräften. Die nun zu Tage tretenden Mängel ermuntern jedoch nicht zu einer positiven Prognose. Gänzlich unbetrachtet ist dabei der Aspekt eines möglichen Häuser- und Straßenkampfes in der Millionenstadt Bagdad. Wollen die USA eine saubere Militäraktion durchführen, müssten sie sich vollständig auf ihre Kapazitäten und Fähigkeiten verlassen können. Ist dies nicht der Fall, könnte es entweder zu einem mörderischen und langwierigen Kampf in den Straßen der irakischen Hauptstadt kommen, oder aber zu einem Flächenbombardement der US Luftstreitkräfte. Keine rosigen Aussichten - für beide Seiten.
Zur e-politik.de Dossierübersicht: Ärger mit dem Irak.