Ostpolen, Winter 1932: Eisenschmied Zishe Breitbart (Jouko Ahola) ist der stärkste Mann in seinem Dorf und ein gutmütiger Mensch. Eines Abends jedoch verliert er die Beherrschung: Als er mit seinem kleinen Bruder Benjamin (Jacob Wein) im örtlichen Wirtshaus sitzt und die üblen antisemitischen Beschimpfungen betrunkener Gäste nicht mehr erträgt, lässt er Bänke und Bierfässer fliegen.
Da er jedoch kaum Geld hat, um den so entstandenen Schaden wieder gut zu machen, geht einen Handel ein: Er erklärt sich bereit, gegen den Kraftprotz des durchreisenden Zirkus anzutreten und das Preisgeld des Kampfes dem Wirt zu geben. Der starke Schmied gewinnt den Kampf überlegen und erweckt damit das Interesse des Berliner Talentagenten Alfred Landwehr (Gustav Peter Wöhler).
Der Palast des Okkulten
Im Mai 1932 schließlich kommt Zishe Breitbart trotz einiger Bedenken nach Berlin. Dort tritt er im Varieté „Palast des Okkulten" auf. Höhepunkt ist stets der Auftritt des Palast-Chefs Hanussen (Tim Roth). Neben dessen Hypnosekünsten sind vor allem die charismatischen Reden über Hitler, den er als Retter Deutschlands feiert, eine Attraktion. Und das nicht ganz ohne Hintergedanken. Denn, wie der Hypnose-Meister Zische nach einiger Zeit anvertraut, besteht sein eigentliches Ziel darin, Minister unter Hitler zu werden.
Mit blonder Perücke und martialischem Helm lässt Hanussen den jüdischen Schmied als Siegfried auftreten und Ketten sprengen – als Symbol für den Kampf des deutschen Volkes. Zishe wird zur Sensation und er genießt den so erlangten Ruhm. Während dieser Zeit verliebt er sich in Marta Farra (Anna Gourari), die Pianistin des Palasts und stetige Begleiterin Hanussens.
Ende der Maskerade
Völlig überraschend kommen Zishes Mutter und sein Bruder Benjamin zu Besuch nach Berlin. Benjamin ist zutiefst enttäuscht, als er seinen großer Bruder, den er immer bewundert hat, in der arischen Verkleidung sieht.
Kurzentschlossen nimmt Zishe während der Vorstellung die Perücke ab und erklärt, Jude zu sein. Als er dann Hanussen während einer Bootsfahrt mit Nazi-Größen als Betrüger und Scharlatan beschimpft, muss er sich vor Gericht verantworten.
Nazis als primitiver Haufen
Deutschland hat nicht viele Filmregisseure, die zu herausragenden Leistungen fähig sind. Ohne Zweifel gehört Werner Herzog mit Filmen wie Aguirre, der Zorn Gottes (1972) und Fitzcarraldo (1982) dazu.
Doch dieser Film ist eine Enttäuschung. Die handelnden Personen sind eindimensional: Benjamin, Zishes Bruder, zitiert ungefragt und ununterbrochen aus der Bibel, die Nazis treten ausschließlich als primitiver Haufen in Erscheinung, deren Führer Champagner aus den Pumps trinken und die Juden fallen durch selbstgerechte Naivität auf. Der Schmied als auch die Pianistin werden von Laien gespielt – wahrscheinlich, um Glaubwürdigkeit zu erzeugen, die aber nur selten bei dem Einsatz von Laien erreicht wird.
Ein Filmset ist eben doch nicht das wahre Leben, ein Spielfilm keine Dokumentation. Die Schauspiel-Leistung ist dementsprechend bescheiden. Nicht besser sieht es mir Tim Roth als Hanussen aus: Er ist so sehr auf die Rolle des mystischen Schurken eingeschworen, dass außer Schlechtigkeit an ihm nichts bleibt. „Herzog bemüht sich, Film als große Oper zu inszenieren, doch das Ergebnis ist nicht mehr als eine Operette", bemerkt dazu das Kinomagazin Filmdienst. Leider hat es Recht.
„Invincible – Unbesiegbar" (D/GB/USA/Irland 2001)
seit dem 24. Januar 2002 in den deutschen Kinos
Regie und Drehbuch: Werner Herzog
Produzenten: Werner Herzog, Gary Bart
Mit:
Tim Roth (Hanussen)
Jouko Ahola (Zishe)
Anna Gourari (Marta Farra)
Max Raabe (Master of Ceremonies)
Jacob Wein (Benjamin)
Gustav Peter Wöhler (Landwehr)
Udo Kier (Helldorf, Berliner Polizeichef)
Herbert Golder (Rabbi Edelmann)
Gary Bart (Yitzak Breitbart)
Renate Krößner (Mutter Breitbart)
Foto: Copyright liegt bei Zephir