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Ecuador

Bananenhändler versus Putsch-Oberst

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 15.11.2002

Ecuador entzieht den traditionellen Parteien das Vertrauen. Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen kämpfen ein Bananenmillionär und ein ehemaliger Putsch-Oberst um das höchste Amt der Republik. Von Nina Schierstaedt.


Bananengroßhändler Alvaro Noboa und Ex-Putsch-Oberst Lucio Gutierrez stehen sich im Kampf um die Nachfolge des amtierenden ecuadorianischen Präsidenten Gustavo Noboa gegenüber. Da es keinem der insgesamt elf Präsidentschaftskandidaten im ersten Wahlgang am 20. Oktober 2002 gelungen ist, die für einen Sieg erforderliche absolute Mehrheit zu erreichen, wird es am 24. November 2002 zu einem Duell der beiden stärksten Kandidaten kommen.
Größte Chancen auf das Amt des Präsidenten werden dem linksgerichteten Lucio Gutierrez zugesprochen, der mit etwa 20 Prozent der Stimmen nach dem ersten Wahlgang in Führung liegt. Ihm folgt der konservative Bananengroßhändler Alvaro Noboa mit 17 Prozent der Stimmen.

Geschlagen geben mussten sich die drei Kandidaten, denen ebenfalls reelle Chancen auf den Einzug in die Stichwahlen eingeräumt worden waren: Leon Roldos, gemäßigter Sozialist und früherer Vizepräsident errag 15 Prozent der Stimmen, Rodrigo Borja, Sozialdemokrat und früherer Staatschef, 14 Prozent, der Christdemokrat Xavier Neira 12 Prozent.

Wahlkampf der Versprechungen

Gutierrez und Noboa gelten beide als politische Außenseiter. Noboa, Bananengroßhändler aus der Hafenstadt Guayaquil, zählt zu den reichsten Bürgern des Landes. Auf seiner Homepage nennt der erfolgreiche Unternehmer sieben prinzipielle Ziele, die unter seiner Regierung verwirklicht werden sollen: Schaffung von Arbeitsplätzen, Nahrungsmittel für alle, Gesundheit, Sicherheit, Bildung, Schaffung von Wohnraum und Fortschritt des Landes. Auf welchem Weg er diese Ziele erreichen will, bleibt offen.
Wie auch die anderen Kandidaten führt er kaum eine inhaltliche Debatte. Im Wahlkampf werden Versprechungen gemacht, jedoch selten Strategien zur Verbesserung der katastrophalen finanziellen und wirtschaftlichen Lage präsentiert. Im Vordergrund steht die Person, das Image des jeweiligen Kandidaten.

Der Gegenkandidat Noboas, Lucio Gutierrez, ist als Ex-Putsch-Oberst aus dem Jahr 2000 bekannt. An dem gewaltsamen Sturz des damaligen Präsidenten Jamil Mahuad war er maßgeblich beteiligt. Dank seiner Verbindungen zur indigenen Bevölkerung konnte er diese zum Marsch auf die Hauptstadt Quito und zum Sturm auf das Parlamentsgebäude mobilisieren. Politischer Druck aus Washington zwang die Militärjunta jedoch, nach wenigen Stunden zurückzutreten und dem damaligen Vizepräsidenten Gustavo Noboa das Amt zu überlassen.

Nun hat Gutierrez eine reale Chance, das Amt des Präsidenten auf dem verfassungsgemäßen Weg zu erlangen. Von der indigenen Bevölkerung, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung Ecuadors etwa 30 bis 35 Prozent beträgt, wird er auch dieses Mal unterstützt.

Die Indigenas haben in den letzten Jahren eine effiziente Organisationsstruktur entwickelt und an politischem Einfluss gewonnen. In Gutierrez sehen sie den Kandidaten, der ihre Interessen im politischen Prozess vertritt. Der Ex-Putschist steht für Fortschritt, Veränderung, Tatendrang. Er ist der einzige Kandidat, der jene gesellschaftlichen Kräfte, sowohl der Stadt- als auch der Landbevölkerung hinter sich vereint, die einen realpolitischen Richtungswechsel erstreben.

Politische und wirtschaftliche Situation in Ecuador

Ein politischer Richtungswechsel im Andenstaat ist dringend erforderlich. Seit dem Verfall der Erdölpreise Anfang der 80er Jahre herrscht eine schwere finanzielle und wirtschaftliche Krise. Nachdem 1967 große Erdölvorkommen im Amazonas-Tiefland entdeckt wurden, hat Ecuador Maschinen und Ausrüstung importiert und sich hierdurch stark verschuldet.

Die Regierung ist seit dem Verfall der Erdölpreise nicht mehr in der Lage, ihren internationalen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Der Anteil der Auslandsschulden am Bruttoinlandprodukt liegt bei etwa 55 Prozent. Arbeitslosigkeit und drastische soziale Ungleichheiten prägen das Land, ca. 80 Prozent der Bevölkerung gelten als arm. Ihren Unmut über die finanzielle und wirtschaftliche Lage drücken die Ecuadorianer in Protestbewegungen aus.

Auch die erste Runde der Präsidentschaftswahlen ist Ausdruck der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit Parteien und Politikern. Zwar gilt Ecuador seit der Abschaffung der Militärdiktatur und der Wiedereinführung der Demokratie um Jahr 1979 politisch als relativ stabil, doch ist das Misstrauen der Bevölkerung gegenüber der Regierung, besonders gegenüber den traditionellen Parteien, gewachsen. Nicht selten missbrauchen die Präsidenten der Republik ihr Amt, um die eigenen Konten aufzustocken.
Wichtige Reformen blieben aus, Wahlversprechen werden gebrochen.

Von Fortschritt und Erneuerung ist seit Jahren wenig zu spüren. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass jene, die unter der aktuellen Situation am meisten zu leiden haben, von den traditionellen Parteien Abstand nehmen und ihre Stimme dem Mann geben, der seinen Tatendrang unter Beweis gestellt hat: Lucio Gutierrez.


   

Weiterführende Links:
   Ergebnisse der 1. Runde der Wahlen
   Homepage von Alvaro Noboa



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