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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1960 )Amerika lässt die Muskeln spielen Autor : Christian Peters Steuern die USA mit ihrer neuen Sicherheitsdoktrin ins atomare Abseits?
Keine
Panik,
meint Christian Peters, Amerika hat Übung im Umgang mit
militärischer Macht. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld hat 20 Jahre nach der
Weinberger-Doktrin der Regierung Reagan in einem internen Memo neue
Richtlinien für
militärische Interventionen definiert. Das informelle Papier
ergänzt ein
Dokument, das am 20. September unter dem Titel The National Security
Strategy of
the United States of America (NSS) publiziert wurde, sowie
den geheimen Bericht zur Nuklearstrategie der USA, welchen die New York
Times
und die Los Angeles Times im März veröffentlichten. Damit
erhält die neue
Militärdoktrin der Vereinigten Staaten eine klare Kontur. Pragmatiker der Macht So neu ist diese Doktrin allerdings nicht, denn die Bush-Administration
folgt
mit ihr dem gleichen Grundsatz wie alle amerikanischen Regierungen seit dem
zweiten Weltkrieg:
Dieser Grundsatz besagt, dass der Einsatz militärischer Gewalt ein
legitimes Mittel
zur Durchsetzung des sogenannten "national interest" ist. In
Abhängigkeit von der
außenpolitischen Situation und dem Führer im Weißen Haus
wechselte über die Jahre hinweg
lediglich die Meinung, was darunter zu verstehen sei. So legte Bill Clinton
den Begriff des nationalen Interesses sehr weit aus, indem er es als "die
feierliche
Pflicht" der USA bezeichnete, "im 21. Jahrhundert eine friedlichere,
wohlhabendere und
demokratischere Welt zu schaffen." - Natürlich sollte diese schöne
neue Welt möglichst
unter amerikanischer Führung stehen. Die Einsätze in Haiti,
Somalia, Bosnien und
im Kosovo zeigen, dass Clinton zum Erreichen dieses Ziels auch bereit war,
militärische Gewalt einzusetzen.
E-mail: redaktion@e-politik.de
Ronald Reagan wie auch Bush sen.
definierten das amerikanische Interesse sehr viel enger und sahen
Militärschläge gemäß der Doktrin, die Caspar Weinberger
im November 1984
verkündet hatte, ausschließlich für den Fall vor, dass
vitale nationale
Interessen berührt seien - also etwa im Falle einer Bedrohung der
amerikanischen Sicherheit. Freilich ließ auch der Begriff des vitalen
nationalen Interesses viel Interpretationsspielraum: Der Sturz Manuel
Noriegas 1989 sollte vor allem dem Drogenanbau in Panama ein Ende bereiten.
Und wer glaubt heute noch, dass die USA im ersten Golfkrieg keinerlei
wirtschaftliche Interessen verfolgt hätten?
Konsequent seit 40 Jahren
Insgesamt läuft die Militärdoktrin von Bush und Rumsfeld lediglich
auf
eine Weiterführung und Verschärfung der Richtlinien hinaus, die
unter
der Bezeichnung "Weinberger-Doktrin" bekannt geworden sind.
Neu an der Bush-Rumsfeld-Doktrin ist vor allem die explizite
Befürwortung
von Präventivschlägen mit Nuklearwaffen. Diese Haltung hatte sich
während des
Kalten Krieges im Zeichen der "mutually assured destruction"
verboten - kein amerikanischer Präsident wollte für die
Vernichtung der Menschheit
verantwortlich sein. Neu ist auch, dass die Bereitschaft, die nationalen
Interessen mit militärischer Gewalt zu vertreten, jetzt so aggressiv
formuliert
wird. Dazu gehört auch eine neue Offenheit der eigenen Bevölkerung
gegenüber.
Die Möglichkeit von eigenen Verlusten bei Waffengängen soll nach
Rumsfelds
Strategiepapier offen ausgesprochen werden, wie er sagt "brutal ehrlich" -
früher galt hier die Richtlinie, die Gefahr für amerikanisches
Leben möglichst
herunterzuspielen.
Diese aggressive Rhetorik hat zwei Ziele: Nach innen soll sie die
Bevölkerung
mit der offiziellen Politik vertraut machen und langfristige Zustimmung
sichern. Dafür spricht, dass Bush einem Bericht des San Francisco
Chronicle
nach forderte, die neuen Richtlinien
sollten
in einfachem Englisch verfasst sein, damit "die Jungs in Lubbock sie
lesen können." Nach außen dienen die martialischen Töne der
Einschüchterung:
Die Welt soll wissen, was potenziellen Feinden der USA blüht. Auch wenn
Bush ob dieser Muskelspielereien zum neuen Schreckgespenst imperialer
Arroganz stilisiert wird: Er handelt konsequent nach den Maximen
40-jähriger amerikanischer Machtpolitik - radikalisiert durch den 11.
September.
Grafik: Copyright liegt bei Christian Peters
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