Die Zeit der schwarzen Koffer voller Mäuse war eher die Domäne der CDU. Die Grünen sammeln ihre Mäuse nun unter ihrer Domain gruene.de per Mausklick. Im Internet geben sie Parteimitgliedern und anderen der Partei wohlgesonnen Usern die Möglichkeit, online zu spenden.
Ein Novum in der Geschichte des politischen Netzes in Deutschland, kein Novum in der Geschichte des Netzes an sich. Bisher gaben Parteien auf ihrer Internetseite lediglich Bankverbindungen oder Spendeninfos an. Doch langsam aber sicher entdeckt auch die Politik, was in der Wirtschaft schon längst Gang und Gebe ist: Geldtransfers im Internet. Damit gewinnt das Internet im Bereich der politischen Kampagnen immer mehr an Einfluss. Stichwort US-Präsidentschaftswahlen 2000. Zum ersten Mal in der Geschichte hat das Internet einen Wahlkampf maßgeblich beeinflusst.
250.000 US-Dollar per Internet
John McCain, republikanischer Gegenspieler von George W. Bush bei den innerparteilichen Vorwahlen, konnte innerhalb von 48 Stunden eine Million US-Dollar Spenden-Gelder verbuchen. Mehr als ein Viertel des Geldes ging als Online-Spende via Kreditkarte ein. Hinzu kamen 140.000 freiwillige Mitarbeiter, die über das Internet rekrutiert wurden und sich online zu Telefonanrufen, Plakate kleben, Flugzettel verteilen oder eMail verschicken bereit erklärten. Das Team von US-Präsident Georg W. Bush konnte nach eigenen Angaben 700.000 freiwillige Webhelfer gewinnen. Geht man davon aus, dass jeder dieser Helfer durchschnittlich 30 Personen in seinem Webadressbuch stehen hat, so macht das rund 20 Millionen Werbemails. Kostenfaktor - nahezu Null.
Die daraus entstandene Euphorie schwappt nun auch nach Deutschland über. Die deutschen Parteien scheinen sich in ihrer Internet-Innovationsfreude regelrecht zu überbieten: Online-Auftritte, virtuelle Parteitage, Diskussionsforen, Newsletter oder gar eine reine Internetpartei. Bei jeder Pressekonferenz prangt die Webadresse über, unter oder neben dem Referenten. Und man reißt sich um die Anerkennung der Netzgemeinde.
Heikles Thema Sicherheit
Doch neu sind die Kommunikationsstrategien nicht. Die New und die Old Economy setzen schon lange auf ein Internetmarketing, das bisherige Kommunikationswege flankiert und unterstützt. Neu ist nur, dass die Politik sie jetzt wirklich nutzt.
Die Grünen sind nun die erste Partei, die umsetzt, was Onlineshops und Hilfsorganisationen schon lange praktizieren: Geld einsammeln per Maus und Kreditkarte. Ein Berliner Unternehmen hat das Onlinetool für die Grünen entwickelt. Dieses bedient sich einer Verschlüsselung (SSL-Standard), um den Geldtransfer möglichst sicher zu gestalten. Abzuwarten bleibt, ob der User mitspielt. Denn Kreditkartennummern im Internet sind ein heikles Thema. Nicht jeder gibt gern seine persönlichen Daten preis.
Nebensache Geld spenden
Doch der Erfolg von Online-Spendentools in den USA macht Mut. Schließlich hat das Online-Spenden einen unschätzbaren Vorteil: Das Spenden wird zur Nebensache. Es ist nicht mehr notwendig, zur Bank zu gehen und ein Überweisungsformular auszufüllen. Spenden geht schnell, ist nur fünf Mausklicks entfernt und anschließend kann sich der User wieder anderen Aktivitäten widmen.
Die Grünen bieten dem User verschiedene Spendenmöglichkeiten. Entweder kann man die Partei ganz allgemein unterstützen oder in eine bestimmte Aktion der Grünen investieren. Zu diesen Aktionen zählen derzeit der Wahlfonds Sachsen-Anhalt sowie der Internationale Solidaritätsfonds der Partei. Insgesamt setzt die Partei auf Transparenz. Sie formuliert auf der Internetseite ihre Spendenethik und garantiert: "Sollten Sie eine missbräuchliche Nutzung Ihrer Kreditkarte feststellen, erhalten Sie uns dadurch zugegangene Spenden zurück. Ohne jede Diskussion." Außerdem ist der gesamte Rechenschaftsbericht der Grünen im Netz einsehbar.
Und so ist der grüne Schritt zu einem Online-Spendentool für User und Bürger als positiv zu bewerten. Auch wenn das Internet die Politik und das Thema Parteispenden nicht revolutioniert, sondern nur ergänzt und flankiert. Eines ist jedoch sicher: Durch die offensive Herangehensweise, kombiniert mit Transparenz, könnte es gelingen, das Thema Parteispenden wieder aus der Schmuddelecke der schwarzen Koffer herauszuholen.
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