Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Politisches Buch   Das Politische Buch - Literatur / Belletristik


Tim Parks: Schicksal

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 11.04.2002

Tim Parks Roman "Schicksal" ist nun auch als Hörbuch erschienen. Michael Kolkmann hat gelesen und zugehört.


Der in Italien lebende Brite Christopher Burton wird an der Rezeption eines englischen Hotels ans Telefon gerufen. Dort erfährt er, dass sein Sohn sich umgebracht hat. Burton weiß, dass er sein Leben ändern muß, dass sein Leben nicht mehr so weiterlaufen kann wie bisher. Doch er ist nicht schockiert, weint und hadert nicht, das alles kommt später. Sein erster Gedanke ist absurd: Burton will seine Frau verlassen, die Frau, mit der er fast dreißig Jahre verheiratet war. Noch in der Nacht vor der Nachricht versuchen Burton und seine Ehefrau, "Eheleute, die sich allein fühlen, wenn sie zusammen sind", einen Neuanfang in ihrer "Ehe als Warteschleife", denn "vielleicht können wir wieder zusammen kommen". Das alles wird durch die Nachricht zunichte gemacht. Jetzt beginnen die Fragen: "Was haben wir ihm angetan? Was hätten wir anders machen sollen?"

Schöner Sprachstil

Parks erweist sich in "Schicksal" von neuem als Sprachkünstler. Allein der erste Satz nimmt eine halbe Seite ein, und in diesem Stil geht es weiter. Parks erzählt assoziativ: kaum ein Satz ohne viele Kommata und Bindestriche. Virtuos versteht es Parks, anhand von permanenten Ergänzungen, Präzisierungen, Gedankensplittern und inhaltlichen Querschlägern in einem von Ulrike Becker glänzend ins Deutsche übertragenen inneren Monolog zwei Erzählebenen miteinander zu verbinden.

Beruf und Familie

Da ist auf der einen Seite Burtons berufliches Leben: ein Interview mit dem früheren italienischen Ministerpräsident Andreotti zu dessen angeblich mafiöser Verstrickung, um das Burton sich bemüht. Auf der anderen Seite steht das Privatleben Burtons, dessen er sich nun angesichts der Krise erinnert und vergewissert:
Es kann nicht alles vorbei sein. Als Ironie des Schicksals erweist sich, dass die von Burton vorbereiteten Fragen an Andreotti unversehens zu Fragen an sich selbst werden: wann hat das alles begonnen? Waren Sie aktiv beteiligt? Wie wichtig ist es für Sie, sich tugendhaft zu verhalten? So schließt sich der Kreis, verschmelzen die beiden Erzählstränge am Ende zu einem einzigen, im Mittelpunkt dabei die für den Erzähler zentrale Frage: Warum habe ich meine Frau verlassen? -- "One does not choose such things. Surely, if one chose such things, chose whether to leave or not, one would have left ages ago", wie es im Original heißt.
Mit diesem Satz läßt sich der Grundkonflikt des Buches auf den Punkt bringen: Burton kann sich nicht auf sich selbst einlassen, versteckt sich in der Maskerade seiner Widersprüche; er ist stets seitwärts ausgewichen, statt sich mit den Ansprüchen und Herausforderungen der Ehe konfrontieren zu lassen - "mal in den Seitensprung, mal in die Bücher", wie er einmal selbst feststellt.

Frühere Erfolge

Leichtfüßig entwirft Parks ein Kaleidoskop der menschlichen Empfindungen: Liebe, Tod, Treue, Vertrauen, Entfremdung - das alles hat Platz in "Schicksal". Der 47jährige Brite ist bekannt geworden durch seine Beschreibungen des italienischen Alltags, denn seit vielen Jahren lebt und arbeitet er in Verona.

Das Buch als Hörbuch

Noch einmal ganz neu erleben läßt sich der Text Parks, wenn man ihn sich vorlesen läßt. Hanns Zischler gelingt es in souveräner und bewundernswerter Weise, den Text zum Leben zu erwecken. Mit einer verblüffenden Nonchalance schildert Zischler den permanenten Monolog des Erzählers, seine Gedanken und Zweifel, seine Hoffnungen und Erwartungen angesichts seiner persönlichen Katastrophe. Zischler, auch bekannt aus zahlreichen Fernsehproduktionen, erzählt mit einer eindringlichen Stimme, die die Distanz des Lesers augenblicklich aufhebt. Auch in reflektiven Passagen, in denen er seine Stimme bisweilen eindrucksvoll zurückzunehmen versteht, läßt er den Hörer nicht los.
Tim Parks hat ein kluges Buch geschrieben über das Miteinanderleben und Miteinanderstreiten in einer modernen, binationalen Ehe. Ein Lesevergnügen, auch und gerade ein Hörvergnügen, das so manchen grauen Wintertag weniger grau erscheinen läßt.

Tim Parks:
Schicksal.
Aus dem Englischen von Ulrike Becker.
Antje Kunstmann Verlag 2001,
288 Seiten, EUR 19,90.
ISBN: 3-88897-257-4.

Hanns Zischler liest Tim Parks: Schicksal.
Gekürzte, autorisierte Fassung.
Hörkunst bei Kunstmann, Antje Kunstmann Verlag, 2001.
4 CDs, 267:20 Minuten, EUR 29,90.
ISBN: 3-88897-287-6.


   

Weiterführende Links:
   Die Homepage von Tim Parks
   Die Homepage des Verlages



Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.