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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1990 )Tagebuch einer Magisterkandidatin Folge 17 Autor : e-politik.de Gastautor Ist an Aberglauben was dran? Und kann man sein Glück - nicht nur am Ende des Studiums - beeinflussen? Fragen von Joyce Mariel. O Fortuna!
Eine repräsentative Umfrage in meinem Bekanntenkreis hat erstaunliche Ergebnisse zutage gefördert. Angela studiert Literaturwissenschaften und Ethnologie in Berlin, um später einmal Drehbuchautorin zu werden. Tina weiss wahrscheinlich nicht mehr, warum sie studiert. Thomas, mein Freund, studiert für den Gehaltszettel und richtet sein Studium auf seine immensen Vorkenntnisse im Fernsehbereich ein, weswegen er auch immer noch unverständlicherweise Berührungsängste mit Bibliotheken hat.
Sprachförderungsunterricht bildet Aberglaube Das größte Unglück Glücksbringer
E-mail: redaktion@e-politik.de
Hmm, und warum studiere ich eigentlich?
Ich hatte mich für Politik entschieden, weil ich im Sozialkundeunterricht begierig alle Informationen unseres Lehrers aufgesogen hatte. Und das, obwohl ich mich sonst eher zu den Revoluzzern in unserer Klasse gezählt hätte, für die Aufmerksamkeit im Unterricht nicht gerade zu den Primärtugenden gehörte. Und jetzt kurz vor Schluss meines Studiums muss ich sagen, ich hab eine Menge brauchbare Sachen gelernt.
Da wäre zum Beispiel der Sprachförderungsunterricht in Amerikanistik. Bevor man anfängt, Amerikanistik zu studieren, muss man den "Test of English as a foreign language (TOEFL)" absolvieren, und als ich Erstsemestler war, lag die Messlatte bei 80%. Wer im TOEFL mehr als 80% aller Punkte erreichte, wurde gleich ins Studium entlassen. Diejenigen, die zwischen 60 und 80% lagen, wurden in einen Sprachförderungskurs geschickt.
Unnötig zu erwähnen, dass meine Prüfungsergebnisse 79,5% aller möglichen Punkte betrugen.
Aber der Kurs war sehr interessant, denn wir lernten unter anderem amerikanische Redewendungen wie "trouble comes in threes". Und dieser Spruch bewahrheitet sich zurzeit.
Und wenn das stimmt, warum wurde meine Freundin Carmen dann während ihrer Magisterarbeit von Computerproblemen, Zahnproblemen und wissenschaftlichen Mitarbeitern regelrecht heimgesucht? Siehste. "Ich kenne diesen Herrn Murphy zwar nicht, aber irgendwie ist er mir unsympathisch." Zitat Carmen. Noch Fragen?
Dass die Nachbarn, die die nächtlichen Lernaktionen als Schatten vor dem Fenster beobachten konnten, einen auf dem Flur komisch ansehen.
Dass man nicht mehr angerufen wird, weil die Clique es leid ist, sich den Mund fusslig zu reden, nur um dann doch versetzt zu werden.
Dass man wie ein Besessener arbeitet und die Zeit dann doch nicht reicht.
Dass eine Simpsons-Episode an den Anfang des Kalten Kriegs erinnert.
Und dass man spät abends auf einem Stuhl in der Ecke plötzlich seine Professorin sieht.
Als ich mich mal vor meine Wohnungstür gewagt hatte, traf ich auf dem Flur meine kleine Nachbarin Magdalena, die, mittlerweile dreijährig, stolze Besitzerin eines Spielzeug - Kaufladens ist. Ich bat sie zu warten und schenkte ihr eine kleine Kosmetikprobe für ihr florierendes Gewerbe. Sie bedankte sich artig, kramte in ihrer Tasche und förderte einen Kieselstein und eine Feder zutage, überlegte kurz und verehrte mir dann die Feder. Ich erklärte ihr, dass ihr Geschenk mir für meine Abschlussprüfung Glück bringen wird. Lena blickte mich verständnislos an und fragte schließlich: "Was ist Glück?"
Es scheint fast, dass die Antwort auf diese Frage noch ganze Generationen von Erdenbewohnern beschäftigen wird. Einstweilen versuchen wir alle weiter, die große Unbekannte Glück irgendwie zu beeinflussen.
Tagebuch einer Magisterkandidatin Folge 16
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