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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 2096 )Theodor Fontane, Schriftsteller, Kritiker, 'embedded journalist'
Autor : Nikolaus Röttger
E-mail: nroettger@e-politik.de
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit / Wieder lachten die Birnen weit und breit; / Da sagte von Ribbeck: 'Ich scheide nun ab. / Legt mir eine Birne mit ins Grab.'
Als Theodor Fontane die Ballade 'Herr von Ribbeck auf Ribbeck' im Jahr 1889 veröffentlichte, war er bereits 70 Jahre alt. Fontane war alt und lebte in einem inzwischen friedlichen Deutschland. Friedlich entschlummert auch Herr von Ribbeck in der Ballade. Am Ende setzt er sich sogar friedlich und still gegen seinen knauserigen Sohn durch, der den Kindern keine Birnen mehr schenken will. Die Birne in Herrn von Ribbecks Grab wird zu einem großen Baum, von dem sich die Kinder auch weiterhin Birnen holen können.
Weniger friedlich waren Fontanes Jahre zuvor. Vor allem während seiner Zeit bei der Kreuz-Zeitung. Von 1860 bis 1870 arbeitete Fontane für das konservative Blatt - und nahm während dieser Zeit als embedded journalist an drei Kriegen teil. Es waren die Kriege Bismarcks, die das deutsche Reich einigen sollten: 1864 berichtete Fontane vom schleswig-holsteinischen Krieg und veröffentlichte seine Erfahrungen 1866 in einem Buch. Kaum war dieses erschienen, zog Fontane erneut an die Front, um über den 1866 beginnenden Krieg gegen Österreich zu schreiben. Und als schließlich das dazugehörige Buch im Jahr 1870 herauskam, begann Preußens Krieg gegen Frankreich: 'Im September 70 folgte ich unsren Armeen nach Frankreich, beging die Unvorsichtigkeit, mich, von Toul aus, in jenseits unsrer Etappen und unsres Einflusses gelegene Distrikte zu begeben, und wurde in Dom Remy, das ich, um des Geburtshauses der Jeanne d´Arc willen, aufgesucht hatte, von Franctireurs gefangen genommen.' Fontane nahm nie als Soldat an einem der Kriege teil - und doch erlebte er ähnlich wie seine eingebetteten Kollegen im Irak heute die Gefahren eines Krieges für Berichterstatter. Nur auf persönliche Intervention Bismarcks kam er nach zwei Monaten wieder frei. Doch der Journalist Fontane ließ sich nicht abschrecken: 'Große Schlachten lassen sich ohne Kenntnis des Terrains nicht beschreiben, und so blieb mir nur die Wahl entweder die sprichwörtliche Scheu zu überwinden, die der Gebrannte vor dem Feuer hat, oder aber eine Darstellung dieses glänzendsten unsrer Kriege überhaupt aufzugeben. Ich tat das Erstere und trat eine zweite Reise nach Frankreich an, die glücklicher verlief...'. Fontanes Berichterstattung war sachlich und nüchtern - jedoch nie distanziert. Für ihn war klar, auf welcher Seite er steht. So schreibt er: '...die drei glorreichen Kriege von 1864, 66 und 70, die, wie von selbst, auf Ausbildung und Betonung des patriotischen Elements hinwiesen.' Nach den Kriegs-Erlebnissen widmete Fontane ganz der Literatur - und so entstanden unter anderem die Romane 'Vor dem Sturm', 'Effi Briest' oder die Ballade 'Herr von Ribbeck'. Journalistisch arbeitete der Schriftsteller nur noch als Rezensent von Theaterstücken.
Zur Dossierübersicht: 'Embedded Journalists' - Das Dossier
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