e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 786 )


Eskalation im Nahen Osten - Archiv

Eine düstere Geschichte

Autor :  Florian Wachter
E-mail: fwachter@e-politik.de

Der Oktober 2000 wird als weiterer schwarzer Monat für den Nahen Osten in die Geschichtsbücher eingehen. Die Historie der ungelösten Palästina-Frage aber reicht über 80 Jahre zurück. Florian Wachter mit Eckdaten eines Dramas.


Osmanisches Reich, 30.Oktober 1918
Ende des Osmanischen Reiches

Den Zusammenbruch des Osmanischen Reiches besiegelt der Waffenstillstand von Mudros zwischen Alliierten und dem Osmanischen Reich am 30. Oktober. Frankreich und Großbritannien bekräftigen, in Arabien unabhängige Regierungen zu errichten.
In der ´Balfour-Erklärung` vom 2.November 1917 hatte sich Großbritannien bereits verpflichtet, in Palästina eine "jüdische Heimstätte" zu schaffen.

Naher Osten, 19.-26.April 1920
Palästina wird Völkerbundsmandat

Auf der Konferenz im italienischen San Remo werden die Mandate über die Nahoststaaten verteilt: Frankreich erhält Syrien und den Libanon, Großbritannien Mesopotamien (Irak). Palästina wird zunächst dem Völkerbund unterstellt.
Am 24. April wird Großbritannien zur alleinigen Schutzmacht für Palästina erklärt. Die Wünsche der Palästinenser nach Selbstbestimmung werden nicht erwähnt. Im Statut des Völkerbundes heißt es: "Die Mandatsmacht wird dafür verantwortlich sein, (...) für (...) Bedingungen zu sorgen, die die Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte sicherstellen."

Naher Osten, 1946
Nahost-Staaten machen sich unabhängig

Die Mandatsmächte Großbritannien und Frankreich ziehen sich aus dem Nahen Osten zurück. Im April wird Syrien unabhängig, im Mai das Emirat Transjordanien, im Dezember der Libanon.

Palästina, 29.November 1947
Araber und Juden erhalten zwei Staaten

Die UN-Generalversammlung beschließt, das britische Mandatsgebiet Palästina in einen arabischen und einen jüdischen Staat zu teilen. Keine Zustimmung findet der Vorschlag einer Föderation arabischer und jüdischer Kantone in einem gemeinsamen Staat.
Erste bürgerkriegsähnliche Unruhen brechen aus. Palästina wird von 1,2 Millionen Arabern und 650 000 Juden bewohnt. Verschärft wird der Konflikt durch die geplanten Masseneinwanderungen von Juden. Der jüdische Staat besteht aus der Küstenebene von Akko bis Aschod, Ostgaliläa und der Negevwüste. Die Araber erhalten das Bergland von Judäa, den Gaza-Streifen und die Enklave Jaffa. Jerusalem wird internationales Treuhandgebiet, das beiden Völkern offensteht.

Palästina, 14.Mai 1948
Ben Gurion proklamiert den Staat Israel

Nach dem Abzug der Mandatsmacht Großbritannien proklamiert der jüdische Nationalrat unter dem Vorsitz von David Ben Gurion die Gründung des Staates Israel. Bereits einen Tag später brechen Kämpfe zwischen den arabischen Armeen und Israel aus.
Die israelische Regierung unter Ministerpräsident Ben Gurion und Staatspräsident Chaim Weizmann erklärt die ´Haganah`, eine paramilitärische Geheimorganisation, zur regulären Armee.
Vermittlungen der UN in der Palästinafrage bleiben erfolglos.

Palästina, 17.September 1948
Jüdische Terroristen erschießen den schwedischen UN-Beauftragten Graf Folke Bernadotte

Palästina, 24.Februar - 20.Juli 1949
Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der Arabischen Liga

Ein Waffenstillstandsabkommen auf der Grundlage der von der Arabischen Liga und Israel besetzten Gebiete wird unterzeichnet. Der Gaza-Streifen bleibt unter ägyptischen Kontrolle, Jordanien erhält einen Teil westlich des Jordans, die Teilung Jerusalems wird bestätigt. Die Neustadt wird Israel zuerkannt, die Altstadt und die nördlichen Stadtviertel Jordanien. Viele arabische Palästinenser flüchten aus den von Israel beherrschten Gebieten.

