K-19 - Showdown in der Tiefe
Autor : Marius Lechler E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 05.09.2002
Harrison Ford und Liam Neeson liefern sich als russische U-Boot-Kommandanten einen Machtkampf unter Wasser - doch wenn Hollywood sich eines historischen Militärskandals annimmt, treibt dies noch viel seltsamere Blüten. Eine Kritik von Marius Lechler.
1961 war die "K-19" als erstes atombetriebenes Unterseeboot nicht nur der Stolz der russischen Marine, sondern auch ein entscheidender Trumpf im Wettrüsten zwischen der UdSSR und den USA. Mit Atomraketen bestückt sollte das Lieblingsspielzeug des Politbüros vor der Küste von New York heimlich Stellung beziehen, um das Kräftegleichgewicht zu bewahren und im Falle eines Angriffs der USA zurückschlagen. Dass das schwimmende Waffenarsenal dann aufgrund eines Reaktorlecks und des darauf folgenden internationalen Zwischenfalls jedoch den Beinamen "Der Witwenmacher" bekam, war Russland so peinlich, dass die Geschichte von "K-19" bis nach dem Zerfall der Sowjetunion geflissentlich unter den Teppich gekehrt und die beteiligten Personen vorsorglich nach Sibirien und an andere wohnliche Orte verfrachtet wurden (,um von erschreckenden Parallelen zum Untergang der "Kursk" gar nicht zu sprechen).
Natürlich eignet sich ein solcher Stoff vorzüglich für ein Hollywood-Drehbuch und da inzwischen Film-Bösewichter eher mit arabischem als mit russischem Akzent zu sprechen haben, stand einer Verfilmung der Geschichte nichts mehr im Wege. Im Zuge der gerade so beliebten Patriotismus-Welle in Hollywood sind die Nationalitäten der heldenhaften Soldaten sowieso austauschbar geworden. Kalter Krieg hin oder her, an den erinnert sich das 13- bis 19-jährige Kinopublikum sowieso nicht mehr.
Freidenker und Hardliner in einem Boot
Welche Schauspieler wählt man nun also für solch ein pathosverdächtiges Projekt aus? Harrison Ford ("Indiana Jones") und Liam Neeson ("Schindlers Liste") sind geradezu perfekt für die Verkörperung aufrechter russischer Soldaten - wen kümmert's, dass der eine aus Chicago stammt und der andere ein waschechter Ire ist.
Neeson ist in "K-19" der aufrechte Kapitän Polenin, der von seiner Mannschaft respektiert wird und den seine Vorgesetzten als regimekritischen Freidenker äußerst ungern am Steuer ihres neuesten U-Bootes sehen. Daher wird ihm nach seiner Reklamation über den Pfusch beim überstürzten Bau des Prototyps der ehrgeizige und vor allem linientreue Kapitän Vostrikov (Ford) vor die Nase gesetzt, der mit dem Segen des Politbüros vor die Küste der USA schippern soll. Der Hardliner, der die Treue zur UdSSR mit Haut und Haar verkörpert und dies auch jedem auf dem Boot auf Schritt und Tritt spüren lässt, übersieht die Anzeichen der drohenden Katastrophe. 10 Männer sterben bei Unfällen in und um das Boot herum bereits vor dem Stapellauf, die Mannschaft muss sich mit schlampig verarbeiteten Teilen und provisorisch eingebauten Gerätschaften herumschlagen und zu allem Überfluss sitzen die "Helden der Kriegsmarine" auf einem Atomreaktor, der zum ersten Mal eingesetzt werden soll. Und genau dieser ist es auch, der der "K-19" zum Verhängnis wird. Kurz vor dem Eintreffen vor der amerikanischen Küste versagt der Reaktor und unter Wasser droht eine Kernschmelze. Vostrikov weigert sich vehement, die Hilfe eines sich nähernden US-Zerstörers anzunehmen und würde lieber seine Männer der Strahlung opfern, als sich dem Feind auszuliefern. Dass eine Explosion des Reaktors in amerikanischen Hoheitsgewässern der Beginn des 3. Weltkriegs sein könnte, scheint dabei fast das geringste Problem zu sein…
Pathetische Tauchparade
"K-19 - Showdown in der Tiefe" ist ein grandioses Beispiel für die inzwischen allgegenwärtige Sucht des amerikanischen (und somit zwangsläufig auch deutschen) Kinopublikums nach patriotischen Helden. Dass das russische U-Boot-Desaster eine der größten Peinlichkeiten in der Geschichte des Kalten Krieges und außerdem eine gerade noch abgewendete Beinahe-Katastrophe war, wird dabei geflissentlich vernachlässigt. In Kathryn Bigelows ("Strange Days") testosterongeschwängertem Klaustrophobie-Thriller ist jeder Offizier ehrenhaft (sogar der unsympathische Betonkopf Vostrikov). Hier wird der Gefahr so mutig ins Auge geblickt, wie es sonst nur amerikanische Leinwand-Heroen dürfen und am Ende in einer pathostriefenden Schlussszene das hohe Lied der soldatischen Tugend zelebriert. Nicht einmal das spielverderberische Argument, dass in diesem Film nur Russen vorkommen, ist noch stichhaltig, denn jede Figur in "K-19" könnte genauso gut einer US-Armybase entsprungen sein. Man sieht einfach keinen Unterschied mehr. Es sei denn, man "genießt" die Originalfassung des U-Boot-Dramas, in der Harrison Ford und Liam Neeson sich gegenseitig im Radebrechen englischer Dialoge mit breitestem russischem Akzent überbieten. So wird diese pathetische Tauchparade wenigstens noch akustisch amüsant, was "K-19 - Showdown in der Tiefe" jedoch auch nicht vor dem Absaufen retten kann.
"K-19 - Showdown in der Tiefe" (USA 2001)
Originaltitel: "K-19 - The Widowmaker"
Ab 05. September 2002 in den deutschen Kinos
Länge: 132 Minuten
Regie: Kathryn Bigelow
Buch: Christopher Kyle
Vorlage: Louis Nowra
Produktion: Kathryn Bigelow, Joni Sighvatsson, Christine Whitaker,
Edward S. Feldman
Kamera: Jeff Cronenweth
Mit:
Harrison Ford (Alexei Vostrikov)
Liam Neeson (Mikhail Polenin)
Peter Sarsgaard (Vadim Radtchenko)
Christian Camargo (Radtchenko)
Joss Ackland (Marshall Zelentsov)
John Shrapnel (Admiral Bratyeev)
Donald Sumpter (Dr. Savran)
Bild: Copyright liegt bei Constantin Film und Universum Film
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Weiterführende Links:
K-19 - Showdown in der Tiefe
Leserkommentar
von
Jörg
am 12.09.2002
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Toller Film
Trotz aller schlechter Kritik fand ich den Film klasse.Alleine Neeson und Ford bestechen durch ihre Ausstrahlung.Außerdem werden in diesem Film auch mal russische Soldaten zu großen Helden, welche doch nicht immer so Gefühlskalt erscheinen wie in den typischen Streifen.
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