Gipfeltreffen bei Wodka und Wasser
Autor : Maria Pinzger E-mail: redaktion@e-politik.de Artikel vom: 31.05.2003
Was für ein Wochenende! Zwei weltpolitische Gipfel auf einen Schlag. In
St. Petersburg feiern 40 Staatschefs das Stadtjubiläum und in Evian
beraten die G8-Staaten. Von Maria Pinzger.
Wenn das kein Grund zum Feiern ist: St. Petersburg wird 300 Jahre alt und die
Spitzen der Weltpolitik sind alle da. 40 Staatsoberhäupter und
Regierungschefs, trudelten zum Wochenende in der ehemaligen Zarenmetropole
ein, um zusammen mit Russlands Präsident Wladimir Putin den Geburtstag
zu feiern und gleichzeitig noch einen "Weltgipfel" abzuhalten.
Wenn schon einmal so viele Spitzenpolitiker auf einem Fleck versammelt sind,
muss man die Chance ja auch nutzen. Und deshalb schiebt man zwischen
Bernsteinzimmer, Festakten und Wodka auch noch gleich den
"Europa-Russland-Gipfel", bei dem es um die Kooperation zwischen den "schon-EU-Staaten", den "noch-nicht-ganz-EU-Staaten" und Russland geht.
Bush glänzt durch Abwesenheit
Nach wie vor dominiert jedoch ein Thema in St. Petersburg: Die gestörten Beziehungen
zwischen den Befürwortern und den Gegnern des Irakkrieges. Und vor
allem, wie das Verhältnis langsam wieder in geregelte Bahnen geleitet
werden kann. Aber gerade einer der Hauptakteure glänzt durch
Abwesenheit - zumindest beinahe: US-Präsident George W. Bush wird nur
am Samstagabend zu einem Festdinner nach St. Petersburg kommen und
ausschließlich mit Präsident Putin ein Einzelgespräch
führen, bevor er weiterreist zum zweiten Gipfel des Wochenendes, aus
der Stadt der "Weißen Nächte" zur Stadt des Wassers nach Evian.
Wasser statt Wodka
Einen kräftigen Schluck aus der Wodkaflasche hätte wohl auch der
Bundeskanzler gut vertragen, als er erfuhr, dass weder in St. Petersburg,
noch in Evian der US-Präsident zu einem Gespräch mit dem nicht
mehr gar so guten Freund Schröder bereit ist. Doch der Kriegsherr aus
dem Irakkrieg stößt lieber mit den Freunden aus Polen an, als
dass er auf Versöhnungskurs mit dem Kriegsgegner einschwenkt. Und so
bleibt Schröder nichts anderes übrig, als sich bei Mineralwasser
zusammen mit den anderen Regierungschefs der acht wirtschaftsstärksten
Länder auf die offiziellen Programmpunkte des Gipfels von Evian zu
konzentrieren: Die Partnerschaft zwischen den G8-Staaten und Afrika, die
Durchsetzung des Kyoto-Protokolls und die Stärkung des Kampfes gegen
den Terror.
Aber trotz allen dienstlichen Programmpunkten werden in Evian eben auch zum
ersten Mal Kriegsbefürworter und -gegner auf Chefebene an einem Tisch
sitzen. Ob sie dann auch ernsthaft über die gestörten Beziehungen
reden, bleibt fraglich. Immerhin wurde im Vorfeld einmal mehr von Seiten des
"Alten Europas" gegen den Gegner nachgetreten: Gastgeber Jacques Chirac
zeigte sich "schockiert" und "traurig" über die "Feindseligkeit" die -
bezogen auf mögliche amerikanische Strafaktionen gegenüber den
Kriegsgegnern - aus Washington kam.
Mineralwasser und Wasserwerfer
Was offene Feindseligkeit wirklich ist, werden die Staatsmänner wohl
nicht am eigenen Leibe erfahren, aber die knapp 200.000 Polizeikräfte,
die zum Schutz der Staatsmänner an den Genfer See verlegt worden sind,
wohl schon. Schweres Geschütz wurde aufgefahren, um das Gebiet um Evian
zu einem Hochsicherheitstrakt zu verwandeln : Raketen, Jagdflugzeuge und
Kampfhubschrauber sollen die Politiker beschützen.
Rund 100.000 Globalisierungsgegner werden am Wochenende erwartet und nach
dem Anschlag auf die Schweizer Münzstätte, durchgeführt von
militanten Globalisierungsgegnern, rechnen die Sicherheitsverantwortlichen
mit allem.
Sollte es trotz aller Vorsicht zu Straßenschlachten kommen, wird Evian
von der Stadt des weltbekannten Mineralswassers zur Stadt der Wasserwerfer
werden. Zumindest für ein Wochenende.
Copyright der Grafik: www.g8.fr
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Weiterführende Links:
Offizielle Homepage zum G8-Gipfel
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