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Der erste ‚embedded journalist'

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 12.04.2003

Thukydides, (ca. 455-396 v. Chr.), gilt heute als der bedeutendste Geschichtsschreiber der Antike. Seine 'Geschichte des Peloponnesischen Krieges', begründete die kritische und politische Geschichtsschreibung. Von Jochen Groß


In diesem Werk, das den erbitterten Krieg zwischen Sparta und Athen in den Jahren zwischen 431 und 404 v.Chr. beschreibt, zeichnet er ausführlich, streng chronologisch und um Sachlichkeit bemüht, den Ablauf des Krieges detailliert nach. Dabei bedient sich Thukydides dem heutigen Standardinstrumentarium eines jeden Journalisten: Augenzeugenberichte, Urkunden und Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten. Außerdem betont er immer wieder sein Bemühen um moralische Neutralität. Weiterhin unterscheidet Thukydides Werk von der bis dato gebräuchlichen 'Geschichtenerzählung', wie sie etwa von Homer bekannt ist, durch die Konzentration auf die Analyse realer Machtverhältnisse und politischer Interessen der Akteure zur ursächlichen Erklärung des Krieges und bezieht sich nicht auf göttliche Macht.

Dabei hat Thukydides keineswegs nur die politische Geschichtsschreibung begründet und dabei bereits moderne journalistische Methoden angewendet, sondern kann sogar als der erste 'embedded journalist' gesehen werden, denn seine 'Geschichte' gründet vorrangig auf seinen Erfahrungen und Erkenntnissen als athenischer Flottenkommandant. So schreibt er dieser Eigenerfahrung des Krieges einen großen Wert für seine Berichterstattung zu: 'Ich bin Zeitgenosse dieses Krieges, habe ihn vom ersten Tage an miterlebt, habe seine Begebenheiten richtig verfolgen können, nicht nur wegen meines Alters, sondern weil ich genaue und authentische Nachrichten zu sammeln mich mühte' (Geschichte des Peloponnesischen Krieges: 5, 25).

Da Thukydides den ihm vom athenischen Strategenkollegium übertragenen Schutz der Stadt Amphipolis nicht gewährleisten und die Stadt fallen sah, wurde er aus Athen verbannt. Fortan musste er seine Geschichtsschreibung im 'Exil' fortführen. In ganz Griechenland, das er bis zuletzt bereiste, führte er zahlreiche Interviews, sammelte und wertete unzähliges Material aus, um schließlich eine achtbändige Kriegschronologie vorzulegen, die 411 v. Chr. abbricht und so fragmentarisch bleibt.

Auch wenn Thukydides 'Geschichte des Pelopponesischen Krieges' heute mit seinem beträchtlichen Umfang und der zeitgenössischen sophistischen Rhetorik kein journalistischer Hochgenuss mehr ist, so hat er doch die erste nach bis heute geltenden Prinzipien verfaste Berichterstattung vorgelegt und erreicht durch seine penible wie erschreckende Detailliertheit der Beschreibung von Kriegshandlungen sowie seine analytische Kraft eine fortwährende Aktualität.


Zur Dossierübersicht: 'Embedded Journalists' - Das Dossier



   


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