"Ich hätte gedacht, dass mein Landesverband mehr Stil hat."
Die Enttäuschung in dieser Aussage Angelika Beers ist verständlich. Schließlich
steht sie vor dem Aus auf der bundespolitischen Bühne – nach drei
Legislaturperioden wird sie dieses Jahr nicht mehr in den neuen Bundestag
einziehen. Und die Entscheidung fiel nicht mal in einer direkten Abstimmung. Die verteidigungspolitische Sprecherin der
Bundestagsfaktion scheiterte an einer besonderen Regelung im schleswig-holsteinischen
Landesverband: Nach drei Legislaturperioden im Bundestag muss sich ein
Abgeordneter mit einer 2/3-Mehrheit vom Parteitag bestätigen lassen, um wieder für
die Landesliste kandidieren zu können. Angelika Beer hätte dafür 68 Stimmen gebraucht
– sie erhielt 66. Denkbar knapp kam der Befehl für die Wehrexpertin: Abtreten!
Unumstritten war Angelika Beer auch in der eigenen Partei
nie. Zunächst Pazifistin und Bundeswehrgegnerin, bekannte sich die heutige
Wehrexpertin der Grünen in den vergangenen Jahren öffentlich zu den Bundeswehreinsätzen
in Bosnien und in Afghanistan. Ihr Landesverband ist seit jeher eher links –
ein möglicher Grund für das Scheitern.
Die glücklosen drei
Auf jeden Fall steht Angelika Beer nicht alleine da. Auch
Hans-Christian Ströbele und Oswald Metzger erwischte es bei den Nominierungen
für den Bundestagswahlkampf. Der Altlinke Ströbele erreichte auf der Berliner Landesliste
gerade mal Platz drei – un hat damit keine Aussicht auf einen erneuten Einzug
in den Bundestag. Der schwäbische Finanzexperte Metzger scheiterte in einer Kampfabstimmung
gegen den Parteivorsitzenden Fritz Kuhn – für einen Listenplatz auf den
hinteren Plätzen stand er dann erst gar nicht mehr zur Verfügung.
Drei Große der Grünen müssen sich nun scheinbar aus der
Bundespolitik verabschieden. Einen generellen Trend kann man bei den Grünen
deshalb aber nicht feststellen. "Die Realos schicken die Altlinken nach Hause" prophezeien
manche Beobachter. Ströbele ist einer "dieser Linken". Aber Metzger und auch
Beer zählen nicht dazu. Bei Metzger könnte seine Kritik am Führungsstil der Partei zur Niederlage geführt haben. Er hatte der grünen Führungsriege einen "Schmusekurs mit der SPD" vorgeworfen. Bei Angelika Beer wird darüber gemunkelt, dass ihr
Privatleben eine Rolle gespielt habe – in der Boulevardpresse ließ sie sich
über ihren ehemaligen Lebensgefährten, einem Bundeswehr-Leutnant, aus.
Wirtschaft, Landespolitik und Bundestag?
Genauso unterschiedlich wie die Gründe für das Scheitern sind
auch die Zukunftspläne der drei gefallenen Kandidaten. Für Metzger sitzt der
Stachel zu tief: Er will in die freie Wirtschaft und nicht mehr in der Politik
aktiv sein. Angelika Beer will wenigstens auf Landesebene weitermachen. Und Christian Ströbele? Er könnte den Joker gezogen haben: Die
Grünen in Kreuzberg nominierten ihn als Spitzenkandidaten und wollen mit ihm
das erste Direktmandat der Grünen bei einer Bundestagswahl holen. Sollte ihm
das gelingen, wird Hans-Christian Ströbele wohl als Phönix aus der Asche der
Grünen in die Parteigeschichte eingehen. Von Beer und Metzger würde in der
rauschenden Wahlnacht in Kreuzberg wohl dann niemand sprechen.
Bei Journalisten war Oswald Metzger wegen seiner knackigen Stellungsnahmen immer beliebt. Nach der Bundestagswahl müssen sie sich einen neuen Lieblings-Partner suchen. Lesen Sie hier einen Bericht von Maria Pinzger über die letzten Tage des Politikers.