Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Pop & Politik   Pop und Politik - Neuvorstellung


Love And Theft

Bob Dylan - Love and Theft

Autor :  Hartwig Pautz
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 17.10.2001

Einsamkeit und Ende zweiter Teil könnte man das neue Album von Bob Dylan auch nennen. Hartwig Pautz hat es sich angehört.


Wenn von Bob Dylans letzten Schallplatten gesprochen wird, dann wird die Musik meist über seine Vergangenheit hinweg vergessen; und wenn doch die Musik im Mittelpunkt steht, dann oft im Tone der Nachsicht für die Produkte eines alternden Barden, der sich nicht anderweitig beschäftigen kann, von der Gegenwart nichts weiß und wissen möchte. Dass er seiner Texte wegen bekannt wurde, wird mit der nostalgischen Schwärmerei über die Elektrifizierung des Folk vergessen.

Ebenso seine frühe Absage an romantisches Protestgesinge. Das am elften September erschienene "Love and Theft" ist jedoch ebenso wie das 97er Vorgängeralbum "Time out of Mind" textlich hochgradig aufgeladen. Allerdings kommt die neue, von Dylan erstmalig in Eigenproduktion entstandene Platte ohne die klangliche Mystik des Vorgängers aus. So dominieren gerader Rock'n'Roll, Ragtime, Vaudeville, Rockabilly und Blues; Dylan reist durch Mississippi, Kansas und Florida und damit durch die Landschaft amerikanischer Musik.

Ende und Hoffnungslosigkeit

Während der Opener "Tweedle Dee & Tweedle Dum" noch an das enttäuschende Album "Under the Red Sky" erinnert, gibt "Mississippi" das Motiv dieser Platte vor:
Hoffnungslosigkeit, Ende, Tod und Offenbarung sind zentral. Dylan ist mit sich selber beschäftigt, ja, aber dieses Selbst hat noch genügend Raum für Subversivität und Wut. Er singt schon seit Jahren: "Say what you want, I've heard it all", aber er singt auch "I never stepped out of the way, though we walked a lot", und dass sein einziger Fehler der eine Tag zu viel in Mississippi war.

Das ist keine Selbstgerechtigkeit, sondern ein - wie seine Neverending-Tour - nicht enden wollendes Testament. Dylan will aber nicht autobiographieren, nicht sein Tun und Lassen bewerten, warum auch, wenn es "keine Vergangenheit gibt und die Zukunft schon wieder eine Sache der Vergangenheit ist". Das Ende sieht Dylan gelassen, zwar: "Things are breaking up and high water everywhere", aber: Reg Dich nicht auf, ich ertrinke doch auch. Überhaupt singt Dylan viel von Zeit und Vergangenheit: In "Summer Days" behauptet der Bräutigam gegenüber der Braut sein Recht auf Vergessen der Vergangenheit. Auf ihre Frage "Where do you come from, where do you go?" entgegnet er "Sorry, but that's another thing you don't need to know".

Krieg und Kleinbürger

Subversivität? Dann, wenn Dylan sagt, "red' doch, aber wenn Du Informationen haben willst, dann geh' besser zur Polizei!", oder wenn er hofft, daß seine Ideale und Träume noch nicht "repossessed" sind - doch sind es nur belanglose, kitschige Träume von wilden Rosen.
Auch wenn Dylan davon singt, daß er seine Regeln mit Bürgerkrieg durchsetzen wird und das Schicksal des im Krieg getöteten Bruders mit dem seiner verheirateten Schwester vergleicht - von beiden wurde nie wieder gehört - ist das mehr als Wortspielerei im Selbstzweck.
Die spießige Nachbarlichkeit seiner anständigen Kleinbürger macht ihm Sorgen: Er habe doch mit dem fremden Mann in seinem Haus nicht geschlafen, aber trotzdem wird man über ihn reden - na ja, und außerdem "I never slept with him, although I did want". Das ganze trägt er vor im beschwingten "Lonesome Day Blues"-Rhythmus vor, manchmal auch in einer Replik von "Maggie's Farm" mit kreischenden Gitarren, wie in "Honest with me".
Vor Klischees schreckt Dylan schon lange nicht mehr zurück. "Moonlight" ist eine süßliche Ballade, in der die "air is heavy all along the Levy" ist. Allerdings weiß er genau, wann er zuschlagen muß, um seine Liebste zu verführen: im Mondlicht, wenn die Nachtigall singt. Proletarierromantik wird in "Po' Boy" bemüht. Fließbandarbeit, kein Denken über den nächsten Kuß hinaus - "all I know is that I'm thrilled by your kiss, I don't know more than this" - das Haus aus modrigen Ziegeln, aber Zugfahrt erster Klasse: Paß auf, dass Du nicht vom Waggondach fällst.

Ehrliche Töne

Bob Dylan sagte unlängst, dass "Love and Theft" sein erstes Album sei, das kein Kompromiß ist. Die Lieder seien so geworden, wie er sie selber vorher höre.
"Wenn die Leute im Konzert sagen, hey, das klingt ja live ganz anders, dann sage ich: natürlich, live spiele ich meine Lieder so, wie sie hätten werden sollen". Wie auch immer man Dylans Unzufriedenheit gegenüber seinem bisherigen Oeuvre verstehen mag, "Love and Theft" ist gewiß nicht eines dieser unsäglichen Rock'n'Roll-Platten in digitaler Machweise: der Kontrabaß pulsiert, das Schlagzeug scheppert, die Band, die ihn auch auf der Tour begleitet, spielt schnörkellos und die Stimme von His Bobness ist rauher, fester und süßer denn je. Wer jetzt immer noch nach "The Times, They Are a-Changing" schreit, hat nichts verstanden: "Got nothing for you, had nothing before, don't even have anything for myself anymore".


Bob Dylan - Love and Theft
Musikstil: Rock´n´Roll
Label: Colombia

Cover von "Love and Theft": Copyright liegt bei Colombia


   

Weiterführende Links:
   Website von Bob Dylan



Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.