e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 1953 )


Das Politische Buch - Biografien / Erinnerungen

Kathrin Finke /Rainer Karchniwy: Erzählt mir doch nich, dasset nich jeht - Erinnerungen an Regine Hildebrandt

Autor :  Wolfgang J. Mehlhausen
E-mail: redaktion@e-politik.de

Ein Buch erinnert an die verstorbene SPD-Politikerin Regine Hildebrandt. Wolfgang J. Mehlhausen hat es gelesen.


Rainer Karchniwy war Regine Hildebrandts Fahrer, er verbrachte mit seiner Ministerin mehr Zeit auf 630.000 Kilometer Reisen durchs Land als mit seiner Ehefrau. Kathrin Finke lernte die Politikerin erstmals als Studentin im Wahlkampf kennen und traf sie als Brandenburg-Redakteurin des Berliner Kurier später immer wieder.
Beide erinnern in einem persönlichen Buch an die im letzten Jahr an einem Krebsleiden verstorbene SPD-Politikerin und Brandenburger Sozialministerin Regine Hildebrandt.

"Machs gut, Kämpferherz"

so lautet die erste Überschrift eines Kapitels, in dem auch das Anliegen des kleinen Buches dargestellt wird: ein Album zum Abschied. Auf insgesamt 145 Seiten finden sich verschiedene Geschichten über ihr Leben und Wirken bis hin zum Rezept für den "Frankfurter Kranz", den sie nicht mit Nüssen, die schwer in der DDR zu bekommen waren, sondern mit gerösteten Haferflocken zu backen pflegte und es damit bis in Alfred Bioleks Prominentenküche schaffte.

"Da könnt` ick `n Knüppel nehmen"

ist ein für "unsere Regine", wie sie viele Bürger aus Brandenburg und dem Osten bis heute liebevoll nennen, typischer Ausspruch. Viele Fragen beantwortete sie oft mit "Na, hörn`se bloß uff...."
Regine Hildebrandt war eine Kämpfernatur, die sich niemals mit dem Erreichten zufrieden gab und sich für die Menschen, die nicht auf der Sonnenseite der Gesellschaft lebte, einsetzte. Ihre direkte Art, auf Menschen zuzugehen und mit ihnen in Berliner Dialekt zu plaudern, machte sie zu einer "Politikerin zum Anfassen", wie man sie selten findet.

Zwischentöne

finden sich in diesem Buch durchaus. Bei aller Begeisterung über die Schilderungen aus dem Leben dieser außergewöhnlichen Frau stellt sich dem kritischen Leser die Frage: Was hat sie erreicht? Und die Bilanz der noch immer steigenden Arbeitslosigkeit und Zahl der Sozialhilfeempfänger im Osten Deutschlands spricht eine eigene, unbestechliche Sprache.
Regine Hildebrandt hat gewiss "für drei gelebt" und auch gekämpft, doch gemessen an ihren Zielen und dem hohen persönlichen Einsatz wurde objektiv wenig erreicht. Dies soll keineswegs eine Kritik an der Lebensleistung von Frau Hildebrandt sein, sondern nur darauf hinweisen, dass die wirtschaftlichen und politischen Bedingungen jedem noch so großen Einsatz enge Grenzen setzen.
Ihr Verdienst war es, nichts unversucht zu lassen, um den Menschen zu helfen.

Fazit

Das Buch erhebt keinen Anspruch darauf, ein sozialpolitisches Fachbuch zu sein. Es soll an eine liebenswürdige, kluge, fleißige und engagierte Frau erinnern, die sich für die Menschen einsetzte. Es wird dazu beitragen, dass Regine Hildebrandt nicht zu schnell vergessen wird.

Kathrin Finke /Rainer Karchniwy (Fotos): "'Erzählt mir doch nich, dasset nich jeht' -- Erinnerungen an Regine Hildebrandt"
Mitteldeutscher Verlag, Halle/Saale, 150 Seiten
15 Euro
ISBN 3-89812-155-0.

Copyright des Bildes bei www.amazon.de





© 2003 - e-politik.de - Der Artikel ist ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach schriftlicher Genehmigung.