e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 2143 )
Der Politische Film
Hero - Viel mehr als bloße Kampfkunst
Autor : Maria Pinzger
E-mail: redaktion@e-politik.de
Kung-Fu-Filme gibt es viele. Doch nur wenige verbinden die Kampfkunst mit so viel Ästhetik, dass aus dem Film ein Kunstwerk wird. Regisseur Zhang Yimou ist dies mit dem Oscar-nominierten Film Hero gelungen. Von Maria Pinzger.
Er ist ein Perfektionist und danach muss sich auch die Natur richten: Wochenlang ließ Regisseur Zhang Yimou ("Die rote Laterne") die Herbstfärbung am Drehort in der Mongolei beobachten, bis die Blätter endlich genau den Goldton hatten, den er für eine Kampfszene in "Hero" gesucht hatte.
Dann reiste die Crew mit Eiltempo an und jedes einzelne gefallene Blatt wurde klassifiziert: Die besten kamen zu einer Nahaufnahme, die schlechteren wurden über den Boden verteilt, auf dem sich zwei Schwertkämpferinnen einen atemberaubenden Kampf liefern.
Eine chinesische Nibelungensage
Perfektion muss schon sein, wenn sich ein chinesischer Regisseur an eine historische Geschichte wagt, die in Asien so bekannt ist wie hierzulande die Nibelungensage: Im dritten Jahrhundert vor Christus ist China in viele verschiedne Reiche zerschlagen. Besonders grausam versucht der Tyrann des Reiches Qin (Cheng Dao Ming), das Reich zu einen und sich zum Herrscher über alle Chinesen zu machen. Seine Gegner setzen Attentäter auf ihn an. Die drei Hartnäckigsten sind Broken Sword (Tony Leung), Sky (Donnie Yen) und Flying Snow (Maggie Cheung). Zehn Jahre lang gelingt es nicht, die Killer auszuschalten... bis plötzlich am Hof des Tyrannen ein Provinzbeamter auftaucht, der behauptet, die drei getötet zu haben. Nameless (Jet Li) wird eine Audienz beim König gewährt und er erzählt seine Geschichte.
Doch der Herrscher präsentiert plötzlich seine eigene Deutung der Ereignisse und die beiden ungleichen Männer werden zu den Hauptpersonen einer Geschichte über Ehre, Pflichtgefühl und Liebe.
Insgesamt werden im Verlauf von Hero drei verschiedene Versionen der Geschichte erzählt: die der Attentäter, die des Helden und die des Königs. Der Zuschauer ist von Anfang an von der Suche nach der Wahrheit gefesselt und erst ganz am Ende wird enthüllt, was es wirklich bedeutet, ein Held zu sein.
Perfektion pur
Perfekt gelingt es Yimou, die einzelnen Stränge zu trennen und gleichzeitig dem Zuschauer auch noch eine visuelle Freude auf höchstem Niveau zu bieten: Jede Episode wird durch eine andere Farbe symbolisiert, die dann das Geschehen, die Kostüme und auch die Natur beherrscht. Verbunden wird dies mit berauschenden Kamerafahrten, bei denen Christopher Doyle ("In the mood for love", "The Quite American") sich als "Hero" seines Faches beweist.
Ganz zu schweigen von den Kampfszenen, die in solcher Ästhetik wie in Hero wohl selten im Kino zu sehen gewesen sind. Kein Wunder, verpflichtete der Filmemacher auch die absolute Starriege des chinesischen Martial-Arts-Kinos: Jet Li, Tony Leung, Maggie Cheung entsprechen nach Hollywood-Maßstäben Brad Pitt, Tom Cruise und Julia Roberts zusammen in einem Film.
Anbiederung des Nestbeschmutzers?
Nicht ganz perfekte Publicity erntete Yimou mit seinem Film: Dem drei Mal Oscar-nominierten Regisseur und früheren Regimekritiker wurde von vielen Seiten Anbiederung gegenüber der chinesischen Führung vorgeworfen. Noch vor wenigen Jahren als "Nestbeschmutzer" von der kommunistischen Partei beschimpft, bekam der Filmemacher nun eine Unterstützung in Höhe von 20 Millionen Dollar und die Premiere von Hero fand im Heiligtum der Partei, der großen Halle des Volkes statt.
Die Erklärung dafür ist einfach: Zhang Yimou hat verstanden, dass er sich mit dem Regime arrangieren muss, wenn er ein Massenpublikum über die Grenzen seines Landes hinaus erreichen will. Und Hero ist weder Hochgesang auf die kommunistische Führung Chinas, noch gewürzt mit sozialkritischer Schärfe. Der Film ist einfach ein Bilderrausch vor dem Hintergrund einer historischen Story.
Ein perfekter Kung-Fu-Film
Wem der Kung-Fu-Film Tiger and Dragon zu surreal war, der bekommt in Hero genau das geboten, wonach er sich sehnt: Eine perfekte Komposition aus Farbe, Licht, Natur und Kampfsport, die fast immer auf dem Boden der Realität bleibt. Das ganze ist verbunden mit einer historisch verbürgten Geschichte, Spannung und überragenden Schauspielern - ein perfekter Kung-Fu-Film.
"Hero" (Hongkong/China 2003)
ab dem 5. Juni in den deutschen Kinos
Drehbuch: Zhang Yimou, Li Feng, Wang Bi
Produzenten: Bill Kong, Zhang Yimou
Regie:Zhang Yimou
Mit:
Jet Li (Nameless)
Tony Leung (Broken Sword)
Maggie Cheung (Flying Snow)
Donnie Yen (Sky)
Cheng Dao Ming (König von Qin)
Foto: Copyright liebt bei www.constantinfilm.de
Weiterführende Links:
offizielle Homepage von Hero: http://www.hero-film.de
© 2003 - e-politik.de - Der Artikel ist
ausschließlich zur persönlichen Information bestimmt. Weitergabe an Dritte nur nach
schriftlicher Genehmigung.