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Der Niedergang der CIA

Robert Baer: Der Niedergang der CIA

Autor :  Michael Kolkmann
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 10.07.2002

Der Amerikaner Robert Baer, über 20 Jahre in den Diensten der CIA, hat mit seinem früheren Arbeitgeber abgerechnet. Michael Kolkmann hat seinen Erfahrungsbericht gelesen.


Die Irritation war groß, als Mitte Mai bekannt wurde, dass die amerikanische Regierung bereits vor dem 11. September 2001 mehrere Hinweise auf in den USA geplanten Terroranschläge hatte. Für den langjährigen CIA-Agenten Robert Baer kommt dies nicht überraschend. Ähnliche Hinweise, sogar mit Datumsangaben, hatte es auch vor der Bombardierung der amerikanischen Botschaft in Beirut im Jahre 1983 gegeben. Bei dem Anschlag kamen 63 Menschen ums Leben, und Robert Baer, gerade in Beirut stationiert, machte es sich zur Lebensaufgabe, die Attentäter und Hintermänner dieses Anschlags ausfindig zu machen.

Ein Lebensbericht

Ein Dutzend Jahre sollte vergehen, bis Baer zuverlässige Informationen zum Beiruter Anschlag besaß; nachlesen kann man die Ermittlungen in seinem Buch "See No Evil", das seit mehreren Wochen auf den amerikanischen Bestsellerlisten steht und nun unter dem Titel "Der Niedergang der CIA" auf deutsch erschienen ist. Zugleich ist das Buch eine Generalabrechnung mit der heutigen CIA. Baer möchte mit seinem Buch, wie er im Prolog deutlich macht, beschreiben, "was aus der CIA geworden ist und was nun getan werden muss". Sein Vorwurf wiegt schwer: "Die CIA wurde durch political correctness systematisch zerstört, durch Kleinkriege zwischen Institutionen [und] durch Karrieresucht".

Alter Hase

Baer ist jemand, der weiß, wovon er spricht: 21 Jahre hat er für die CIA gearbeitet, von Mitte der siebziger bis Mitte der neunziger Jahre - zwei Jahrzehnte, die Baer zum großen Teil als foot soldier der Anti-Terror-Abteilung der CIA in den Krisengebieten dieser Welt verbringt: Sudan, Marokko, Irak und immer wieder Beirut. Der erwähnte Anschlag auf die Botschaft in Beirut 1983, der Anschlag auf die Kaserne der amerikanischen Marines in Beirut 1984, der Abschuss des PanAm-Flugs 103 über Lockerbie 1988, ein geplanter Aufstand gegen Saddam Hussein im Irak - überall wird Baers Anti-Terror-Abteilung aktiv.

Zurück in Washington

Ernüchterung macht sich bei Baer breit, als er Mitte der neunziger Jahre nach Washington zurück beordert wird, in eine Stadt, die sich samt ihrer politischen Kultur in den Jahren seiner Abwesenheit stark verändert hat. Es dauert nicht lange, bis er merkt, dass er in die "neue" CIA nicht mehr hineinpasst und seinen Hut nimmt. Parallel dazu erfährt er bei seinen Ermittlungen, die er auch nach Ausscheiden aus der CIA weiter betreibt, dass Geldwäscher, Drogen- und Waffenhändler, gegen die er ermittelt, Kaffeetermine bei Präsident Clinton erhalten und die nationale Sicherheit mehr und mehr durch wirtschaftliche Interessen kompromittiert wird.

Von der "alten" zur "neuen" CIA

Baer, der ein guter Erzähler ist, beklagt den Paradigmenwechsel in der Politik der CIA: "Anstatt Agenten anzuwerben und einzusetzen, verbrachten die Leute in den CIA-Büros den größten Teil ihrer Zeit damit, sich um das zu kümmern, was in Washington gerade Mode war: die Menschenrechte, die wirtschaftliche Globalisierung, den arabisch-israelischen Konflikt. Veteranen wie mir kam es vor, als ob die CIA eigentlich nur noch wenig mehr tue, als die Fahne flattern zu lassen".

Vor allem kritisiert Baer die Technikgläubigkeit der amerikanischen Behörden. Satellitenbilder und wissenschaftliche Literatur, so klagt er an mehreren Stellen, brachten nach Ansicht der Verantwortlichen aufschlussreichere und zuverlässigere Informationen als Agenten, die direkt in den Krisengebieten operierten: "Agenten benahmen sich manchmal schlecht oder sie verursachten peinliche diplomatische Zwischenfälle. Schlimmer noch: sie passten nicht mehr in Amerikas Vorstellung von einer Welt, wie sie nach der Meinung Washingtons zu funktionieren hatte", wie Baer sarkastisch kommentiert.

Kritischer Rundumschlag

Baer schont in seinem Buch weder sich noch seine Regierung. Misstrauen hegt er vor allem gegen den eigenen Präsidenten, egal ob er Reagan, Bush Senior oder Clinton heißt: "Die Parole in Pennsylvania Avenue Nummer 1600 schien immer zu lauten: Überstehe deine Amtszeit. Halte die Zeitungen frei von schlechten Nachrichten. Schmeiße die Nörgler raus. Kratze - möglichst tonnenweise - Geld für die nächste Wahl zusammen und überlasse es der nächsten Regierung, sich mit allem anderen herumzuschlagen. Und zu allem Übel hatte sich meine gute alte CIA entschlossen, das Spiel mitzumachen".

Einseitige Perspektive

Baer hat ein sehr lesenswertes und mitunter spannendes Buch geschrieben. Obwohl er das Manuskript vor der Drucklegung der CIA vorlegen musste, die prompt eine Reihe von Namen, Orten und Jahreszahlen schwärzte, steckt trotzdem immer noch ausreichend Brisanz im Buch, um die Lektüre kurzweilig zu halten.

Baer ist natürlich voreingenommen, betrachtet die Ereignisse aus der Perspektive des individuellen CIA-Agenten. Dass aber auch die CIA nicht in einem luftleeren Raum, sondern - bei aller wohl notwendigen Geheimhaltung - in einem politischen System operiert, das großen Wert auf Öffentlichkeit und Transparenz legt, und dass andere Akteure dieses Systems vielleicht andere Prioritäten verfolgen (müssen), macht Baer sich nicht ausreichend klar. Bei aller Sympathie für Baers Positionen: Es wäre aufschlussreich, zum Vergleich den Bericht anderer Beteiligter zu lesen.

Robert Baer: "Der Niedergang der CIA. Der Enthüllungsbericht eines CIA-Agenten",
Verlag C. Bertelsmann München 2002, 418 Seiten,
23,90 EUR,
ISBN: 3-570-00676-X.


   

Weiterführende Links:
   Die Homepage der Central Intelligence Agency
   Die Homepage des Verlages



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