Eine unpopuläre Forderung

Protest2.jpgEs stellt sich die Frage, wie trotz der Einsparungen in zweistelliger Millionenhöhe und Einstellungsstopps, die Qualität der Hochschulen erhalten werden kann. Die Antwort ist so einfach wie unpopulär: Studiengebühren müssen her. Ein Kommentar von Markus Kink

 

Die Universitäten sind in Aufruhr. Zehn Prozent sollen sie sparen, bis 2008 sogar noch weitere fünf. Während allein an der Münchner Uni fast 600 Stellen nicht mehr besetzt werden, gehen die Studenten auf die Straße. Sie fordern angemessene Studienbedingungen und die Stärkung von Forschung und Lehre. Schon jetzt sind Vorlesungen und Seminare hoffnungslos überfüllt.

 

Die Studenten wollen Druck ausüben, auf sich aufmerksam machen – mit Demonstrationen, Massen-E-Mails, Briefen, Vorlesungen in der Fußgängerzone und anderen Aktionen. Zwei Probleme stellen sich den Studenten entgegen:

 

Erstens: Es fehlt der bayrischen Staatsregierung das Geld. Die Pressesprecherin im Ministerium für Wissenschaft und Forschung, Angelika Kaus, erklärt, dass erst in den vergangenen zwei Wochen klar geworden sei, wie viel weniger Geld der Staat einnehmen werde. Das Versprechen Stoibers, Schulen und Hochschulen zu stärken, ist damit Makulatur. Geld, das man nicht hat, kann man nicht verteilen und offenbar ist man auch nicht gewillt, das Wenige, das man hat, sinnvoll umzuverteilen.

 

Zweitens: Kein Student hat das Recht darauf, einen Sitzplatz in einer Vorlesung zu bekommen, sich einen Seminarleiter mit weniger als 50 anderen Studenten zu teilen oder an der Universität in seiner Nähe das Fach studieren zu können, das er will. Die Universitäten sind keine Dienstleistungseinrichtungen. Sie sind ein Service, den der Student kostenlos in Anspruch nimmt.

 

Beide Probleme würden auf einen Schlag gelöst, führte man Studiengebühren ein. In den USA wird dieses Konzept seit Jahrzehnten verfolgt. Dass man dort schnell mehr als 30 000 Dollar im Jahr los wird, einschließlich Lebenshaltung, Wohn- und Büchergeld, steht auf einem anderen Blatt. Man müsste einen sinnvollen Rahmen schaffen, der gleichzeitig sozialverträglich ist und andererseits angemessen hoch, um zu laufenden Kosten der Universitäten wirksam beizutragen.

 

Ein Rechenbeispiel: Die Uni München gibt ihre Gesamtausgaben im Jahr 2002 mit über einer Milliarde Euro an. Mehr als 120 Millionen Euro davon wurden bereits über Drittmittel finanziert. Durch den Sparkurs fallen 25 Millionen Euro weg. Hätte jeder der 44 000 Studenten 20 Euro im Monat Studiengebühren bezahlt, wären das schon zehneinhalb Millionen, also knapp die Hälfte dessen, was wegfallen soll. Ein gewaltiger Batzen Geld, der der Universität einen großen Schritt nach vorne helfen würde.

 

Pressesprecherin Kaus versichert, dass das Einsparpotenzial aus allen Bereichen gezielt an die Hochschulen zurückfließen soll. Die zehn Prozent jedoch müssten zunächst eingespart werden. Mit der Rückführung des Geldes und den Einnahmen aus den Studiengebühren dürften die Hochschulen den größten Teil ihrer finanziellen Probleme gelöste haben.

 

Nun soll aber hier nicht allein aus dem Blickwinkel der Universitäten oder der Staatsregierung argumentiert werden. Vielmehr haben Studenten, die Gebühren für ihre Ausbildung zahlen das Recht auf angemessene Bedingungen. Ein Recht, dass sie nötigenfalls nicht nur fordern, sondern auch einklagen können. Die Studenten in Bayern hätten das Recht, die bezahlte Dienstleistung einzufordern und die Hochschule hätte die Pflicht, entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Und das ist der wichtigste Punkt.

 

Sicher, um Profilbildung werden die Unis nicht herumkommen. In Zukunft wird man nicht mehr alles überall studieren können, aber mit Studiengebühren wird das verbleibende Angebot attraktiver und vor allem einklagbar.

 

Wer nun argumentiert, Studiengebühren, würden dazu führen, dass Bildung zum Privileg der Besserverdiener, verkennt die Situation. Die Pisa Studie hat gezeigt, dass Bildung in Deutschland ohnehin mehr als anderswo in der EU vom sozialen Status abhängt. Um die soziale Schere zu schließen, sollte man darüber nachdenken, entsprechende Stipendiensysteme einzurichten. Man sollte den Anreiz geben, bei entsprechenden Leistungen, die Gebühren zu reduzieren sowie einen Teil der Studiengebühren über das BAFöG zu finanzieren. Der sozialen Gerechtigkeit und dem Leistungswillen der Studenten wäre damit ein Dienst erwiesen und der finanziellen Lage angemessen begegnet.

 


 

Weiterführende Links

Die Ausgaben der LMU München

Infos zu Studiengebühren und -bedingungen USA

 


Zur Dossier-Übersicht: Uni München bald ohne Politikwissenschaft?


 

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