e-politik.de - Artikel  ( Artikel-Nr: 2083 )


Irak

USA at war

'...alles läuft wie geplant' - Wirklich?

Autor :  Thomas Bauer
E-mail: redaktion@e-politik.de

Der Irak-Krieg läuft wie geplant. So zumindest lautet die Einschätzung des kommandierenden General Tommy Franks im Hauptquartier des US Central Command. Doch bei genauer Betrachtung scheint die Strategie nicht aufzugehen. Von Thomas Bauer.


Wahrheit ist das erste Opfer im Krieg. Diese Aussage trifft auf diesen Konflikt genauso zu wie auf alle militärischen Auseinandersetzungen der Vergangenheit. Der Vormarsch der USA und ihrer Verbündeten läuft nach Angaben der Militärs planmäßig, die wichtigsten Führungsstrukturen in Bagdad seien zerstört. Dennoch liegt der Sieg noch nicht in greifbarer Nähe. Dieses Zugeständnis machen selbst die Verantwortlichen im Pentagon. Die Gründe dafür sind mannigfaltig, eine erste Analyse fällt daher negativer aus als gedacht.

Kriegsnebel überzieht auch die Einsatzpläne der USA

Bagdad brennt zwar nicht lichterloh, dennoch schlagen tagtäglich Raketen und Bomben in der irakischen Hauptstadt ein. Was sie treffen ist nicht genau nachvollziehbar. Präsidentenpaläste und Kommandobehörden seien das bevorzugte Ziel. Damit entseht über kurz oder lang ein Problem für die USA.
Erstens gehen ihnen in spätestens drei Tagen die strategischen Ziele aus, und zweitens produzieren die zahlreichen Treffer und Einschläge das, was die Militärexperten so gerne den "Nebel des Krieges" bezeichnen. Denn wohin verschieben sich die zweifellos immer noch vorhandenen Kommando- und Befehlskapazitäten nach der Zerstörung ihrer Zentralen und Sitze? Je mehr Gebäude in Bagdad zerstört werden, umso undurchsichtiger wird für die Angreifer das Szenario. Mit Beginn des Krieges sind die detaillierten Satellitenaufnahmen und Stadtkarten der Trumpf für den Erfolg gezielter Luftschläge.
Doch was passiert, wenn alle markierten Ziele angegriffen worden sind, und die Kommandostrukturen - wenn auch eingeschränkt - immer noch funktionieren?

Zögerliche Bodentruppen

Das Vorrücken der Bodentruppen scheint auf halbem Weg nach Bagdad ins Stocken geraten zu sein. Auch hierfür sind mehrer Gründe möglich:
Erstens fehlt der Nachschub für das schnelle Vorrücken. Dies liegt vor allem an den unzureichenden schweren Verbänden die sich an der Invasion beteiligen. Die zahlreichen Aufnahmen von Transporthelikoptern machen dies deutlich. Durch die Wüste können die Versorgungszüge nicht in dem Tempo nachrücken, wie dies bei einem großen Heeresverband möglich wäre, der seinen Nachschub mit sich führt. Die kleineren Verbände besitzen dies Möglichkeit jedoch nicht. Also müssen die Spitzen immer wieder halten, um dadurch dem Nachschub, der in diesem Fall mit Hubschraubern angeliefert wird, eine Chance zu geben aufzuholen. Deshalb sind die Städte Basra und Umm Qsar auch von so großer strategischer Bedeutung für die Alliierten. Nur durch die Kontrolle von Fernstraßen und den daran liegenden Städten kann ein Vorstoß, der tiefer ins Feindesland reicht als 100 bis 150 Kilometer, ausreichend mit den Unmengen an Treibstoff und Munition versorgt werden die er selbst "verbrennt".

Falsche Strategie?

Ein weiterer Nachteil ergibt sich durch das unklare Gefechtsfeld. Die vorstoßenden Verbände haben nichts mit den Stadtkämpfen zu tun, um die sich die zahlreichen Infanterieverbände in ihrer Nachhut kümmern müssen. Die mechanisierten und motorisierten Verbände preschen nach vorn und umzingeln lediglich die wichtigen Ortschaften, den Rest müssen Fußtruppen übernehmen, die sich in zeit- und nervenraubenden Gefechten gegen versplitterte und ortskundige irakische Kräfte behaupten müssen.

Dieses Vorgehen wurde aus der lobenswerten Überlegungen heraus geboren, so wenig Verluste wie möglich auf Seiten der Zivilbevölkerung und in den eigenen Reihen zu erleiden. Deswegen verzichtete man auf schweren Artilleriebeschuss von Ortschaften und auch auf den Einsatz von Kampfpanzern in Ortszentren. Doch dieses Vorgehen kostet Zeit, Zeit, die den USA und ihren Verbündeten vielleicht nicht zur Verfügung steht, betrachtet man die unsichere Lage im Norden des Irak und die wachsende Unruhe auf den Straßen zu Hause.

Gezielte Schläge ohne psychologische Wirkung?

Die militärischen Operationen gegen den Irak wurden mit dem Begriff "Schrecken und Ehrfurcht" betitelt. Es stellt sich jedoch immer mehr heraus, dass die gezielten Bombardements ihren psychologischen Effekt vermissen lassen. Es scheint alles auf die brutalste aller Erkenntnisse in diesem Krieg hinauszulaufen: Der Krieg hat in seiner Wirkung auf die breite Masse der Zivilbevölkerung durch den Einsatz von Präzisionswaffen seinen Schrecken verloren. Je besser die Waffen ihre Ziele treffen, umso sicherer ist die Zivilbevölkerung vor Kollateralschäden, umso unbeeindruckter ist diese aber auch von dem militärischen Potential des Angreifers. Ehrfurcht kommt dabei nicht auf.
Auch die eigenen Soldaten der USA sind durch den jahrelangen Verweis auf "smart weapons" und den "intelligenten Krieg" so auf das virtuelle Gefechtsfeld getrimmt worden, dass die direkte Auseinandersetzung in einem konventionell geführten Bodenkrieg sie zu überfordern scheint. Bereist in Afghanistan haben selbst Special Forces mehr auf die Luftunterstützung gesetzt als auf Infanteriegefechte.

Der Irak-Krieg wurde im Vorfeld immer gern mit dem Kampf zweier Zeitalter verglichen: Steinschleuder gegen High-Tech-Waffen. Die derzeitige Entwicklung lässt die Vermutung aufkommen, dass die Invasionstruppen mehr Angst vor der Steinschleuder der Iraker haben, als die Iraker vor den "intelligenten" 2000 Pfund Bomben der USA.





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