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Das jetzt wird eingestellt.

Netzreportage - jetzt (be)kommt Protest aus dem Netz (12.07.02)

Autor :  e-politik.de Gastautor
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 12.07.2002

Die Gesellschafter des Süddeutschen Verlages haben entschieden: Das jetzt-Magazin, die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung, wird eingestellt. jetzt-Leser sind damit nicht einverstanden. Gastautor Peter Albrecht über den Protest im Netz.


Die letzte Ausgabe des jetzt-Magazins erscheint am 22. Juli. Danach gibt es kein Heft mehr, das jungen Lesern am Montagmorgen 25 Gründe nennt, warum es sich diese Woche zu leben lohnt. Die Lebenswertliste am Ende des Heftes war eine der beliebtesten Rubriken des jetzt-Magazins. Leser konnten jede Woche neu Lebenswerte Gründe einschicken. "In die Offensive gehen", "wissen, über wen geredet wird", "rechte Ohren, die größer sind als linke" oder "frische Bettwäsche" stand dann dort zum Beispiel - und der Start in die Woche war für viele junge Leser nicht mehr so schlimm.

Das jetzt-Magazin hat viele Freunde. Das wird nach der Bekanntgabe der Einstellungsentscheidung deutlich. Der Protest kommt aus dem Internet.

"Der Montag ist tot"

Am größten ist die Trauer natürlich auf jetzt.de, der Online-Community zum Heft. Im extra zur Einstellung eingerichteten Forum schreiben User: "Der Montag ist tot" oder "Jetzt hat der Montag seinen Schrecken wieder". Manche jetzt-User sind traurig, wieder andere junge Leser finden die Entscheidung einfach nur "scheiße", schreiben sie. Nach der Trauer kommt die Wut - und jetzt wollen die Leser auch handeln. Briefe sollen geschrieben werden, Online-Petitionen wurden organisiert, selbst demonstrieren wollen die Jugendlichen jetzt. Selbst gebastelte Websites rufen zum Protest auf.

Allen voran startete jetztundfuerimmer.de - noch vor der Gesellschafterversammlung am Dienstag, den 9.7.2002, auf der die Einstellung von jetzt beschlossen wurde. Über 1600 Leute unterschrieben die Petition, darunter auch Smudo von den Fantastischen Vier, Autor Christian Kracht oder Crazy-Regisseur Hans Christian Schmid. Genutzt hat es leider nichts. Aber die Macher von jetztundfuerimmer.de machen weiter. Jetzt sollen Briefe geschrieben werden. Und zu der Site haben sich gleich mehrere andere gereiht: http://hocus.de/jetzt.html, http://www.8ung.at/tobias/jetzt/, http://www.jetzt-retten.de.

MTV und VivaPlus protestieren

Begründet hat der Süddeutsche Verlag die Einstellung des jetzt-Magazins mit der anhaltenden Flaute im Anzeigengeschäft. Spiegel Online hat Zweifel: "Die Entscheidung trifft bei Branchenkennern allerdings auf wenig Verständnis. Die Ersparnisse dürften gering ausfallen, denn das Magazin wurde nur mit einer Handvoll Mitarbeitern hergestellt, die überwiegend als Pauschalisten oder auf Honorarbasis für das Blatt tätig waren", liest man bei Spiegel Online. Die Bildzeitung schreibt: "Wer bei der Jugend spart, hat keine Zukunft." Selbst in die Tagesthemen hat es das vielfach ausgezeichnete und preisgekrönte jetzt-Magazin geschafft. Nachrichtensprecherin Anne Will bedauerte die Einstellung.

Der Musiksender MTV schließt sich dem Protest der Jugendlichen an und ruft zum Briefe schreiben an den Süddeutschen Verlag auf. Gleiches macht VivaPlus. Die De:Bug drückt ihr Beileid aus. Der Zündfunk, die Jugendsendung des Bayerischen Rundfunks, verweist auf die Protestaktionen. Und selbst in Österreich will der Radiosender FM4 es nicht wahrhaben.

"Das Ganze eben"

Mit so vielen Reaktionen hat der Süddeutsche Verlag wahrscheinlich nicht gerechnet. Und die Liste der Medien, die über die Einstellung des jetzt-Magazins berichten ist noch länger. Auf einer Extra-Seite bei jetzt.de wird der Pressespiegel täglich aktualisiert und weitergeschrieben. Unter anderem verweist die Site auch auf einen Text des ehemaligen jetzt-Redakteurs Christoph Amend. Dieser beschreibt im Tagesspiegel, warum das jetzt wie das Jetzt war. Wer wissen will, wie sich die Redaktion fühlt, muss nur den Artikel "Das Ganze eben" von Redaktionsleiter Christian Seidl in der Berliner Zeitung lesen. Oder den von jetzt-Autor Matthias Kalle, der jetzt auf all seine Träume verzichten muss.

Der Internetauftritt des Jugendmagazins zeigt sich in diesen Tagen nicht so bunt und lebenslustig wie sonst. Die Bilder sind grauer, die Texte eingeschwärzt. jetzt.de soll es auch in Zukunft weitergeben. Nur ein schwacher Trost für viele Fans des Heftes, die am 22. Juli die letzte Ausgabe in der Hand halten werden. An dieser dürfen sie dafür noch mal mitwirken. Alle Freunde und Leser sind von der jetzt-Redaktion eingeladen auf www.jetzt.de einen Lebenswertpunkt einzuschicken. Für die längste Lebenswertliste aller Zeiten, mit der sich das Heft dann verabschiedet. Leider.


   


Leserkommentar von SK
am 14.07.2002
Schade, schade

Und nicht nur schade, nein sehr traurig und bitter ist diese Einstellung. Aber der Protest geht weiter, und auch der Kampf gegen die Einstellung. Jeder, der helfen will, kann sich per mail an mich wenden; noch brauchen wir Tausende von Briefen, öffentliche Unterstützung und vieles mehr.

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