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e-politik.de - Home  Brennpunkt  e-politik.de-Gespräch   Voyeurismus oder Kunst? - Gespräch mit Dominik Wichmann


Dominik Wichmann, Chefredakteur SZ-Magazin

Teil 3 - Wir sind alle Voyeure - nur in unterschiedlichem Maß

Autor :  Andreas Bock
E-mail: redaktion@e-politik.de
Artikel vom: 14.11.2000

Im dritten Teil äußert sich Dominik Wichmann über Voyeurismus, Zwangsabtreibung und Kunst.


e-politik.de: Wenn es um diese Debatte geht - der Abtreibung von behindertem, missgebildetem Leben -, dann betrifft es diese Formen der Missbildung nicht: die waren niemals lebensfähig. Wenn es um diese Debatte geht - ganz brutal: um "wertes" und "unwertes" Leben -, hätte ich mir Bilder behinderter Menschen gewünscht: die leben, die sind da - und die werden diskriminiert.

Wichmann: Der Begriff des "unwerten Lebens" ist katastrophal.

e-politik.de: Natürlich. Aber um ihn geht es doch in der Gendebatte. Nichts anderes als die Frage nach "wertem" und "unwertem" Leben steht doch hinter dem "Zwang zur Abtreibung", den Sie angesprochen haben. Man sucht doch nach bestimmten Wertvorstellungen, die man seinen Kindern mitgeben, die man in seinen Kindern verwirklicht sehen möchte. Man braucht dabei noch nicht einmal an behinderte Menschen zu denken: Wer zu dick ist, oder als Frau bestimmte Formen nicht hat, gilt doch auch schon als auffällig und anders.

Wichmann: Ja, aber das ist etwas anderes. Dick sein hat nichts damit zu tun, eine Missbildung zu haben.

e-politik.de: Nein, aber damit fängt die Suche nach dem "perfekten" Menschen an.

Wichmann: Man kann keinen ästhetischen Spannungsbogen ziehen von Missbildungen zu Dickleibigkeit. So weit würde ich nicht gehen.

e-politik.de: Es ist kein ästhetischer Spannungsbogen

Wichmann: Doch, ich glaube schon. Die Wertung des Schönen ist eine ästhetische Frage - keine, ob etwas gesund oder ungesund ist.

e-politik.de: Willemsen spricht doch aber selbst auch von der "ätherischen Schönheit" dieser Föten. Dennoch: Darum ging es mir nicht. Ich dachte diese Fotos und dieser Text sollten deutlich machen, dass das Leben nicht nur die "schönen und tollen" Menschen entstehen lässt, sondern auch die "Freaks of Nature" - nur dass sie eben nicht leben. Und dass scheint mir der entscheidende Punkt zu sein: Diese Föten leben nicht. Darum kann man sie nicht diskriminieren, nicht ausgrenzen.

Wichmann: Ich kann nur wiederholen: Es geht um die Frage, warum man hinguckt, warum man von den Bildern fasziniert ist. Ich empfinde Ihren Vorwurf, man würde den Voyeurismus bedienen, als zu pauschal. Wir sind alle Voyeure - nur in unterschiedlichem Maß. Voyeurismus ist für mich nicht unbedingt ein Vorwurf.

e-politik.de: Sie haben recht: Voyeurismus ist ein einfacher Vorwurf - man kann ihn immer machen, und er ist schwer zu entkräften. Ihn einfach als "pauschalen Vorwurf" zu qualifizieren ist aber auch einfach, entzieht man sich damit doch der Auseinandersetzung. Sie sagten, diese Bilder seien Kunst. Theoretisch kann ich alles als Kunst bezeichnen. Kann ich dann die Vergewaltigung einer Frau genauso zeigen, mit einem Text, der sich kulturhistorische mit diesem Verbrechen auseinandersetzt?

Wichmann: Es gibt in dem Film "Leaving Las Vegas" eine Szene, da wird die Hauptdarstellerin, die als Prostituierte arbeitet, von einer Gruppe Schüler auf deren Zimmer eingeladen. Es ist klar, um was es geht: einer soll mit ihr schlafen. So zusagen als Mutprobe. Die Frau wird dann von mehreren Schülern vergewaltigt. Die Vergewaltigung wird so dargestellt: Man sieht eine Dusche und man sieht die Beine der Frau. Man sieht, wie sich das Duschwasser, das an den Beinen der Frau entlang läuft, rot färbt. Und man hört die Frau weinen. Es wurde offensichtlich eine Vergewaltigung thematisiert. Kann man das zeigen? Welches Bild ist stärker? Wenn ich die Vergewaltigung gezeigt hätte, oder sie so darstelle? Ich will darauf keine Antwort geben. Nur so viel: Die Antwort reicht in gewisser Hinsicht an den Anfang dieses Interviews zurück, insofern dass man es nicht pauschal beurteilen kann. Es muss bei jeder Geschichte, bei jedem Bild, die Grenze neu verhandelt werden.


Teil 1 - Wir hatten eine lange Debatte in der Redaktion

Teil 2 - Ich finde im Schrecken auch das Faszinierende


Foto: Copyright liegt bei der Süddeutschen Zeitung


   

Weiterführende Links:
   Roger Willemsen: Wir alle sind Launen der Natur



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