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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1506 )Die neue Währung steht vor der Tür Autor : e-politik.de Gastautor Pünktlich zum Weihnachtfest kaufte der phantasiearme Einwohner ab 17. Dezember 2001 sinnvolle Geschenke in der Bank: die erste Euro-Mischung in der Tüte, 10,23€ gegen 20 DM.
Glück zum neuen Jahresbeginn hat, wessen umgestellter Geldautomat brav Euroscheine ausspuckt.
Der freundliche Zweigstellenleiter der Stadtsparkasse München lehnt sich entspannt zurück. "Persönlich bin ich nicht hundertprozentig überzeugt vom Euro", gibt er zu, "aber es ist vielleicht der einzige Weg, die Globalisierung voranzutreiben".
Von dem europäischen Zahlungsmittel ist in den Straßen von Neuhausen, München, kaum etwas zu merken. Kneift der aufmerksame Stadtteilbewohner die Augen zusammen, so erkennt er den Europreis auf den Plakaten der Supermärkte. Viele handgeschriebene Schilder kleinerer Lebensmittelhändler und Marktstände sind noch ausschliesslich in DM. Vom Inhaber eines türkischen Spezialitätengeschäfts wollen wir wissen, ob er sich schon Gedanken gemacht hat. Sein Blick wird düster. "Zwei Waagen, zwei Kassen - ein Schmarren!"
Doppelte Rechnung? Sind die Bürger überhaupt genügend informiert, wenn Sie die neuen bunten Scheine in den Händen halten? Man stelle sich eine Szene am 28. Februar 2002 vor, an dem Keiner mehr die DM in der Tasche hat:
"Ich habe gehört, dass es ein Kasperletheater gibt, das in Altersheimen über den Euro informiert", so Zweigstellenleiter der Stadtsparkasse. Die Regierung solle gefälligst dafür sorgen, dass die Leute Bescheid wissen. Tatsächlich bekommt man von der Münchener Vertretung der Europäischen Kommission in der Erhardstraße 27 glatte zwei Kilo Papier, wenn man um Informationen bittet. Broschüre für Broschüre werden alle Details der Währungsumstellung erklärt.
Bei Autokauf, Reise oder Kindererziehung hält sich der Bürger für einen kompetenten, autonomen und emanzipierten Akteur. Bei Börsenverlusten, Lebensmittelskandalen oder EURO "fühlt" er sich schlecht informiert. Die Identitäts- und Sicherheitsverluste fußen genau wie die Ohnmachtsgefühle auf Informationsdefiziten. "Der Bürger löst seine Holschuld für Informationen nicht ein", so beschreibt Herr Leitner, Euroexperte des Bayerischen Staatsministeriums für Finanzen die Diskrepanz und stellt klar, dass "der Staat keine Bringschuld hat".
Keine Erhöhung bei Gebührenumrechnung
Gelassene Stimmung im ganzen Viertel.
Nur Thomas Piegsa sieht etwas auf sich zukommen. Gefragt nach den verbleibenden drei Wochen bis zum "Big Bang" meint er: "Ich glaube, dass es in der nächsten Zeit chaotisch wird."
Bild: Copyright liegt beim Bundesministerium für Finanzen
Dossier zusammengestellt von: Thomas van de Pas, Anja Könitzer und Michaela Pöltl
E-mail: redaktion@e-politik.de
Ignorieren hilft nicht mehr: Unweigerlich läuft die Uhr ab. Am 1. Januar 2002 ist die Deutsche Mark kein alleingültiges Zahlungsmittel mehr. Konten sind automatisch zum offiziellen Termin umgestellt. Der Handel nimmt in der zweimonatigen Übergangszeit noch DM an. Ab 1. März 2002 wird die DM beim Umtausch wie eine Fremdwährung behandelt.
"Hoppla, Sie haben die Preise erhöht, ich lass´ mich doch nicht verkohlen, 1 Euro sechzig für den Brokkoli, vorher hab´ ich 2 Mark fünfundneunzig bezahlt, glauben Sie nicht, dass ich das nicht merke!"
Wenige Passanten am Rotkreuzplatz in München machen sich einen solch ausführlichen Plan wie diese junge Frau aus Sri Lanka: "Mein Erspartes habe ich aus der Anlage ´rausgenommen. Das haben wir in Sri Lanka. Und wenn der Euro kommt, bringe ich´s wieder rein. Das ist besser."
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