Frischer Wind in der Bundeszentrale
Autor : Roman Maruhn E-mail: rmaruhn@e-politik.de Artikel vom: 27.07.2001
Mit den Jahren ist der Tanker Bundeszentrale für politische Bildung träge, teuer und auch etwas tranig geworden. Der noch recht neue Präsident will aber im gesellschaftlichen Diskurs wieder schwarze Zahlen schreiben. Roman Maruhn über einen Reformator.
Keine andere Institution verfügt über das nahezu schon legendäre Renommee der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB). Einige technische Daten: Knapp 72 Millionen Mark Etat für 2001, 181 Beschäftigte, die Zeitschrift Informationen zur politischen Bildung erschien jüngst in einer Auflage von 920.000 Stück.
Nicht schlecht, mag man also nun meinen, ist es um die politische Bildung in Deutschland bestellt. Tatsächlich wirkt die BpB, eine direkt dem Innenministerium unterstellte Behörde, grau, etwas in die Jahre gekommen und stark eingestaubt. Die schöne Prinzessin unter den Bildungsinstitutionen scheint aber jetzt aus ihrem Bonner Winterschlaf erwacht zu sein.
Ein Prinz, der Missionar und Manager sein will
Thomas Krüger heißt er, der als Präsident die Bundeszentrale für politische Bildung zumindest schon halb wachgeküsst hat. Der erste Eindruck: Überaus sympathisch, an Nähe gewinnend - scheinbar einer der neuen Funktionäre der Bundesrepublik. Krüger ist Ostdeutscher, Theologe, Mitgründer der SDP, Vorläuferin der SPD in der DDR.
"Die politische Bildungsarbeit repositionieren", die Jugend durch "Wiedertaufe" zurückholen, "eine Jugendmarke etablieren" und "aus einem Ackergaul ein Rennpferd machen". Auf den Punkt gebracht sind das Krügers Ziele und die Darstellung seiner verbalen Präsentationsweise.
Krüger ist der Einzige, der Politische Bildung zur einen Hälfte im Managerslang und zur anderen Hälfte in Pfarrerstönen abhandelt. Und wahrscheinlich ist dies auch die richtige - zumindest verbale - Herangehensweise. Einerseits ist die Vermittlung unseres Gesellschaftssystems eine wahrlich missionarische Aufgabe, die Geduld und Zähigkeit erfordert, andererseits muss sich auch die BpB mittlerweile am Erfolg messen lassen. Die Zeiten sind vorbei, als der Staat und seine Behörden am Bürger und den Konsumenten vorbeiproduzieren konnte.
Dunkle Vorgeschichte und neue mutige Ideen
Einfach wird es nicht gewesen sein, mit einer demotivierten Belegschaft und einem zerstrittenen Kuratorium zumindest irgendeinen Fortschritt zu erreichen.
Zu den Debakeln der vergangenen Jahre gehört unter anderem die Produktion einer CD-ROM, in die ein siebenstelliger Betrag gesteckt wurde. Dies allein wäre einfach nur teuer gewesen. Hinzukam aber, dass das Multimediaprodukt auf dem Markt angeboten wurde und so mit öffentlichen Geldern privatwirtschaftlichen Mitbewerbern Konkurrenz machte - eine Sünde in doppelter Hinsicht.
Vielleicht auch vor diesem Hintergrund sollte das 2001er Budget von 72 auf 65 Millionen Mark gekürzt werden. Durch geschickte Verhandlungen mit seinen ehemaligen Kollegen im Bundestag konnte Krüger erreichen, dass das Parlament die Vertriebskosten für die gleichnamige Zeitung übernimmt. Der Etat war in gleicher Höhe gesichert.
Die PZ wurde von 900.000 Exemplaren auf 200.000 zusammengestrichen. Palettenweise verkam die Zeitschrift vorher an den Schulen.
Obwohl das Fernsehen Bedrucktes als Leitmedium abgelöst hat, stehen der BpB Sachmittel in Höhe von 51 Millionen Mark zu Verfügung. Die sollen jetzt aber auch anders eingesetzt werden. Die Produktlinie Print wird stark entrümpelt, den Internetaktivitäten und auch dem direkten Engagement bei Jugendveranstaltungen soll mehr Geld zufließen.
Ein Theaterfestival, Treffen französischer und deutscher Hip Hop - Musiker, aber auch Kurzfilmprojekte entstehen unter dem Label BpB.
Zwar wird die nächste Robbie Williams - Tour wahrscheinlich immer noch nicht exklusiv von der Bonner Zentrale gesponsert werden, aber im kleineren Maßstab wird man dem Logo vielleicht doch begegnen. Augen auf bei der Vermittlung einer gesellschaftlichen Vision im neuen Gewand!
Foto: Copyright liegt bei www.spd-berlin.de
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Weiterführende Links:
e-politik.de-Überblick: Die BpB im Web
Rede von Thomas Krüger
Leserkommentar
von
Jo Boss
am 30.07.2001
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Bundeszentrale - demotivierte Belegschaft bleibt
Wie demotiviert die Belegschaft der Bundeszentrale tatsächlich ist, habe ich bei der Teilnahme an einem Wettbewerb feststellen dürfen. Meine Schulklasse hatte den ersten Preis gewonnen, wurde aber mit einer anderen Klasse verwechselt. Aus reiner Schlamperei. Unseren Gewinn dann doch noch zu belohnen, kostete einige Mühe - und offiziell geehrt wurden wir nicht. Dafür durfte die verwechselte Klasse sich in der Lokalpresse feiern lassen, wir als Gewinner bekamen entsprechenden Druck, damit nicht an die Medien zu gehen. Hört sich ein Bisschen an wie eine Provinzposse, sagt aber vielleicht einiges aus über den trägen Elefanten Bundeszentrale. Nähere Auskünfte erteile ich gern.
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