In Deutschland ist der Begriff Geopolitik wegen seines Zusammenhanges mit der Expansionspolitik des Nationalsozialismus
weitgehend tabuisiert. In Italien hingegen feiert Geopolitik seit dem Ende des Kalten Krieges im Sprachgebrauch der
Politikwissenschaft ein Revival. Nach dem Zerfall der festen Blockstrukturen zeigte sich besonders in Italien sehr deutlich,
dass man von den gesicherten Verhältnissen vor 1989 Abschied nehmen muss. Das Auseinanderbrechen Jugoslawiens, der
Zusammenbruch des stalinistischen Albaniens Enver Hodschas und Migrationswellen aus Kurdistan und Nordafrika
verwandelten das NATO- und EU-Mitglied Italien in einen Frontstaat mit einer unruhigen Nachbarschaft. Dies führte zu
einer Bewußtseinsveränderung der Italiener gegenüber ihrem geographischem Umfeld. 1993 kam die Zeitschrift liMes -
Rivista Italiana di Geopolitica (Italienische Zeitschrift für Geopolitik) auf den Markt und trug dieser Entwicklung Rechnung,
wie bereits der Name der Zeitschrift zeigt. liMes wird von Lucio Caracciolo in Rom und von Michel Korinman in Frankreich
herausgegeben. Die französische Ausgabe ist mittlerweile eingestellt worden.
Einen für eine Fachzeitschrift großen Erfolg erzielte liMes mit der Sonderausgabe zum Kosovokrieg - über 100.000
Exemplare wurden verkauft. Das Thema Kosovo traf also in der Bevölkerung auf ein so großes Informationsbedürfnis, dass
der Interessierte - die Tagesmedien ergänzend - ein Fachblatt hinzuzog.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt einerseits in der modernen und progressiven Aufmachung des Blattes. So liegt jeder Ausgabe
ein farbiges Poster bei, das entweder historische Dokumente, wie zum Beispiel die Dayton-Friedensordnung, oder
Meinungsumfragen illustriert. Darüber hinaus werden auch die Artikel mit vielen Landkarten, Tabellen und Statistiken
veranschaulicht. Im liMes-Design gestaltete Titelbilder auf dem Cover runden das ästhetische Bild ab.
Im positiven Sinne journalistisch
Andererseits macht aber auch die Aufbereitung des Inhalts Lust aufs Lesen. Die Darstellung der Themen erlaubt nicht nur
dem Insider eine ausführliche Information, sondern jedem interessierten Leser. Das Titelthema wird aus mehreren
Perspektiven beleuchtet; Politiker, Wissenschaftler, Journalisten, Intellektuelle und Vertreter aller Gesellschaftsbereiche
erscheinen als Autoren. Diese verstecken sich nicht hinter Fachvokabular, das den Normalleser ausschließt, sondern sie
schreiben klar und verständlich, im positiven Sinne journalistisch.
Akademische Generalisten kommen hier also wenig zu Wort, sondern es sind die wahren Experten, die sich mit der
jeweiligen Region intensiv - auf welche Weise auch immer - beschäftigen, die Informationen aus erster Hand vermitteln.
Diese Auswahl der Autoren ist wohl auch ein Erfolgsgeheimnis von liMes. Nicht seitenlange Bekundungen
politikwissenschaftlicher Allgemeinplätze, sondern themenspezifisches Insiderwissen gepaart mit perspektivischen Analysen
fesseln den Leser. Das Resultat: Jede Ausgabe stellt für sich ein umfassendes Kompendium und Nachschlagewerk zum
jeweiligen Thema dar.
In vorbildlicher Weise werden in Gesprächsrunden (Rubrik „Tavola Rotonda") sowohl gegensätzliche Positionen der
Gesprächspartner dargestellt, als auch Gedanken argumentativ entwickelt und vorzeigbare Gesprächsergebnisse erzielt.
In den Heften des vergangenen Jahres stand der Kosovokrieg im Vordergrund: Die schon angesprochene Sonderausgabe
"Nach dem Krieg" (3/99), sowie die Ausgabe „Was nützt uns die NATO?" (4/99) bereiteten das für Italien sehr wichtige
Thema Balkan auf.
In der Schlußrubrik („liMes in più") greifen entweder Autoren Themen vorhergehender Ausgaben auf und tragen damit zu
einem kontinuierlichen Dialog bei. Oder historische Essays, zum Beispiel über die unter Mussolini neu errichteten Städte
Italiens, schließen ein im Durchschnitt immerhin über 300 Seiten starkes „Heft" ab.
Die Attraktivität und Verfügbarkeit der Zeitschrift wird zudem durch die Art des Vertriebs gesteigert. Getreu dem Konzept
eines offenen Forums ist Limes im Zeitschriftenhandel - also auch am Kiosk um die Ecke - erhältlich. Anzeigen in
Tageszeitungen und Diskussionsveranstaltungen in den größeren italienischen Städten stellen die neue Ausgabe der
Öffentlichkeit vor.
So gelingt es liMes, die Lücke zwischen Magazinen und politikwissenschaftlichen Fachzeitschriften zu schließen. Ein für
italienische Verhältnisse recht gut ausgebautes Webangebot inklusive Archiv mit ausgewählten Artikeln früherer Ausgaben
und weiterführenden Links erlaubt einen ersten Zugang zur Zeitschrift. Die von der Redaktion initiierte Gründung lokaler
Clubs, die in Gesprächen die Themen der Zeitschrift debattieren sollen, rundet das Bild des offenen Forums ab.
Limes - Rivista Italiana di Geopolitica
ISBN: 88-86824-XX-X
Fünf Ausgaben pro Jahr; Preis: LIT 100.000
Abonnements über den Buchhandel oder direkt im Internet
Arnoldo Mondadori Editiore S.p.a.
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