Dienstag, 11.11.2003 Werbung:
 
 


Afrika
Balkan
China / Russland
Europa
Internationales
Politik in Deutschland
Politik und Wirtschaft


Lehrredaktion
e-Demokratie
Medien
Extremismus im Netz


TV / Hörfunk-Tipps
Pop & Politik


Sport
Satire
Netz-Fundstücke



Außenpolitik der BRD
Europäische Union
Theorien
Organisationen


Antike
Neuzeit


Parteien
Institutionen


Aus den Hochschulen
Studienhilfen
Für Studenten







Über uns
Presse / Referenzen
Redaktion
Gästebuch
Impressum


Jobs@e-politik.de
Werbung
Partner





e-politik.de - Home  Kultur & Politik  Politisches Kabarett   Kabarett - Aktuelle Programme


Matthias Deutschmann

Matthias Deutschmann: Streng vertraulich

Autor :  Claus von Wagner
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 10.11.2001

"Das Empire State Building - damals wie heute das höchste Gebäude New Yorks." Rabiates Kabarett mit Matthias Deutschmann in der Lach & Schießgesellschaft. Claus von Wagner war dabei.


Die Oberlippe zuckt verächtlich. Das Cello spielt die amerikanische Nationalhymne - Version Jimi Hendrix. Matthias Deutschmann, Jahrgang 58, ist ein Getriebener seiner eigenen Vernunft. Ruhe kennt er auf der Bühne nicht. Weiter, weiter. Die Grenzen zwischen Aufklärung und Unterhaltung verschwimmen. Aufklärung, wohlgemerkt, nicht Belehrung. Deutschmanns Programm verklärt nicht, es legt offen und es ist schonungslos dialektisch. Zur Erklärung: Deutschmann ist These und Antithese zugleich. Er ist wachsam und doch müde von dieser Welt. Er liebt sie, das spürt man, also ringt er mit ihr. Er sucht die Synthese, ohne Flucht in den Zynismus oder die "Kabaresignation". Deutschmann ist derjenige, den Tucholsky meinte, als er vom "charaktervollen Künstler" schrieb, der "um des Guten Willens kämpft".

Humanismus

Deutschmanns Waffe ist die niveauvolle Pointe - nicht alles ist erlaubt. Der Mann in schwarz ist konsequent, seine Verächtlichmachung von Zuständen und Personen nie Selbstzweck, sondern immer Mittel. Deutschmann hat etwas, was man wohl "erkennbare Grundhaltung" nennen könnte. Ein Begriff wie "Humanismus" kommt einem in den Sinn, aber vielleicht auch nur, weil Deutschmann ihn selber zur Sprache bringt.

Die Beschreibung eines Abends mit dem scharfsinnigen Künstler kann nur Bruchstücke liefern. Auffallend jedoch: der hohe Grad an Aktualität der Themen, die an der Schnelligkeit der Produktion nicht im Geringsten gelitten haben. Der an Wolfgang Neuss erinnernde Improvisationsstil ist wohl Ausfluss und Stütze dieser Aktualität. Die Eisen, die Deutschmann anfasst, glühen noch. Es zischt, wenn er sie in den Zuschauerraum wirft. Afghanistan, CIA, Amerika, Bin Laden, Taliban. Zwischendurch kunstfertiges Bespielen des Cellos, Pointen auf russisch, Selbstreflexion über Kabarett in Ost und West und immer wieder diese krausgezogene Oberlippe.

ZDF an Kabarett gescheitert

Dieses Kabarett ist kompromisslos. Das hat auch schon der ZDF Intendant Stolpe zu spüren bekommen. 1993 flog Deutschmann aus dem Morgenmagazin des ZDF. Der Grund: Er hatte den Präsidenten des IOC, Antonio Samaranch, in einem satirischen Beitrag als "Franco-Faschisten a.D." bezeichnet. Aber ein Deutschmann macht eben vor niemandem Halt. Vor allem nicht vor Amerika. Zur eigenen Sicherheit, quasi als Korrektiv, gründet er im Publikum nun pausenlos Komitees zur Überwachung des deutsch-amerikanischen Verhältnisses. Das Korrektiv scheitert jedoch kläglich an der eigenen Wehrlosigkeit. Entlachwaffnet.

Die Überwachung durch Deutschmann dagegen ist lückenlos. Trotz der dunklen Sonnenbrille. Selbst Geheimdienste wie der BND werden durchleuchtet. Fundiert werden Wirken und Versagen der Nachrichtendienste geschildert, ohne Verschwörungstheorie, dafür mit gründlicher Recherche. Deutschmanns Interesse an der Wahrheit ist fast zärtlich. Unaufdringlich fühlt man sich an seine selbst verschuldete Unmündigkeit erinnert.

Wenn Kabarett auf bundesdeutschem Parkett jemals wieder ernst genommen wird, dann waren es Künstler wie Deutschmann, die dafür den Bühnenboden mit ihrem Schweiß poliert haben. Große Begeisterung über einen modernen Aufklärer. Und Rätselraten, denn ein Deutschmann zahlt keine GEMA-Gebühren: Das Cello spielt Beatles - Version Deutschmann. Welcher Titel? Psst. Das ist streng vertraulich.

Foto: Pressefoto. Copyright liegt bei Albert Josef Schmidt

Tourdaten:

Dezember 2001:
26.- 30.12. Freiburg

Januar 2002:
16.1. Radevormwald
17.- 19.1. Köln
20.1. Langenfeld
24.1. Rottenburg
25.1. München
26.1. Göppingen
27.1. Konstanz
29.1. - 2.2. München

Februar 2002:
3.2. Haar
7.2. Garching
8.-9. 2. Würzburg
14.2. Oldenburg
15.2. Bremerhafen
16.2. Bremen
17.2. Bielefeld
20.2. Lörrach
21.-23. 2. Mainz

März 2002:
25.- 6.3. Berlin
7.3. Memmingen
8.3. Augsburg
17.- 20.3. Düsseldorf

April 2002
24.- 25.4. Meerbusch
26.4. Kaarst
27.4. Greven
28.4. Warendorf

Mai 2002
2.- 5.5. Freiburg
8.- 9.5. Mai Leipzig

Stand: 09.11.2001, Terminänderungen vorbehalten


   

Weiterführende Links:
   Münchner Lach & Schießgesellschaft
   Programmbeschreibung Streng geheim



Leserkommentar
Momentan kein Leserkommentar
eigenen Kommentar abgeben ]


Artikel drucken

Artikel für Palm

Artikel mailen

Suche: (Hilfe)

 

Netzreportagen
Deutschland
Europa
USA
Andere Länder
Organisationen
Medien
Gesellschaft
Studium
LINKS der WOCHE



Ochsentour

Kohl-Tagebücher

Politischer Film
The Long Walk Home
rezensiert von Maria Pinzger

Politisches Buch
Sidney Blumenthal: The Clinton Wars
rezensiert von Michael Kolkmann

Kabarett
Gerhard Polt - Das Dossier
von C. von Wagner

Für Studenten



Name ist freiwillig !


 

© 2003 - Konzept, Gestaltung und Redaktion: e-politik.de - Der Seiteninhalt ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.