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Beisetzung von Kosovaren

Heinz Loquai: Der Kosovo-Konflikt - Wege in einen vermeidbaren Krieg - 2. Teil der Rezension

Autor :  Andreas Bock
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 16.12.2000

Unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Analyse präsentiert Heinz Loquai tatsächlich gefährliche Relativierungen. Der Glaube an die Unverletzlichkeit staatlicher Souveränität erlaubt ihm das Verständnis für die serbische Vertreibungspolitik.


Mit seinen Informationen praktiziert Loquai eine Arkan-Politik: er nennt Quellen, was sie beinhalten oder wo man sie findet, bleibt aber häufig unklar. Über die bilateralen Bemühungen, noch im Herbst 1998 ein friedliche Eingung zu erreichen, schreibt Loquai: "Im Rahmen der Holbrook-Milosevic-Vereinbarung vom 13. Oktober war es offenbar auch zu einer Einigung über Prinzipien einer politischen Lösung gekommen." Was aber steht in dieser Vereinbarung, oder was bedeuten die Prinzipien im einzelnen - für das Kosovo und Rest-Jugoslawien? Darüber schweigt sich Loquai aus. Und manche Informationen sind erst gar nicht nachprüfbar, stammen sie doch aus dem nicht-öffentlichen "Archiv Loquai".

Verharmlosungen, Vorverurteilungen und gefährliche Relativierungen

Unter dem Deckmantel der wissenschaftlichen Analyse ist das Buch tatsächlich tendenziös, voller Vorveruteilungen und Relativierungen, die einen (zumindest) eigenartigen Perspektivenwechsel provozieren: dass die Serben nur auf die UCK und deren Taten "reagiert" hätten und damit gar nicht so im Unrecht lägen. Was Loquai lediglich als "Reaktion" begreift, sind die Vertreibungen, Festnahmen und Morde der serbischen Sicherheitskräfte. Die Verantwortung für die "Übergriffe" der serbischen Sicherheitskräfte findet Loquai auf Seiten der Kosovaren: "Es lag in den Händen der radikalen Albaner, Aktionen der serbischen Sicherheitskräfte zu provozieren, die dann wieder zu einer humanitären Katastrophe führen konnten."
Immer wieder stößt man auf solche Relativierungen, die die serbischen und kosovarischen Verbrechen in eine ganz bestimmte Beziehung stellen: Loquai ist grundsätzlich darauf bedacht, auf die "Vorgeschichte" der serbischen Morde oder Vertreibungen hinzuweisen - nämlich auf Angriffe der Kosovaren und der UCK. So auch bei der "Weihnachtsoffensive" der Serben im Dezember 1998 in der Region Podujevo. Durch die Angriffe der jugoslawischen Armee wurden unterschiedlichen Berichten zufolge zwischen 500 und 5000 Kosovaren vertrieben. Die unterschiedlichen Zahlen sind ihm "ein charakteristisches Beispiel für die Berichterstattung" über den Kosovo-Konflikt. Schließlich ging es dem Westen in erster Linie darum, die "Legitimierungsgrundlage humanitäre Katastrophe" zu erzeugen. So schlimm, will Loquai sagen, waren die Vertreibungen wohl gar nicht, zumindest keine humanitäre Katastrophe. Zudem findet er den Grund für die militärische Aktion wieder bei der UCK, die in der Nähe von Podujevo begonnen hatte "befestigte Stellungen auszubauen und zu besetzen". Für Loquai ist damit klar, dass das serbische Militär de facto im Recht war, als es seine Angriffe begann. Er betont: "Die ‚Weihnachtsoffensive‘ der jugoslawischen Armee hatte also eine Vorgeschichte, die oft verschwiegen wird."

Verständnis für Serbien

Die Grundüberzeugung Loquais, die sein Buch wie ein Trampelpfad durchzieht, ist der Glaube an die unverletztliche staatliche Souveränität: Was immer ein Staat tun muss, um seinen Bestand zu sichern ist erstens rechtens, und zweitens eine Sache die niemanden etwas angeht. Von Menschenrechtsverletzungen, von der Tatsache der ethnisch motivierten "Säuberungen" des Kosovo schreibt Loquai nichts. Es überrascht darum nicht wirklich, dass Loquai für das Vorgehen der Serben (zumindest begrenztes) Verständnis aufbringt. Als die jugoslawische Bundesarmee im Frühjahr 1999, kaum dass die NATO erneut mit militärischer Intervention drohte, verstärkte Aktivitäten zeigt, bemerkt Loquai: "Derartige Maßnahmen der jugoslawischen Armee entsprachen allgemeiner militärischer Logik. Als ein Teil der jugoslawischen Kriegsvorbereitungen konnte auch die Bekämpfung der UCK gesehen werden. […] Keine Armee der Welt hätte es toleriert, dass ihre rückwärtigen Nachschub- und Verbindungswege von einer feindlichen Truppe gefährdet werden." Wenn man das liest, weiß man nicht, worüber man sich mehr empören soll: den zynischen Ton, mit dem Loquai hier den Krieg gegen die Kosovaren als "allgemeine militärische Logik" verteidigt, oder die offenbare Blindheit gegenüber der Vorgeschichte des Konflikts zwischen Serben und Kosovaren.
Sein (vermutlich) bewusst gewählter Analyserahmen - "Die Zeit von Ende November 1997 bis März 1999", so der Untertitel - ermöglicht es ihm, die Vorgeschichte des vorgeblich vermeidbaren Konflikts zu verschweigen: Investitionen für Industrieanlagen oder Bildung blieben aus, die Universität in Prishtina wurde geschlossen, die Kosovaren zu Tausenden entlassen und zunehmend offen von den serbischen Sicherheitskräften schikaniert und mißhandelt. Hausdurchsuchungen, willkürliche Verhaftungen und Schläge sollten bald zum Alltag im Kosovo gehören. Das alles fing nicht erst im November 1997 an, sondern bereits Ende der 80er Jahre.
Die eigentliche "Vorgeschichte" dieses "vermeidbaren Krieges" verschweigt Loquai im Interesse seiner Wirklichkeit.

Wie gesagt, Worte machen Wirklichkeit. Aber noch lange kein gutes Buch!

Heinz Loquai: "Der Kosovo-Konflikt – Wege in einen vermeidbaren Konlikt"
Nomos Verlagsgesellschaft 2000, 183 Seiten
39 DM
ISBN 3-7890-6681-8


   

Weiterführende Links:
   Link zum Kfor-Kontingent (in deutscher Sprache)
   Infoseite über das Kosovo (in englischer Sprache)



Leserkommentar von Thumb
am 31.10.2001
tststs

Die Rezension klingt für mich nach einem ängstlichem Rundumschlag gegen Loquais Buch.
General Loquai a.D. hat mir seinem Buch m.A. nach großartiges geleistet. Sein Buch hat eine ganze Reihe von Enthüllungen nach sich gezogen, die sehr eindeutig belegen, daß unsere Regierung uns belogen hat, was den NATO-Einsatz gegen Völkermord und Vertreibungen betrifft.
Zu diesen kam es nämlich nachweislich erst nach Beginn der NATO-Angriffe! (http://www.ndrtv.de/panorama/archiv/20000518.html)
Ich finde dieses Buch äußerst lesenswert!

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