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Stay Human

Spearhead - Stay Human

Autor :  Jochen Groß
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 05.10.2001

Es hat lange gedauert bis Spearheads neues Album in Deutschland veröffentlicht wurde. Und auch dann blieb es weitgehend unbemerkt. Schade, meint Jochen Groß, der sich "Stay Human" genauer angehört hat.


Michael Franti ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des politisch-aktiven Teils der Popkultur-Szene San Fransiscos, der etwa auch Jello Biafra der legendären Punk-Band Dead Kennedys zuzurechnen ist. Dieser konzentriert sich inzwischen (sehr erfolgreich) auf Lesungen und gastiert derzeit auch wieder einmal in Deutschland, während Michael Franti sich seit seiner "Crossover"-Zeit mit den Disposable Heroes of Hiphoprisy weiter auf die Musik konzentriert hat. Jetzt geht er mit "Stay Human", dem dritten Album der Band Spearhead, an den Start.

Musikalische Brüche - inhaltliche Konsistenz

Zusammen mit seinem Partner Mark Pistel hat Michael Franti 1992 mit "Hipocrisy Is The Greatest Luxury" der Disposable Heroes of HipHoprisy Musikgeschichte geschrieben. Dieses Album ist wegen seiner musikalischen und inhaltlichen Radikalität heute noch für ebenso viele Punk- wie HipHop-Fans ein Meilenstein ihrer musikalischen Sozialisation. Mit einer deutlichen Sprache prangerten sie politische Missstände vor allem in den USA an, kämpften verbal gegen Ausbeutung durch Großkonzerne oder die Macht der Medien - und das nicht wenig erfolgreich.

Songs wie "Televison, The Drug Of A Nation" oder "Famous And Dandy (Like Amos 'N' Andy)" werden heute noch viel zitiert und erfuhren eine große Rezeption, die weit über eingeschworene Musikkreise hinaus reichte. Musikalisch führte Michael Franti diesen Weg aber nicht weiter, da er sich den zunehmend einengenden Kategorisierungen der Presse nicht mehr erwehren konnte. Diese wurde ihm und seinen Anliegen nicht gerecht und versuchten ihn aus einem intellektuellen, linksradikalen Diskurs auszublenden. 1994 kehrte Michael Franti mit seiner neu gegründeten Band Spearhead zurück und zog mit dem lupenreinen HipHop-Soul-Album "Home" zunächst massive Kritik auf sich.

Entgegen des z.T. brachialen Sounds der Disposable Heroes of HipHoprisy, wirkte Spearhead - musikalisch - wie ein Schmusekurs gegenüber dem vorher bekämpften Establishment. Michael Franti ließ diese Kritik nicht gelten, schließlich blieb er sich und seinen Überzeugungen treu und vertrat diese weiterhin ebenso konsequent wie streitbar und machte sich mit dem ersten HipHop-Song, der HIV thematisierte ("Positive") vor allem in der vom Gangster-Rap dominierten Westcoast-Rap-Szene keine Freunde. Es dauerte seine Zeit bis Spearhead anerkannt wurden und bis auch die in den HipHop zurückgebrachten politischen Inhalt weitere Verbreitung fanden. So baut heute etwa Mos Def auf den Grundsteinen auf, die Spearhead 1994 gelegt hatten.

Das Major-Dilemma

Durch die Spannung zwischen infizierenden Soul-Grooves mit politisch gehaltvollen Texten wurde eine alte Tradition wieder zurück in den Popdiskurs gebracht, die einst von Marvin Gaye, Gil Scott Heron, Sly Stone oder Curtis Mayfield bestimmt wurden und bis heute eben von Spearhead oder etwa Erykah Badu, Mos Def und Philadelphias Ursula Rucker weiter geführt werden.

Mit ihrem zweiten Album "Chocolate Super Highway" konnten Spearhead 1997 an "Home" anknüpfen und auch von der vorigen Welttournee profitieren, auf der sich sicher viele von Michael Frantis Bühnenpräsenz anstecken ließen. Allerdings wurde auch " Chocolate Super Highway" von den Kritikern nicht nur begeistert aufgenommen, zeigte sich doch eine gewisse musikalische Abflachung.
Etwas später kam erst heraus, dass dies auch der Politik seines Labels Capitol zu verdanken war, von welchem er sich nach einigen unschönen Streitereien mittlerweile lösen konnte. Folgerichtig rief er sein eigenes Label BooBooWax ins Leben und veröffentlicht nun darauf auch das dritte Album von Spearhead. So ärgerlich für Franti der Deal mit Capitol in jeder Hinsicht auch war, er garantierte ihm Aufmerksamkeit in der ganzen Welt, da Journalisten bemustert wurden und eine gut ausgestattete Promotionmaschinerie hinter den voran gegangenen Alben stand. Nun aber wird das Album zwar in Europa über einen Major (Virgin) vertrieben, doch nur als Lizenzprodukt, was viel geringeres Marketing bedeutet und folglich ein weitgehende Abstrafung des Albums durch Missachtung.
Ein augenzwinkerndes Paradox, wenn man sich vor Augen hält, das eben jene Medien, die jetzt gar nicht bemerken, dass mit "Stay Human" Spearhead ihren musikalischen Zenith erreichen, vor vier Jahren noch eben Frantis Kritik an der Politik der großen Plattenfirmen teilten.

One Nation Under A Groove

Allein hier zeigt sich einmal mehr die Perversität des Musikmarktes, wie sie auch schon bei deutschem HipHop mit voller Tragweite offenkundig wurde. Erst der Erfolg schuf Raum für politische Inhalte, die über den Versuch der großen Major-Labels diese als popkulturelle "Codes" einer bestimmten Szene zu verkaufen, in ihrer inhaltlichen Tiefe und Deutlichkeit marginalisiert, wenn nicht ad adsurbum geführt werden sollen. Spearhead deckten dieses "Spiel" auf, stiegen aus und müssen nun in Sachen Präsenz ihren Preis für diese Konsequenz zahlen. Wir sollten ihnen diesen Schritt nicht nur als ehrlichen Zug huldigen, sondern auch "Stay Human" als schillernde Perle abseits des Rummels wahrnehmen. Michael Franti erreicht hier den bisherigen Zenith seiner stimmlichen Präsenz und kann dank seiner Spoken Word-Erfahrungen hier noch pointierter Rassismus, Sexismus, die Manipulation durch die Medien und die Todesstrafe thematisieren. Dieses Album ist somit nicht nur in musikalischer Hinsicht ein Manifest.


Spearhead - Stay Human
Musikstil: HipHop
Vertrieb: Virgin
VÖ: 07.05.2001

Cover von "Stay Human": Copyright liegt bei "spearhead vibrations".


   

Weiterführende Links:
   Homepage von Spearhead



Leserkommentar von SaturdayKnight
am 09.08.2002
One Nation Under A Groove???

Hört sich zwar verdammt familiär und positiv an aber ist es leider nicht. Aus diesem Grunde checkt: http://www.onenationunderagroove.de Peace & One Love, SK P.S. Spearhead hat auf der Rheinkultur gerockt! Big ups!!!

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