Die 58jährige SPD-Politikerin soll als Ministerin das tun, wofür sie schon seit über zwei Jahrzehnten bekannt ist: Engagement für die Familie. Dies ergibt sich bereits aus ihrer eigenen Biographie.
Vorreiterin in Sachen Familienpolitik
Renate Schmidt wird früh Mutter und weiß, dass ein gutes Netzwerk nötig ist, um Kinder und Beruf unter einen Hut zu bringen. Zusammen mit ihrem Mann geht sie 1974 einen für damalige Verhältnisse unkonventionellen Weg. Sie arbeitet, während der Ehemann sich um Kinder und Haushalt kümmert.
Schon in den 80er Jahren setzt sich Renate Schmidt für Rentenansprüche von Müttern und das Recht auf Kindergartenplätze ein. „Wir brauchen einen Mentalitätswechsel, der die Familie wieder in den Mittelpunkt rückt“, lautet eine Devise der Mutter und Großmutter, die gern Klartext redet und sich nicht den Mund verbieten lässt.
Deutschland als Schlusslicht
Auch das aktuelle Buch von Renate Schmidt spricht eine deutliche Sprache. In „S.O.S. Familie - Ohne Kinder sehen wir alt aus“ prangert sie Missstände an: Deutschland gehöre familienpolitisch zu den Schlusslichtern in der EU, so Schmidt. Tatsächlich ist die Geburtenrate in den Ländern am höchsten, in denen gleichzeitig die Frauenerwerbstätigkeit am höchsten ist.In Ländern wie Island, Dänemark und Norwegen beispielsweise sind Ganztagsbetreuungsplätze für Kinder üblich. In Deutschland muss diesbezüglich noch einiges getan werden. Frauen sollen sich nicht mehr für Kinder oder Beruf entscheiden müssen. Schmidt plädiert dafür, beides miteinander zu vereinbaren.
Auch in schweren Zeiten hartnäckig bleiben
Die Jahre in Bonn waren bisher ihre erfolgreichsten. Seit Anfang der 90er Jahre ist die „rote Renate“ jedoch im „schwarzen Bayern“ aktiv, wo sie es nicht leicht hat. 1998 erreichte die SPD dort nur 28,7 % bei der Landtagswahl. Ganz aktuell: die Schlappe der Sozialdemokraten bei der Bundestagswahl. In Bayern erzielte die SPD nur 26,1 %, während die CSU 58,6 % erreichte. Dass das „Familientier“ Renate Schmidt trotzdem weiterkämpft und sich für eine kinder- und familienfreundlichere Gesellschaft einsetzt, spricht für sie. Die Investition in eine familienfreundliche Politik lohne sich langfristig. Dies steht wohl außer Frage.
Renate Schmidt lebt heute mit ihrem zweiten Ehemann, dem Sozialwissenschaftler und Maler Hasso von Henninges in Nürnberg.
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