e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 1677 )


Ochsentour - die Kolumne zur Bundestagswahl 2002

Ochsentour, die 10.: Die FDP-Spaßtruppe als Machtfixer (12. Mai 2002)

Autor :  Sead Husic
E-mail: redaktion@e-politik.de

Guido Westerwelles Freie Demokratische Partei steht unter Beschuss, weil sie nichts mehr ernst nimmt und auch Stoiber nicht zum Sieg verhelfen will. Von Sead Husic.


Die FDP praktizierte seit ihrer Gründung sehr erfolgreich die politische Prostitution. Und gerade deshalb kann sich der Kanzlerkandidat der CDU/CSU, Edmund Stoiber, nicht auf die Unterstützung der FDPler im Wahlkampf verlassen. Westerwelle schaut auf die Umfragewerte und wenn die sich zu Gunsten der SPD ändern sollten, dann schmiegt sich Guido wieder an Kanzler Schröder und vergisst seine derzeitigen Angriffe auf Rot-Grün.

Noch im vergangenen Herbst war Parteichef Westerwelle auf Besuch beim Kanzler und durfte sich mit diesem auf dem Balkon des Kanzleramtes präsentieren. "Schaut her, liebe Spaßgesellschaft, so sieht's aus, wenn ich Vizekanzler bin", dachte sich Guido vermutlich. Zur Zeit sieht es aber ganz gut aus für den bayerischen Herausforderer Edmund ääh Stoiber, und deshalb hängt der Chef der "Freude durch Populismus"-Partei (FDP) die gelbe 18-Prozent-Fahne in den Wind, der aus Süden bläst. Wehe der Wind dreht - dann hängt die Fahne andersherum. Verwundert muss man, angesichts der FDP-Geschichte, über diesen Opportunismus nicht sein.

Sie koalierte im Jahre 1949 mit der CDU/CSU und der Deutschen Partei (DP), bevor sie mit den Sozialdemokraten 1969 an die Macht kam, um schließlich den sozialdemokratischen Kanzler Helmut Schmidt im Jahre 1982 zu stürzen und mit Helmut Kohls CDU sechzehn Jahre lang zu regieren. Dass sie den großen Lauschangriff, ohne mit der Wimper zu zucken, mittrug und damit ihre Freiheitswerte endgültig über Bord warf und weder große Steuerentlastungen noch Arbeitsmarktderegulierungen durchsetzte, zeugt von der Rückgratlosigkeit dieser Partei.

Auf diese Truppe ist kein Verlass - wissen sowohl Christdemokraten als auch Christsoziale. Angela Merkel reagierte auf die Pläne Parteichef Guido Westerwelle zum Kanzlerkandidaten zu küren, mit den Worten: "Man muss Handeln und nicht das Maul aufreißen." Und weil die Stoiber-Riege der FDP nicht vertraut, kann es auch keinen Lagerwahlkampf geben, nach dem Motto: Hier steht Schwarz/Gelb und dort Rot/Grün, Wähler entscheide selbst.

Solange der Koalitionspartner für den Kuschelfaktor im Regierungsbett sorgt, ist es den Freidemokraten ganz gleich, mit wem sie im Bett liegen. Ob mit Rechtspopulisten in Hamburg, mit des Lügens überführten Politikern wie Roland Koch in Hessen oder dem biederen Sozialdemokraten Kurt Beck in Rheinland-Pfalz. Hauptsache mit der Machtbeteiligung klappt's. Wer, wie die marktideologische FDP, jahrzehntelang den Vizekanzler stellte - kann nur Machtfixer werden. Und wird verzweifelt um den nächsten Schuss Regierungszeit in die Adern der jungen, karrierehungrigen Parteigänger kämpfen. Um jeden Preis, auch um den der Unehrlichkeit. Guido ist seit Sonntag Kanzlerkandidat der FDP.


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