'Shock and Awe' am Ende
Autor : Thomas Bauer E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 25.03.2003
Was mit einer geballten Übermacht begonnen hat, scheint sich bereits nach 5 Tagen selbst tot zu laufen. Die Operation "Shock and Awe" hat eindeutig ihren Zweck verfehlt. Von Thomas Bauer.
Bei einer ersten Analyse der Militär-Strategie dürfte im Pentagon Ernüchterung eingetreten sein, ganz im Gegensatz zu den siegesbewussten Pressekonferenzen im US Central Command. Die meisten strategischen Ziele in Bagdad sind zerstört, auch die Städte Basra, Mosul und Kirkuk wurden durch heftige, aber gezielte Luftschläge getroffen. Zieht man die zu erwartende Trefferquote beim Einsatz von Marschflugkörpern, GPS- und lasergesteuerten Bomben und Raketen mit in Betracht, dann dürften die Kommando- und Führungskapazitäten stark dezimiert worden sein.
Der Schock bleibt aus
Doch nun steht man vor dem Dilemma, dass nach der Bekämpfung der strategischen Ziele der Krieg keineswegs vorbei ist. Ganz im Gegenteil. Der Vorstoß der Bodentruppen ist ins Stocken geraten, der Nachschub hinkt hinterher. Britische Luftlandeeinheiten und mechanisierte Verbände haben es im Süden des Irak mit heftigem Widerstand zu tun, der sich allmählich als gezielte Guerilla-Taktik herausstellt - ein Szenario, das die USA unbedingt verhindern wollten. Orts- und Häuserkämpfe haben nichts mit dem "New-War" Konzept von Donald Rumsfeld gemein. "Shock and Awe" hat sich totgelaufen. Der Schock ist für die Zivilbevölkerung glücklicherweise weitestgehend ausgeblieben, aber anscheinend war die Einschüchterungstaktik auch bei den irakischen Streitkräften nicht erfolgreich.
Guerilla-Krieg droht
Guerilla-Warfare ist im Großen und Ganzen mit der asymmetrischen Kriegsführung in kleinem Rahmen zu vergleichen. Eine bevorzugte Taktik dabei ist die Verschleierung der eigenen Präsenz beim Vorstoß der gegnerischen Kräfte. Irakische Truppen der Republikanischen Garde und Fedaijin-Kämpfer haben sich vom Vorstoß der 3. US-Infanteriedivision überrollen lassen, um nun im Rücken der immer weiter vorpreschenden Front für Unruhe und Verwirrung zu sorgen. Das gewährt den Irakis die Zeit die sie brauchen, um den Medienkrieg für sich entscheiden zu können. Militärisch hat Saddam Hussein den Krieg bereist jetzt verloren. Politisch kann er ihn durch eine Zermürbungstaktik für sich entscheiden. Es dürfte fraglich sein, ob US-Präsident Bush und Großbritanniens Premierminister Tony Blair einen wochenlangen Feldzug, der sich als eine Häufung von unvorhersehbaren und verlustreichen Scharmützeln herausstellt, gegen den Druck der eigenen Straße durchhalten können.
Zu wenig Truppen, zu viele Gefechte
Nach "Shock and Awe" dürfte nun "Urban Warfare" folgen - ein Horrorszenario für die Militärs. Bereits vor dem Konflikt hatten hochrangige Offiziere der US Marines vor einem blutigem Orts- und Häuserkampf gewarnt. Außerdem sind die Kräfte der 3. Infanteriedivision zu schwach für eine Sturm auf Bagdad. Tommy Franks, der kommandierende General für die Operation zur Befreiung des Irak, forderte seit Wochen die Verlegung der 4. Infanteriedivision in den Irak. Erst jetzt sind die 18.000 Soldaten auf den Weg in den persischen Golf geschickt worden. Bis sie effektiv in die Kämpfe um die irakische Hauptstadt eingreifen können dürften noch mindestens 2 Wochen vergehen.
Ziviler Ungehorsam im Rücken der Front
Durch die schnellen Vorstöße der Alliierten bleiben an der Fernstraße nach Bagdad entlang des Euphrat aufgebrachte Zivilisten zurück. Von Befreiungsjubel und Begrüßungsgeschenken ist nicht zu sehen. Kein Wunder, sieht sich die Bevölkerung doch einer überforderten Militärmacht gegenüber, die bis jetzt noch kein System für die Verwaltung oder Versorgung der eroberten Gebiet aufgebaut hat. Von den Hilfsgütern ist noch nichts zu sehen, dafür aber von der erfolgreichen Gegenwehr der irakischen Spezialkräfte. Sollte Washington den Zuspruch der Zivilbevölkerung im Irak verlieren, stehen den USA und ihren Verbündetetn heiße Zeiten bevor.
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