Ochsentour, die 3.: Eine Farce über die Grünen (18. März 2002)
Autor : Sead Husic E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 18.03.2002
Längst ist die Partei zu einem "Joschka Fischer - Wahlkampfverein" verkommen. Die Linken können ihren Frust darüber nur noch an Döner-Buden beklagen. Von Sead Husic.
Berlin, im März.
"Döner-Kebab mit Alles." So umschreiben Parteimitglieder den inneren Zustand des Generationenprojekts "Bündnis 90/ Die Grünen". Ein politisches Programm, in dem alles drin ist und nichts mehr wirklich überzeugt. Nun steht auch die einst von den Grünen so verhasste Familie im Grundsatzprogramm.
Ein bisschen Anti-Globalisierung und ein bisschen ökologische soziale Marktwirtschaft haben auch Eingang in die Partei-Broschüre gefunden. Cem Özdemir war da und lächelte. Fertig ist der Wahlkampf-Döner. Dennoch sind Spitzenpolitiker wie Jürgen Trittin überzeugt, nochmal die kommenden vier Jahre Gehälter als Bundesminister zu beziehen. Und das hofft er vor allem wegen eines Mannes: Joseph Fischer.
Der hat seine "Bündnis90/Die Grünen-Partei" fest im Griff. Das bewies der Außenminister eindrucksvoll am Wochenende, als die einst als Anti-Parteien-Partei angetretenen Öko- und Pazifismusfetischisten sich ein neues Grundsatzprogramm gaben.
"Es ist dem Herrn Fischer so richtig auf den schlanken Leib geschneidert", sagte ein Delegierter, der enttäuscht und frustriert war, wie der Großteil der entmachteten Linken. So steht nun in der Präambel, dass militärische Gewalt als Mittel der Außenpolitik nicht mehr ausgeschlossen wird. Wichtig ist diese zentrale Veränderung im Programm, um dem Bundesminister und Vizekanzler Fischer eine bessere Ausgangsposition für den Wahlkampf zu verschaffen. Denn auch Fischer ist immer noch überzeugt, dass Rot-Grün die Bundestagswahl gewinnen wird.
Vor allem wegen ihm, dem Weltstaatsmann und beliebtesten deutschen Politiker, mit einem Programm, gegen das FDP-Chef Guido Westerwelle nicht anstänkern kann. Sechs oder sieben Prozent holt Fischer, wenn er erst mal so richtig in Wahlkampfstimmung ist, immer für die Grünen heraus, sind sich seine Anhänger gewiss. Und dann werden sie wieder mit Gerhard Schröder regieren.
Super-Joschka bleibt im Auswärtigen Amt und arbeitet für Frieden am Balkan, Frieden in Nahost, Frieden in Afghanistan, er kämpft gegen eine ungerechte Globalisierung und für ein engeres Zusammenwachsen Europas. Fischer geht es eben um Alles.
Bis zum 22. September kümmert sich Fischer auch um die Themen Zuwanderung, Rentenreform, soziale Gerechtigkeit und die seelische Gesundheit von Parteichefin Claudia Roth.
Kürzlich soll die "Gurke des Jahres" (taz) einen Nervenzusammenbruch erlitten haben, als sie erfuhr, dass in Afghanistan Tausende Soldaten mit Hubschraubern, Panzern und scharfer Munition auf Terroristenjagd gehen.
Bevor sie erfuhr, dass in Afghanistan täglich geschossen wird, soll Roth gesagt haben: "Und ich dachte, dass sei ein geordneter Polizeieinsatz gegen sehr böse, sehr gewaltbereite WeltmitbürgerInnen anderer Überzeugungen, die wir in diesem Ausmaße nicht unbedingt mit Toleranz begegnen wollen können, irgendwie."
Derweil radelt Christian Ströbele durch Berlin-Kreuzberg. Traurig ist er, weil ihn Joschka und dessen Konsorten Kerstin Müller, Rezzo Schlauch und Cem - "ich bin ein waschechter deutscher Schwabenlümmel" - Özdemir nicht mehr im Bundestag haben wollen.
So bleibt er also tief betroffen an jeder Döner-Bude stehen und fragt: "Ali, aber ich bin doch viel netter zu Ausländern als die Renate Künast oder der Oswald Metzger, oder Ali? Komm, ich kauf auch nen Kebab, den mit Extra-Scharfe Soße und mit Alles".
zum Ochsentour-Überblick
Foto-Collage: Jeffrey Wipprecht
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Leserkommentar
von
Marcel
am 28.03.2002
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SCHLECHT
Dieser Artikel ist einfach inhaltlich besch..eiden. Was ist falsch an guter Familienpolitik und diese in ein Grundsatzprogramm endlich neu aufzunehmen. Und sollten die Grünen nach Afghanistan, bzw. dem rostocker Parteitag ernsthaft Gewaltfreiheit glaubwürdig in ihr Programm schreiben...???
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