Die Elektronische Steuererklärung (ELSTER) ist ein kostenloses Projekt, das die Finanzämter nun per Internet der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt haben. Es soll den bürokratischen Apparat entlasten und dem sich jährlich einschleichenden "Steuer-Frust" entgegenwirken.
Die Abwicklung von Behördengängen über das Medium Internet verspricht Vorteile - auf behördlicher wie auch auf privater Ebene. ELSTER soll die elektronische Bearbeitung des gesamten Verwaltungs- und Archivierungsverfahrens vereinfachen: Die Finanzämter erhoffen sich eine größere Effizienz bei der Bearbeitung der Steuerfälle und im Gegenzug könnten sich die Bürger beispielsweise auf schnellere Lohnsteuerrückzahlungen freuen.
ELSTER besteht derzeit aus zwei verschiedenen Angeboten: ELSTER Formular2000 ist ein reines Online-Formular und damit lediglich als Äquivalent zum klassischen Papierbogen gedacht. ELSTER Projekt hingegen bietet in Kombination mit einer herkömmlichen Steuererklärungs-Software nützliche Ausfüllhilfen. Häufiges Telefonieren mit dem Sachbearbeiter soll so überflüssig werden. Online-Ratgeber und Chatrooms dienen zur Beseitigung weiterer Unklarheiten. Entsprechende Links, wie z.B. www.steuernetz.de, www.steuerzahler.de oder www.c@ll-nrw.de bieten Tipps und Hilfestellungen als positive Alternative zu lästigen Langzeit-Telefonaten in Warteschleifen.
Ein unausgereifter Prototyp
In Fachkreisen gehen die Meinungen über die neue Steuererklärungssoftware weit auseinander. Verständlicherweise befürwortet die Finanzverwaltung das Produkt; Praktiker hingegen halten ELSTER für einen unausgereiften Prototypen. Ihr Argument, ELSTER würde dem Steuerzahler fälschlicherweise den Eindruck vermitteln, er hätte die beste steuerliche
Variante ausgeschöpft, ist sicher nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Elektronische Steuererklärung ist und bleibt also eine reine Ausfüllhilfe. Eine Beratung zum Steuersparen ersetzt das Internetangebot nicht.
Ein zweiter Nachteil: So angenehm und bequem ELSTER auf den ersten Blick scheint, ganz ersetzt es den Postweg nicht. Die rechtliche Absicherung elektronischer Signaturen konnte noch nicht zufriedenstellend gelöst werden. Eine Kurzversion der eigentlichen Steuerklärung, sprich: Nachweise plus Lohnsteuerkarte, müssen nach wie vor über traditionelle Wege auf den behördlichen Schreibtisch.
Noch wiehert das Internet
ELSTER bringt neuen Wind in den Behördenstall. Zu einem echten Vorteil für Steuerzahler und Finanzamt aber wird das Programm wahrscheinlich erst, wenn die gesamte Prozedur über das Internet abgewickelt werden kann. Bis dahin hat man noch einen weiten Weg vor sich. Auch wenn ELSTER nicht so diebisch ist wie sein Namensvetter, eines hat das neue Finanztool doch mit dem Vogel gemein: Beide müssen erst mal flügge werden, bevor sie abheben können. Bis es soweit ist, wird der Amtsschimmel auch im Internet leise, aber wacker weiter wiehern.
Grafik: Copyright liegt bei www.elster.de
Weiterführende Links:
Steuernetz - Ein Informationsdienst zu Steuerfragen
Homepage vom Bund der Steurzahler (BdSt)
Bürgerservice des Landes NRW zum Thema Steuern