Israel, 23.1.1950
Jerusalem wird Hauptstadt Israels

Das israelische Parlament erklärt Jerusalem zur Hauptstadt. Die Proklamierung wird international nicht anerkannt, die arabischen Staaten verhängen aus Protest einen Wirtschaftsboykott gegen Israel.

Palästina, 1959
Gründung der ´Al Fatah`

Der Palästinenser Jasir Arafat gründet die ´Al Fatah`, eine von vielen Guerillagruppen (´Fedajin`) in den palästinensischen Flüchtlingslagern der Nachbarstaaten Israels.

Palästina, 5.-11.September 1964
Befreiungsbewegung der Palästinenser wird von der Arabischen Liga anerkannt

Die ´Palestine Liberation Organization` (PLO) entsteht aus der ´Al Fatah`. Sie wird von der Arabischen Liga als Dachorganisation der palästinensischen Befreiungsbewegungen und offizieller Vertreter der Palästinenser anerkannt. 1967 übernimmt Jasir Arafat die Führung der PLO, ab 1965 nimmt die PLO den bewaffneten Kampf gegen Israel auf.

Israel, 5.-11.Juni 1967
Militärschlag Israels

Durch einen sechstägigen Waffengang erzwingt Israel eine Revision der Grenzen im Nahen Osten. Die Armee erkämpft den Zugang zum Roten Meer und die Wiedervereinigung der bislang von Jordanien kontrollierten Stadtteile mit dem Westteil Jerusalems.

Jordanien, 16.-27.September 1970
Bürgerkrieg zwischen Palästinensern und König Husain II.

In Jordanien versucht König Husain II. mit seiner Armee die zunehmende Macht der Palästinenser zu brechen. Blutige Kämpfe sind die Folge. Im von Ägypten vermittelten Waffenstillstand behalten die Palästinenser unter PLO-Chef Arafat ihre privilegierte Stellung.

Naher Osten, 6.-25.Oktober 1973
Nahost-Konflikt führt zum Jom Kippur-Krieg

Am Jom Kippur (Versöhnungstag), dem höchsten jüdischen Feiertag, greifen Ägypten und Syrien überraschend Israel an.
Seit dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 ist es wegen der von Israel besetzten Gebiete und der ungelösten Palästinenserfrage immer wieder zu Gefechten zwischen Israel und den benachbarten arabischen Staaten gekommen. Nachdem Syrien zunächst die Golanhöhen und Ägypten den Suezkanal okkupiert, wirft Israel mit einem Gegenschlag Ägypten und Syrien weit zurück. Infolge der Vermittlungen durch die USA und UDSSR kommt es zu einem Waffenstillstandsabkommen, das künftig von einer UN-Friedenstruppe überwacht werden soll.

Israel, 20.November 1977
Ägyptens Staatspräsident Sadat hält Rede vor Knesset

Der ägyptische Staatspräsident Anwar Al Sadat ist der erste arabische Politiker, der sich um eine Entspannung im Nahen Osten und die Lösung der Palästinenser-Frage bemüht.
Er redet im israelischen Parlament. Sein Plan sieht unter anderem die Schaffung eines autonomen Palästinenserstaates vor.
Israels rechter Premier Menachem Begin (Likud) allerdings hält weiter an der Ausdehnung Israels auf die historische Grenzen im Altertum unter Einschluß des Westjordan-Landes und des Gaza-Streifens fest.

USA, 6.-17.September 1978
Vertrag von Camp David

Der Frieden im Nahen Osten ist erstmals greifbar nahe. Im Friedensvertrag von Camp David einigen sich Israel und sein Nachbar Ägypten unter anderem darauf, in den von Israel besetzten Gebieten im Westjordan-Land und im Gaza-Streifen mit der PLO Vereinbarungen zu einer friedlichen Koexistenz zu treffen. Ein Vater des Friedensabkommens, Ägyptens Präsident Sadat, wird 1981 während einer Militärparade in Kairo von Fundamentalisten ermordet.




Weiterführende Links:
   Der Nahost-Friedensprozess seit Madrid 1991: http://www.israel.de/botschaft/hintergrund/FriedensprozessIndex.html
   Nahost-Friedensprozess - Dokumentensammlung: http://www.israel-mfa.gov.il/mfa/go.asp?MFAH00pq0


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