Die Berliner Ampelmännchen - Eine Glosse
Autor : Thomas Mehlhausen E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 24.01.2002
Die Farbverwirrung in der Hauptstadt scheint beendet, aber ist sie es wirklich? Thomas Mehlhausens pädagogisch wertvoller Exkurs zur Berliner Farbenlehre bringt Licht ins Dunkel.
Es war keine Neuigkeit, als Ende letzten Jahres zu hören war, dass die Ampel in Berlin nicht funktionieren würde. Es ist zwar denkbar, zwei Lichter gleichzeitig leuchten zu lassen. Doch eine Ampel, deren drei Lichter gleichzeitig brennen, kann nicht ihre Funktion erfüllen. Was naturgemäß nicht zueinander passt, sollte wohl doch nicht wider alle Vernunft zusammengebracht werden.
Nun, dem Chaos der in drei Farben gleichzeitig leuchtenden Ampel sind wir noch mal entkommen, doch nun sehen dafür alle, allen voran die FU-Mediziner, gleich doppelt Rot. "Nun gut", kann da Schwarz leicht triumphieren, "damit hätte man doch rechnen können: Bei Rot kommt alles zum Stillstand, da entsteht auf Dauer ein Stau". Doch den gibt es bereits.
Grün argumentiert, die FU-Medizin hätte die Kreuzung in der Grünphase sicher noch geschafft, wären die Autos nicht so zögerlich gewesen. Doch möchte Grün überhaupt leuchten, solange nicht absehbar ist, dass der Stau jemals enden wird? Und wer freut sich schon auf Grün, wenn er im Stau feststeht? Im festgefahrenen Stau kann selbst das grünste Grün nichts mehr bewirken. Im Prinzip ist dann egal, welches Licht brennt.
Auf Gelb hofft sowieso niemand, es ist nie Zweck an sich, sondern stets nur Mittel zum Zweck. Davon sind nicht nur die Autofahrer überzeugt, sondern sogar Gelb selbst, denn es bevorzugt zwar in der Regel die Begleitung der zwei erloschenen schwarzen Lampen, doch zur Not ist auch Rot denkbar - Hauptsache, man ist dabei. Eine traditionell gelbe Losung: Der Zweck heiligt die Mittel.
Doch Schwarz darf es diesmal nicht sein, das schadet dem Zweck, denn das Gemisch aus Schwarz und Rot war die Ursache des Staus. Während Schwarz ausgebuht wurde, bleibt Rot salonfähig. Als damals zahlenmäßig unterlegener Partner weist Rot jede Schuld von sich.
Die vorgeschlagene Alternative, die vielen Autos auf die nahe Bundesstrasse umzuleiten, scheiterte leider auch. Nicht nur weil sie auch verstopft ist, sondern weil die Zufahrtsstrasse geschlossen wurde. Die Autos müssen nun auf Gedeih und Verderb an dieser Ampel vorbei, und die Fahrer werden dafür kräftig zur Kasse gebeten. Sie haben keine andere Wahl!
So ist es eben Rot-Rot, an denen alles hängen bleibt. Doch was beklagen sich die FU-Mediziner, besser Rot als Schwarz sehen!
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