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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1735 )´Ohne Fleiß kein Reis` - die WM-Kolumne (24.06.02) Autor : Dietmar Neuerer War der Ball drin? War es Foul? Das sind wirklich wichtige Fragen. Es geht um den Weltpokal. Da kann es nicht sein, dass der Schiri einfach so pfeift, wie er pfeift und der TV-Kommentator kommentiert, wie er kommentiert, meint Torsucher Dietmar Neuerer. Nein, eigentlich sind nicht die Schiedsrichter das Problem. Wenn 18 Millionen deutsche WM-Beobachter den Käse hören, den solche TV-Quatscher wie Kerner (ZDF), Faßbender und Mohren (beide ARD) verzapfen, dann ist es kurz vor Weltuntergang. Der Privatfunk ist im Übrigen auch keinen Deut besser, vor allem wenn die "ran"-Macher von Sat-1 am Abend, also rund acht Stunden nach Anpfiff des ersten Spiels, so tun, als hätten wir das Gekicke noch vor uns.
Öffentlich-rechtliche Plaudertaschen
"WM-Fieber" nennt sich der Murks. Fieber wovon eigentlich? Von den Spieltagesergebnissen, auf die wir, so die Programmlogik, ganz heiß sein müssten, weil wir uns natürlich, doof wie wir sind, gegen deren vorzeitige Kenntnisnahme entschieden haben?
Das ist dann zwar sinniger, weil man schließlich die Spiele 1:1 sehen will, das ist aber auch um so grässlicher, weil man leider das Wortgeklingel so genannter Sportkommentatoren über sich ergehen lassen muss. Die ARD hat da ja wirklich zwei ganz besondere Exemplare am Start.
Das fängt ja schon damit an, dass ein Herr Faßbender scheinbar überhaupt keine Augen im Kopf hat. Der sieht Ereignisse auf dem Fußballfeld, die sonst keiner sieht. Der verwechselt die Namen der Spieler. Der sagt: "klares Foul", wo glasklar gar nichts war. Der schreit: "Tor!", wenn der Ball grade mal das Außennetz berührt hat undsoweiterundsofort.
"Inkarnation der Hoffnung"
Sein größter Fettnapf ist wohl der, dass er Schnäuzer trägt und gleichzeitig beim Mitteldeutschen Rundfunk angestellt ist. Sein zweiter, dass er gern mal ausländische Mannschaften verunglimpft.
Da wünscht man sich doch wieder einen Marcel Reif ins öffentlich-rechtliche Fernsehen zurück. In Deutschland sehen jedenfalls viele den Drei-Tage-Bartträger als den besten Live-Kommentator. Einer, der wenig, aber angemessen sagt was ist und mehr nicht. Am treffendsten hat vielleicht der Journalist Hans Blickensdörfer die Anforderungen an einen Kommentator beschrieben:
E-mail: redaktion@e-politik.de
Nein, meine Herren. Die Rechnung ging nicht auf und dabei bleibt es auch. Kein Mensch, so die ganz einfache Logik, guckt sich eine Fußballberichterstattung an, die so tut, als wäre es noch total unklar, ob Deutschland bereits im Halbfinale steht oder nicht. Und so wird sich auch weiterhin kein Mensch für den Senf der Sprücheklopfer von früher-Kirch-heute-Konkursmasse-Sat-1 interessieren. Es sei denn, man hat es satt, sich von öffentlich-rechtlichen Plaudertaschen einlullen zu lassen.
Da kann einem schon anders werden, wenn "N'abendallerseits"-Heribert Faßbender und Schnauzbartträger Wilfried Mohren in ihr Mikro sabbeln, was das Zeug hält. Die, aber auch die anderen - ganz schlimm: Johannes B. Kerner (ZDF) - sollten zum Radio gehen, da könnten die Ohne-Punkt-und-Komma-Quassler sich um Kopf und Kragen kommentieren. Wenn sie es denn nur könnten - kommentieren.
Kollege Mohren ist auch nicht besser. Der textet ununterbrochen, kann nie die Klappe halten und das dermaßen emotionslos, dass man meinen könnte, der Mann steht komplett unter Drogeneinfluss, hat Haldol oder sonst irgendein retardierendes Mittelchen geschluckt, nur, um nicht über sich hinaus zu wachsen oder in ein Fettnäpfchen zu treten. Doch das tut dieser Mann ständig.
So musste auch Wilfried Mohren zugeben, dass Südkorea das Halbfinale erreicht hat. Aber nicht etwa, weil der Fußballzwerg es spielerisch geschweige denn kämpferisch drauf gehabt hätte, nein, sondern, weil den Koreanern - im Falle einer Niederlage - ihre tägliche Portion Reis vorenthalten worden wäre.
"Ohne Fleiß kein Reis", proletete Mohren denn auch am Ende des Halbfinalspiels in sein Mikrofon.
Johannes Baptist Kerner dagegen mimt mehr den Patrioten, was aber auch bedeutet, dass er der deutschen Mannschaft gerne Mal die Leviten liest, wo es eigentlich gar nichts zu lesen gibt. Er hebt auch schon mal einen Spieler hervor, umhüllt ihn mit der Wortkreation "Inkarnation der Hoffnung", um im selben Moment dem Rest der Teutonen-Elf umfassendes Unvermögen anzudichten - frei nach dem Motto: ihr könnt nichts und ich kann alles. Das ist Johannes B. K. - und das ist schon fast unerträglich.
"Er muss eine Messerspitze Emotion mitbringen, einen Eßlöffel Witz, der den Dummen nicht überfordert und den Gescheiten nicht ärgert, sondern schmunzeln läßt, sowie einen Schöpflöffel Fachwissen, groß genug, um allen vorstellbaren Situationen gerecht zu werden. Und bloß kein Blabla."
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