Tödlicher Zyklon, mörderische Ignoranz

BHSOH_neu1.jpgSchon vor vielen Jahren ist Khaing Oo Maung aus seinem Heimatland Birma ins benachbarte Thailand geflüchtet. Nach dem Sturm und der sich anschließenden humanitären Katastrophe schreibt der Freiheitskämpfer über die Opfer, die Schreckensherrschaft der Militärjunta und über das Elend. Uns bittet er um Hilfe. Von Nona Schulte-Römer

Die Lage im Irrawaddy-Delta ist unvorstellbar, schrecklich. Nach dem Zyklon „Nargis“ sind Zehntausende noch immer ohne Nahrung und Trinkwasser. Ihre Reisvorräte gammeln. In dieser entscheidenden Lage hat Birmas Militärregierung sie verlassen, schreibt Khaing Oo Maung. In einer E-Mail beantwortet der Birmane detailliert meine Fragen nach seiner aktuellen Situation im thailändischen Grenzgebiet.

Nahe der Stadt Mae Sot, die umgeben von Flüchtlingslagern oft die erste Anlaufstelle für Menschen aus seiner Heimat ist, leitet er ein Internat für birmanische Waisen und Flüchtlingskinder. Früher ist er selbst in Rangun für die Demokratie auf die Straße gegangen, sah wie Tausende von der Militärjunta getötet wurden, floh in die Berge und gründete dort erstmals eine Schule.

Nach dem Zyklon die humanitäre Katastrophe

NSRMaung_neu_1.jpg „Seit 1962 leidet unser Land politisch, ökonomisch und gesellschaftlich unter dem rücksichtslosen, unmenschlichen und barbarischen Militärregime jenseits allen Rechts“, schreibt Khaing Oo Maung (Foto links), der immer noch fest an Freiheit für Birma glaubt. „In dieser unglücklichen Lage wird Birma von einer Naturkatastrophe heimgesucht.“

Hilfsorganisationen rechnen mit 100 000 Toten, sogar die Militärregierung meldet etwa 70 000 Tote und Vermisste. Kein trockenes Stück Land, um die Leichen zu begraben, nichts Brennbares, um sie zu verbrennen. Das Leid der Betroffenen anschaulich zu machen, gelingt nur schwer in Worten. Leicht liest sich eine Beschreibung reißerisch oder allzu abstoßend und Bilder gibt es aufgrund der Abschottungspolitik der Junta nur wenige.

Zu hoffen fällt schwer

Das Militärregime, das Birma zu Myanmar gemacht hat, behindert massiv die Hilfe aus dem Ausland. „Ausgerechnet jetzt lässt die Militärdiktatur keine Rettungskräfte einreisen und behindert die Verteilung der gespendeten Hilfsgüter wie Nahrung oder Medizin“, so Khaing Oo Maung. In seinen Augen haben Birmas Herrscher längst alle Menschlichkeit verloren. Seinen Kinder und Jugendliche lehrt er dennoch die Hoffnung auf eine bessere Zukunft in einem freien und demokratisch geführten Birma.

Auch die Opfer der Katastrophe hoffen, während sie warten und sterben. Schon sind Seuchen ausgebrochen, erneut gehen sintflutartige Regenfällen auf die Menschen ohne Behausung nieder. Es sind fast zwei Millionen, fürchtet Khaing Oo Maung.

Die Kinder müssen ernährt werden

NSRKochen.jpgKontakte ins Ausland machen Mut: „Von Ihnen zu hören, gibt uns neue Energie, um die neuesten, großen Schwierigkeiten zu überwinden“, beginnt der Internatsleiter seine Antwort. Seine E-Mail endet mit der Kontoverbindung der Schule und der dringenden Bitte um Spenden . Schon im vergangenen Jahr, als ich seine Schule zum ersten Mal besuchte, stand die Finanzierung des Ausnahmeprojektes auf wackeligen Füßen. Doch diesmal, erklärt Khaing Oo Maung nun nachdrücklich, geht es nicht um Lernmaterial, sondern um Nahrung. Längst ist das Internat zum Zufluchtsort geworden.

Der Schulleiter rechnet damit, in Kürze mehrere Katastrophenopfer aufnehmen zu können. Die Unterkunft ist kein Problem, sagt Khaing Oo Maung, der seinen Schützlingen nicht nur ein Lehrer, sondern ebenso ein Vater und Vorbild ist. Man muss die drei höchst bescheidenen, offenen Schul- und Wohnräume schon gesehen haben, um seine Hilfsbereitschaft in vollem Maße schätzen zu können: Wo die Internatsschülerinnen und -schüler nachts schlafen, wird tagsüber unterrichtet, gekocht und gegessen (siehe Foto rechts).

Kleckerbeträge machen satt

NSRSchule.jpgMit mehr Kindern wird die Versorgung allerdings zum Problem. Diese Rechnung ist leicht gemacht: 30 Bath, das sind umgerechnet etwa 60 Eurocent, kostet es, ein Kind einen Tag lang satt zu machen. Bei 70 Kindern und Jugendlichen wird dieser in unseren Augen lächerliche Betrag recht schnell zum großen Problem: „30 Baht/ head/ day x 70 heads x 30 days x 2 months = 126.000 Baht“, rechnet der Internatsleiter vor – etwas mehr als 2.500 Euro müssen in zwei Monaten für Verpflegung kalkuliert werden, eine Summe, die Khaing Oo Maung schnell aufbringen muss.

Langfristig wird er sich um zusätzliche Fördermittel und institutionelle Unterstützung kümmern, schreibt er zuversichtlich. Jetzt bittet er jeden von uns um Hilfe. Damit verlangt er nicht viel: Ein Kind einen Monat lang auf der thailändischen Seite der Grenze zu ernähren, kostet nur knapp 18 Euro. Für eine Theaterkarte habe ich erst gestern Abend ohne zu überlegen mehr Geld bezahlt.


Spenden an die Boarding High School for Orphans and Helpless youths (BHSOH)

Bank: Siam Commercial Bank
Branch: Mae sot
CODE: SICOTHBK
A/C NO: 573-228944-1
Name on Account: prakrong sysuwan
Country: Thailand


Weiterführende Links:

Bilder von der Boarding School

Biografie Khaing Oo Maung (pdf-Datei, auf französisch)

Unicef zur Katastrophenhilfe in Birma


Die Bildrechte liegen bei der Autorin bzw. bei der BHSOH (Bild mit Kindergruppe)


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