Mit dem Pilotprojekt abitur-online.nrw wird erstmals das virtuelle Klassenzimmer erprobt. Die Schüler lernen via Internet am heimischen Computer. Das Land hat in Kooperation mit den Schulbuchverlagen Cornelsen und Klett eine Lernplattform im Web konzipiert, auf der sich Schüler in Lerngruppen zusammenschließen und den Unterrichtsstoff, unterstützt von einem Online-Tutor, erarbeiten können. Die Online-Tutoren sind speziell ausgebildete Lehrer, die mittels Audiokonferenz, write-board (virtuelle Tafel) und Chaträumen, den Stoff vermitteln.
"Die Schüler lernen von zu Hause, aber nicht einsam", betont Stephanie Paeleke, Sprecherin des Bildungsministeriums NRW. Das Projekt soll Schüler eher anleiten, sich selbständig Wissen anzueignen und Problemstellungen zu erfassen. Fähigkeiten, die vielen Schülern fehlen, wie die PISA-Studie zeigte.
Abitur-online.nrw soll diese Kernkompetenzen fördern, "da diese von zentraler Bedeutung für berufliche Chancen und gesellschaftliche Teilhabe sind", so Gabriele Behler, Bildungsministerin von NRW auf der Bildungsmesse in Köln, auf der heute die Plattform frei geschaltet wurde.
Kein Ersatz für die Präsenzschule
Die Ministerin und ihr Projektstab legen aber Wert darauf, dass das Abitur-online kein Ersatz für die Präsenzschule ist, sondern vielmehr eine Ergänzung und eine Antwort auf veränderte Lebensbedingungen. So können auch nur maximal 50 Prozent der 20 Pflichtstunden im virtuellen Klassenzimmer verbracht werden, diese allerdings in den Hauptfächern Deutsch, Mathematik, Fremdsprachen und dem neu eingerichteten Fach ökonomische Bildung. Die andere Hälfte wird in Präsenzveranstaltungen durchgeführt. Ebenso ist es nicht möglich, die Klausuren von zu Hause aus zu schreiben.
Vor allem für Berufstätige, die auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur machen möchten, ist diese Unterrichtsteilung eine Erleichterung. Daher sind alle der acht am ersten Lehrgang im Sommer 2002 teilnehmenden Einrichtungen Weiterbildungskollegs, die mit der Fachhochschulreife oder dem Abitur abschließen. Bildungsministerin Behler sieht das als einen wichtigen Beitrag zur Chancengleichheit.
Nach den Sommerferien 2003 werden dann Abiturienten der gymnasialen Oberstufe dazustoßen. An dieser zweiten Phase des Projekts nehmen 150 Gymnasien teil, die sich ab sofort beim Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung um die Aufnahme in das Programm bewerben können. Ein Manko jedoch bleibt: Die Gymnasialschüler müssen das technische Equipment aus eigener Tasche bezahlen. Die Projektschulen werden hingegen bis zum Ende der Pilotphase finanziell unterstützt.
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