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Like Father

Like Father

Autor :  Florian Bergmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 12.09.2002

Ab und an erreichen unsere Filmredaktion Produktionen aus dem englischen Arbeitermilieu. Diese Neuvorstellung zeichnet sich durch "East Durham-Slang" aus. Was das ist, wissen wir nicht. Also musste unser Englandspezialist Florian Bergmann ran.


Die Geschichte dreier Männer und ihrer Identitätskrisen in einer kleinen nordenglischen Küstenstadt: Die Schließung des örtlichen Bergwerks hat Lebenssinn, Routine und Vertrauen vertrieben.
Da ist der dickliche Musiker Joe, der Mitte 30 seine Arbeit als Bergmann verloren und nun Geld- und Alkoholprobleme hat. Er verdient sich ein wenig hinzu als Animateur im örtlichen Pub, den Rest für den Spaß mit den Kumpels "borgt" er sich aus der Sparbüchse seiner hart arbeitenden Frau. Umsonst bringt er Kindern und Behinderten das Trompeten bei.
Joe's Beziehung zu seiner Frau geht in die Brüche, zu seinem etwa zwölfjährigen Sohn Michael, der gänzlich ohne Perspektive ist und sich in Fantasiewelten flüchtet, kann er auch nichts von Bestand aufbauen.

Drei Männer - drei Krisen

Die Beziehung zu seinem Vater Arthur, ebenfalls Ex-Bergwerker, war schon immer schlecht. Sie droht schließlich gänzlich zu zerbrechen, als Joe einen Auftrag erhält: ein ehemaliger Freund hat wie etliche andere in der Stadt mit den alten Werten bereits gebrochen und ist nun Chef der lokalen Restrukturierungskommission, die Stadt und Küstengebiet zu einem touristisch attraktiven Gebiet umgestalten wollen. Joe soll durch die Komposition eines Orchesterstücks die Akzeptanz des "Phoenix"-Projekts in der Bevölkerung vorantreiben. Doch sein Vater hat wie viele andere Ex-Bergmänner seinen Lebensmittelpunkt in einem Wohnwagen an der Küste, wo er Tauben züchtet, und fühlt sich von seinem eigenen Sohn hintergangen.
Michael, ohnehin vom Vater entfremdet, wendet sich seinem Großvater zu. Joe steht vor der Entscheidung zwischen schnellem Geld auf der einen Seite und Verbundenheit zu Werten, Heimat, Vater und Sohn auf der anderen Seite. Alle drei müssen sich entscheiden, was sie wirklich vom Leben wollen. Die drei scheinbar stark unterschiedlichen Identitätskrisen erweisen sich zum Ende als ein und dieselbe - sie ist nur durch Zusammenhalt durchzustehen.

Keine Massenware

Like Father ist kein typisch englischer Film über die Arbeiterklasse. Es mag zwar derartige Hinweise geben wie die Botschaft des sozialen Zusammenhalts - Thema unzähliger englischer Filme -, Bilder von abbruchreifen Arbeitersiedlungen oder Pub, Bingo und Hunderennen als einzige Freuden; doch sticht dieser Film aus der Masse heraus.
Like Father ist ein Low Budget-Film. In erster Linie - und das erstaunt angesichts ihrer schauspielerischen Leistung - wurde an den Darstellern gespart: sie sind fast allesamt absolute Laien, haben zuvor noch nie gespielt. Allen voran Joe Armstrong, der tatsächlich einen Teil seines eigenen Lebens spielt, und der kleine Jonathon Dent, dessen Leistung keinen Vergleich mit "Billy Elliot's" Hauptdarsteller scheuen muss.
Umso echter wirkt der ganze Film, unterstrichen von schnellen Szenenwechseln und einer fotografischen Kameraführung. Like Father wirkt also stellenweise eher wie ein Dokumentarfilm als wie ein Drama. Schöne Naturaufnahmen finden sich wie in klassischen Genre-Vertretern zwar auch, doch fehlen komödienhafte Elemente oder Themen wie Kleinkriminalität ganz.
Das Skript entstand aus unzähligen Interviews mit der lokalen Bevölkerung über ihr Leben nach Schließung der Minen. Fünf Jahre hat es gedauert, den Film zu drehen. Das ist für das Amber-Production Team nichts neues; seit seiner Gründung Ende der 60er Jahre verfährt es bei allen seinen Film- und Fotoprojekten derart.

Authentischer Stil

Der Erfolg von "Billy Elliot", "Brassed off" oder "Ganz oder gar nicht" wird dem Film wohl verschlossen bleiben. Doch was ihm an Independent-Kassenschlager-Kraft fehlt, hat er im Gegenzug an Authenzität und echter Emotionalität zu bieten. In diesem Sinne ist auch der Schluss des Films nicht wie vielleicht auf den ersten Blick enttäuschend, sondern ganz wie das wirkliche Leben eben auch: abrupt und unverhofft, weder "happy" noch böse, ohne Hinweise auf die Zukunft. Nur die Botschaft bleibt: in der Gegenwart kann man nicht vorankommen, indem man die Vergangenheit auszulöschen versucht.
Der Film kommt mit deutschen Untertiteln in die Kinos - denn selbst hartgesottenen Anglophilen dürfte es schwer fallen, den East Durham-Slang durchgängig zu verstehen.


"Like Father" (Großbritannien 2001), engl. m. dt. UT
ab 15. September in ausgewählten deutschen Kinos
Länge: 97 Minuten
Regie:
Richard Grassick
Ellin Hare
Sirkka-Liisa Konttinen
Murray Martin
Buch: Richard Grassick
Produktion: Tessa Ross
Mit:
Joe Armstrong (Joe)
Ned Kelly (Arthur)
Jonathan Dent (Michael)
Anna Gascoigne (Carol)
Verleih: Kairos-Film, Göttingen

Foto: Copyright liegt bei Kairos Filmverleih


   


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