e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 1371 )


Krieg gegen den Terror

Staatsflagge des Iran

´Schurke` im Aufwind? - Teil 2

Autor :  André Wernecke
E-mail: redaktion@e-politik.de


Stoppt die Bombardements - aber stürzt die Taliban!

Dass der Iran auch bei einer politischen Lösung für Afghanistan berücksichtigt werden muss, wird mittlerweile allgemein akzeptiert. Bereits jetzt bildet der Iran, zusammen mit den anderen fünf Anrainern Pakistan, China, Usbekistan, Tadschikistan, Turkmenistan sowie Russland und den USA, die sogenannte 6+2 Gruppe, die schon früher über die Zukunft Afghanistans beriet, allerdings ohne spürbaren Effekt.

Die Absichten Teherans laufen auf eine Absetzung der Taliban und eine provisorische Regierungsbildung unter Staatspräsident Rabbani hinaus. Anders als Pakistan, pflegt der Iran seit jeher eine innige Feindschaft mit den Taliban und erkennt weiterhin die in der UN vertretene „Vereinte Front" als einzig legitime Regierung Afghanistans an. Diese Feindschaft hat mehrere Ursachen. Ein Aspekt ist religiöser Natur. So sprechen die radikalen-sunnitischen Taliban den Schiiten jegliche Rechtgläubigkeit ab und unterdrücken die Schiiten in Afghanistan. Eine Majestätsbeleidigung für den Iran. Hinzu kommen Tausende von Flüchtlingen, die den mittelalterlichen Zuständen unter den Taliban entfliehen wollen. Über die Grenze bewegen sich aber auch afghanisches Opium und schwerbewaffnete Drogenkuriere, die für Zöllner und Polizisten zur tödlichen Bedrohung wurden.

Und so verwundert es nicht, wenn Iran in Allianz mit Indien und Russland zu den stärksten Unterstützern der multiethnischen Nordallianz zählt. Eine Entscheidung die den Iran bereits beinahe in den Krieg mit dem Regime aus Kandahar führte. Nachdem es den Taliban im Sommer 1998 gelang, die bis dahin von der Nordallianz gehaltene Stadt Mazar-I-Scharif einzunehmen, kam es zum Mord an neun iranischen Diplomaten. Hierauf ließ Teheran die Muskeln spielen, zog bis zu 200 000 Mann zu „Übungsmanövern" an die afghanische Grenze, durchflog afghanischen Luftraum und intensivierte seine Unterstützung der Nordallianz. Die Lage spitzte sich zu. Afghanistan drohte nun die inneriranische Opposition zu unterstützen. Auch die Vermittlungsversuche Pakistans schienen nicht wirklich etwas zu bewirken. Letztlich kam es dann doch nicht zur Eskalation, wohl auch, weil der Iran Konsequenzen für die mühsam erkämpften internationalen Beziehungen befürchtete.

Derzeit fordern Revolutionsführer Khamenei und Präsident Khatami die Einstellung der Bombardements, die nur unschuldige Zivilopfer forderten. Parallel dazu verlangt man auch, die Führung der „weltweiten Antiterrorallianz" der UN zu übertragen, denn ein einzelner Staat wie Amerika sei dazu weder berechtigt noch fähig. Es gibt aber durchaus gegenseitige Positionen, wie mit der neuen Situation umzugehen sei. Während eine Seite in den amerikanischen Angriffen lediglich einen Vorwand sieht, um sich einen geostrategisch wichtigen Einflussbereich zu sichern, sehen andere darin eine einzigartige Chance, die Beziehungen mit Washington zu verbessern und sich zudem eines unangenehmen Gegners zu entledigen.

„Tauwetter" zwischen Teheran und Washington?

So gab es bereits erste Zeichen einer möglichen, wenn auch beschränkten, Kooperation zwischen Iran und den USA. Letzte Woche gewährte der Iran, nach einer Anfrage Washingtons, den USA das Recht, im Bedarfsfall Kampfflugzeuge im Land notzulanden. Und die iranische Zeitung Entekhab zitierte kürzlich europäische Quellen, denen zufolge Präsident Bush wohl generell einer Aufhebung der Sanktionen und der Streichung von der Liste der „Schurkenstaaten" zugestimmt habe. Sollte es tatsächlich dazu kommen, würde das den Reformern um Präsident Khatami in die Hände spielen, denn dem noch kürzlich von den USA geblockten WTO Beitritt stünde dann nicht mehr viel im Wege. Ein weiterer Erfolg für den wirtschaftlich immer noch schwachen Iran.

Bild (iranische Staatsflagge): Copyright liegt bei der CIA


Hier geht es zum Überblick über das e-politik.de Dossier "Der Krieg in Afghanistan".





Weiterführende Links:
   Iran-Newsletter von Radio Free Europe : http://www.rferl.org/iran-report/index.html


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