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Maurizio Molinari: L'interesse nazionale. Dieci storie dell'Italia nel mondo

Autor :  Roman Maruhn
E-mail: rmaruhn@e-politik.de
Artikel vom: 21.11.2000

Die Sommerferien sind längst zu Ende. Doch ganz mit leeren Händen kommt meist niemand aus seinem Urlaub zurück. Roman Maruhn schreibt über seine Strandlektüre.


Eines vorab gesagt: Ich liebe diese kleinen, echten Taschenbücher, die es in Italien gibt. So um die 100 Seiten stark, passen diese "tascabili" tatsächlich in Jacke wie Hose. Auch das in der Wissenschaft renommierte Verlagshaus Laterza führt eine solche Reihe, die "Saggi Tascabili". Den Autoren dieser Reihe - das muss man berücksichtigen - wird dabei abverlangt, ihr Thema auf knappem Raum umfassend abzuhandeln.

Nationales Interesse - Ziele der Außenpolitik ehrlich benennen

Maurizio Molinari, diplomatischer Korrespondent der Tageszeitung "La Stampa" wählt ein empirisches Verfahren, um die außenpolitische Performance der Mitte-Links-Regierungen von Romano Prodi und Massimo D'Alema zu analysieren. Durch die Auswertung der Tagespresse in Verbindung mit tiefem Hintergrundwissen filtert er anhand von zehn relevanten Themenkomplexen jeweils die Essenz des nationalen Interesses der italienischen Regierung heraus.
Wird in Deutschland der Terminus noch weitgehend vermieden, aber dennoch jeder außenpolitischen Entscheidung zu Grunde gelegt, so scheuen Wissenschaft, Publizistik und die Politik Italiens nicht davor zurück, außenpolitisches Handeln nahezu ausschließlich unter dem Aspekt des für das Land vorteilhaften Agierens zu betrachten. Wird das Scheitern einer diplomatischen Initiative oder ihre Umsetzung ohne greifbares Ergebnis bekannt, ist der Eklat in der Parteien- und der Medienlandschaft groß.

Außenpolitik nach der Ersten Republik

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts hat sich für Italien das geopolitische Umfeld dramatisch verändert. Als Frontstaat steht man nicht mehr dem kommunistischen Europa, sondern dem instabilen und kriegerischen Balkan gegenüber. Der Wegfall des Kalten Krieges führte zudem zu einer qualitativen Herabsetzung der Konfliktschwelle. Kleinere regionale Konflikte fallen nun nicht mehr automatisch der Verantwortung der Vereinigten Staaten zu, sondern bleiben Angelegenheit der betreffenden Region. Diese Aufgabe verlangt von Rom bei einer im Gegensatz zu Deutschland ungleich lebhafteren und heterogeneren Nachbarschaft die Übernahme einer ganz neuen Rolle in der regionalen Sicherheit.

Mitte-Links und die "grand strategy"

Bereits vor dem Wahlerfolg Romano Prodis im Jahr 1996 arbeitete der damalige PDS ("Partito Democratico di Sinistra") an einer umfangreichen Deideologisierung der italienischen Außenpolitik. Rom galt in den siebziger und achtziger Jahren als araberfreundlich, nahezu israelfeindlich und setzte sich für die Interessen der Länder der Dritten Welt ("Terzomondismo") ein. Ein israelischer Witz aus dieser Zeit bezeichnet Italien als "das einzige arabische Land, das uns nicht den Krieg erklärt hat." Die Regierungen Prodis und D'Alemas bemühten sich nun, die nationale Außenpolitik eng an die der NATO- und EU-Staaten zu koppeln. Dabei ist es das Ziel, sich nicht nur als verlässlicher Partner zu präsentieren, sondern auch ein inhaltliches und regionales Profil der Außenpolitik herauszuarbeiten, durch das Italien komplementär zu den großen westeuropäischen Staaten und den USA eine spezielle Kompetenz beweisen kann.

Zehnmal Diplomatie im Kurzabriss

Auf jeweils fünf bis siebzehn Seiten handelt Molinari Grundsatzentscheidungen oder Richtungsänderungen der Außenpolitik im Zeitraum zwischen 1996 und 1999 ab. Darunter finden sich Ereignisse, die sowohl auf europäischer Ebene als auch besonders für Italien von hoher Relevanz sind: Italiens Nahostpolitik, die Albanienkrise 1997, das Verhältnis zu Iran, der Fall Öcalan, Roms Haltung gegenüber der britisch-amerikanischen Irakpolitik, der Kosovokrieg, die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit Libyen, das Verhältnis der italienischen Ex-Kommunisten - nun die bestimmende Regierungspartei - zu den USA und der NATO, sowie die neue Dynamik der europäischen Integration.

Informativer Reader mit klarer Analyse

Dem Italienischkundigen ist dieses Buch zu empfehlen. In kurzer Zeit erhält der Leser einen recht breiten und spannend aufbereiteten Überblick über die Außenpolitik Roms, die Interessenlage und die Performance ihrer Umsetzung. Schonungslos breitet der Verfasser auch die häufig gescheiterten Alleingänge der italienischen Diplomatie aus. Auch für die Darstellung der deutschen Außenpolitik wäre ein solches Buch zu wünschen.

Maurizio Molinari: "L'interesse nazionale. Dieci storie dell'Italia nel mondo"
Saggi Tascabili Laterza (243), Bari/Roma 2000, 144 Seiten
Lit 15.000 / Euro 7,75, italienisch
ISBN 88-420-6063-1


   

Weiterführende Links:
   Tageszeitung La Stampa
   Verlag Laterza



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