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Der etwas andere Reiseführer: Venedig unter vier Augen

Venedig unter vier Augen

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 26.09.2003

Das Autorenpaar Louis Begley und Anka Muhlstein hat einen etwas anderen Reiseführer über Venedig geschrieben. Von Michael Kolkmann.


Schon der amerikanische Schriftsteller Henry James, der zur Jahrhundertwende in seinen Werken zumeist die Begegnung mit der europäischen Kultur beschrieb, wusste: "Venedig: es ist eine Freude, das Wort zu schreiben, aber ich weiss nicht, ob es nicht eine gewisse Anmaßung wäre, wollte man so tun, als sei dem noch etwas hinzuzufügen. Venedig ist tausendfach gemalt und beschrieben worden und von allen Städten der Welt am leichtesten zu besichtigen, ohne dass man eigens dorthin reist. Schlagen Sie das erstbeste Buch auf, und sie werden eine Rhapsodie über Venedig finden; gehen Sie in die erstbeste Kunsthandlung und Sie werden drei oder vier 'Stadtansichten' in leuchtenden Farben finden. Jeder weiss, dass es zu diesem Thema nichts mehr zu sagen gibt".
Trotzdem haben Schriftsteller seit Henry James immer wieder versucht, die Stadt aufs Neue zu beschreiben. Zuletzt hat es das Autorenpaar Louis Begley und Anka Muhlstein versucht, und es ist ihnen aufs Trefflichste gelungen.

Persönliche Stadtansichten

Das Buch hält, was der Titel "Venedig unter vier Augen" verspricht. Begley und Muhlstein präsentieren dem Leser ihr ganz persönliches Venedig, abseits der gängigen Touristendestinationen und Besucherströme. Und sie erweisen sie als wahre Kenner der Stadt. Seit 20 Jahren verbringen die beiden Autoren -- er schreibt Romane, sie Sachbücher - mindestens zwei Wochen jährlich in Venedig, teilweise um in Ruhe an ihren jeweiligen Büchern arbeiten zu können, teilweise aber auch einfach deshalb, um die Stadt zu genießen. Es sind Arbeitsferien, die sie hier verbringen. Trotzdem bliebt ausreichend Zeit um den kulturellen und vor allem kulinarischen Genüssen der Stadt nachzugehen.

Kulinarische Erfahrungen

Der interessanteste Teil des Buches ist sicher der zweite Abschnitt, in dem Anka Muhlstein von den gemeinsamen Aufenthalten in Venedig berichtet. Mit augenzwinkerndem Humor beschreibt Muhlstein, welche Anstrengungen sie und ihr Mann unternehmen, um den Touristenströmen zu entgehen. Verzaubert vom Charme der Stadt lautet ihre erste Maxime: "Wir wollen niemanden sehen".
Und so dienen imaginäre Einladungen bei einer real existierenden Cousine als Grund, allen übrigen Einladungen mit gutem Gewissen absagen zu können. Jeden Tag verbringen Begley und Muhlstein Stunden in ihren Lieblingsrestaurants. Dabei folgen sie einem genau austarierten Rotationssystem, um die Ruhetage dieser Restaurants zu umgehen. Ausführlich schildert Muhlstein die Lebensgeschichten ihrer Lieblingswirte, sie beschreibt, wie sie auf die Restaurants aufmerksam geworden sind und welche Köstlichkeiten ihnen präsentiert werden.

Auf den Spuren historischer Vorbilder

Ein zweiter Höhepunkt des Buches ist ein Aufsatz Louis Begleys, in dem er den Spuren ausgewählter literarischer Vorbilder in Venedig folgt. Dazu gehört natürlich der bereits zitierte Henry James. Aber auch Thomas Mann ("Tod in Venedig") und Marcel Proust ("Die Flüchtige") haben Venedig in ihren Büchern ein Denkmal gesetzt. Der Kreis schließt sich, als Begley den Bogen zu seinem eigenen Werk spannt. Sein vermutlich bester Roman "Mistlers Abschied" handelt von einem Mann in den Sechzigern, der von seinem positiven Krebsbefund erfährt und beschließt, auf jegliche Therapie zu verzichten und stattdessen nach Venedig zu reisen, um dort, in einer Art moderner "Tod in Venedig", seinen eigenen Abschied zu feiern.

Reiseführer der anderen Art

Begley und Muhlstein haben ein wunderbares Buch über Venedig geschrieben, gerade weil es sich von der großen Zahl der üblichen Reiseführern abhebt. Es bietet die Gelegenheit, jenseits bekannter Routen ein Venedig zu entdecken, das hinter den bekannten, bröckelnden Fassaden nach wir vor lebendig ist. Für alle, die beabsichtigen, Venedig zu besuchen oder einfach dem Charme der Stadt erliegen wollen, ist das Buch uneingeschränkt empfehlenswert.

Louis Begley/Anka Muhlstein:
"Venedig unter vier Augen",
MARE Buchverlag, Hamburg 2003,
170 Seiten, 18 Euro,
ISBN: 3-936384-07-X.


   


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