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Argentinien

Tango Mortale - Teil 2

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 07.11.2002

Die argentinische Misere scheint ein Musterbeispiel für das Versagen der politischen Klasse zu sein. Ihre wahre Ursache liegt aber tiefer: Im Versagen der zivilen Wertegemeinschaft. Von Christian Peters.


"Was man nicht reformiert, deformiert."

Wahrscheinlich war diese Niederlage allerdings eher ein Glück für das Land, denn sie hatte die Armee, die für so viele blutige Exzesse verantwortlich ist, endgültig diskreditiert. Trotz der miserablen Lage ist heute in Argentinien kaum jemand bereit, einer möglichen Militärregierung in die Hände zu spielen. Die Armee wird abseits stehen bei der notwendigen Neuordnung des Landes, auch wenn die Schilder an der Staatsgrenze noch immer trotzig-pathetisch verkünden: "Las Malvinas son Argentinas" ("Die Falklandinseln gehören zu Argentinien").

Leider tun sich auch die anderen gesellschaftlichen Kräfte schwer damit, an einem Strang zu ziehen. "Wo ist die politische Reform geblieben?" fragt La Nación angesichts der Tatsache, dass nicht nur das politische Establishment die dringendsten Hausaufgaben - die Steuerreform, die Sanierung der Finanzen und die Stabilisierung des Bankensystems - nicht anpackt. Bezeichnend auch, dass die Reform-Initiativen der vielen Nicht-Regierungsorganisationen genauso wenig vorankommen, vor allem, weil es ihnen nicht gelingt, die Bürger anzusprechen und in ihre Bemühungen mit einzubeziehen. So lautet das Fazit von La Nación: "Was man nicht reformiert, deformiert."

Exodus

Der mangelnde gesellschaftliche Zusammenhalt bewirkt einen Exodus der begabtesten und am besten ausgebildeten Menschen des Landes nach Europa oder in die USA. Eben das Humankapital, welches Argentinien für einen Neuanfang so bitter nötig braucht.
Selbst die Helden in den Fußballtrikots verlassen ihre Heimat. Es zieht sie in die bekannten europäischen Vereine, nicht nur, weil dort das große Geld winkt. Die Welle von Entführungen, die Argentinien seit Monaten verunsichert, macht auch vor den nationalen Idolen nicht halt. Im April diesen Jahres wurde der jüngere Bruder des Mittelfeldspielers der Boca Juniors Juan Roman Riquelme entführt und erst gegen Zahlung eines Lösegelds von 500.000 Dollar wieder freigelassen. "Es ist einfach schrecklich", sagte Diego Maradona, "die Entführungen erinnern einen an die alten Zeiten, als das häufig geschah. Das ist etwas, was wir in Argentinien niemals mehr wollen."

Vor dem Kollaps

Der Unterschied ist nur, dass es von 1976 bis 1983 der Staatsterrorismus der Militärjunta unter General Leopoldo Galtieri war, auf dessen Konto das tägliche Verschwinden von Menschen ging. Diese Exzesse gehören der Vergangenheit an, die Korrosion des sozialen Systems erzeugt aber neue Gewalt. Die Gesellschaft scheint zu implodieren, während der Druck von außen immer stärker wird.

Die Verhandlungen mit dem Internationalen Währungsfond zur Refinanzierung von Krediten multilateraler Organisationen in Höhe von 16 Milliarden Dollar, die bis Ende 2003 fällig werden, ziehen sich hin.
Die Verhandlungen mit privaten Gläubigern über Schulden in Höhe von geschätzten 141 Milliarden Dollar haben noch nicht einmal angefangen.
Aber die Zahlen, mit der die argentinische Misere gern illustriert wird, verdecken nur allzu leicht die soziale Dimension der Krise. Den Kollaps eines gesellschaftlichen Wertesystems kann kein Fond der Welt auffangen.


   


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