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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 835 )Aristoteles - Über die Hausgemeinschaft
Autor : Studenten der Politikwissenschaft
E-mail: redaktion@e-politik.de
Sachliches Thesenpapier über die Hausgemeinschaft, Ökonomie und Erziehung bei Aristoteles
Aristoteles - Politik: Hausgemeinschaft (Sklaverei, Ökonomie, Erziehung)
1. Was ist politische Philosophie?
Die theoretische Philosophie befasst sich mit dem von sich aus Vorliegenden. Ihr Zweck ist die Erkenntnis. Sie handelt von den notwendigen Dingen, Dinge die so sind und nicht anders sein können und unabhängig vom Menschen existieren. z.B.: das Meer, der Baum, die Himmelskörper. Sie unterteilt sich in die Physik (die sinnliche Natur, das Entstehen und Vergehen) und Theologie (das Göttliche).
Die praktische Philosophie ("Philosophie der menschlichen Angelegenheiten")befasst sich mit Dingen, die ihre Beschaffenheit, ihren Zustand oder sogar ihr Dasein und ihr Tun dem Menschen verdanken. z.B. Haus, Werkzeuge, Kleidung. Sie befasst sich mit dem menschlichen Handeln und seinen Werken. Ihr Zweck ist das gute und sittliche Handeln. Politische Philosophie ist praktische Philosophie. Für Aristoteles ist die praktische Philosophie eine Erziehung, die den guten Bürger heranzieht. Die politische Philosophie, das vernünftige Handeln findet in der polis statt.
2. Die Hausgemeinschaft oikos
Das menschliche Zusammenleben ist von verschiedenen Gemeinschaften bestimmt: Einerseits der häuslichen Gemeinschaft oikos, die der Erhaltung des natürlichen Lebens dient, der der Gattung wie der einzelnen Hausgenossen (Verhältnis von Ungleichheit). Andererseits von der politischen Gemeinschaft polis, in der das gute Leben stattfindet (Verhältnis von Gleichheit).
Warum ist die Familie wichtig für den Staat?"Endlich ist die aus mehreren Dorfgemeinden gebildete vollkommende Gesellschaft der Staat..." (Pol I 2, 1252 b 27)
"... denn jeder Staat besteht aus Familien." (Pol I 3, 1253 b 2)
Aufbau des Hauses (drei Gemeinschaften):a) eheliche Gemeinschaft: Mann und Frau (Herrschaft wie im Freistaat)
b) väterliche Gemeinschaft: Vater und Kinder (königliche Herrschaft)
c) dienstherrliche (despotische) Gemeinschaft (despotische Herrschaft): Dienstherr und Sklave.
Die erste Bezugsperson ist immer der Haushaltsvorsteher. "...so steht es dem Vater und Gatten zu, über das Weib wie über die Kinder zu herrschen, und zwar über beide als freie..." (Pol I 12 1259 a 37f)
Herrschaft im Freistaat:
"Normalerweise wechselt im Freistaat Herrschendes und Beherrschtes miteinander ab . Denn es will aus Ele-menten bestehen, die von Natur einander gleich sind, und duldet keinen Unterschied... Nun aber verhält sich das Männliche zu dem Weiblichen in dieser Weise immer" (Pol I 12, 1259 b 5 - 10) Herrschaft des Königs: Der König herrscht auf Grund seines Alters und seiner Liebe über andere.
3. Die Bedeutung des Sklaven:
Es gibt von Natur aus Menschen, die befähigt sind, Anweisungen zu geben, und solche, die geeignet sind, sie auszuführen. Trennung von geistiger und körperlicher Tätigkeit. Der Geist (»Griechen) herrscht über den Körper (»Sklaven).
"Denn was von Natur dank seinem Verstande vorsehen vermag, ist ein von Natur Herrschendes ..., was dage-gen mit den Kräften seines Leibes das so Vorgesehene auszuführen imstande ist, das ist ein Beherrschtes und von Natur Sklavisches, weshalb sich denn die Interessen des Herren und des Sklaven begegnen." (Pol I 2, 1252 a 30ff)
"Darum ist also der Herr nur Herr des Sklaven, aber er ist nicht des Sklaven; dagegen ist der Sklave nicht bloß Sklave seines Herrn, sondern er ist überhaupt seines Herren." (Pol I 4, 1254 a 11f)
"Wer von Natur nicht sein, sondern eines anderen, aber ein Mensch ist, der ist ein Sklave von Natur" (Pol I 4, 1254 a 14)
"...so ist auch ein einzelnes Besitzstück ein Werkzeug zum Leben und...der Sklave ein beseeltes Besitzstück..." (Pol I 4, 1253 b 30ff)
Sklaverei ist "notwendig" und "nützlich": Nur durch Muße kann sich der freie Bürger der Politik wid-men. Ohne Sklaverei gibt es keine politische Freiheit der Bürger, ohne freie Bürger keine polis und die polis liegt in der Natur des Menschen, d.h. auch das Dasein der Sklaven ist natürlich.
"...die anderen glauben, die Despotie widerstreite dem Naturrecht. Nur kraft positiven Gesetzes wäre ihnen zufolge der eine ein Sklave und der andere ein Freier, dagegen von Natur unterschieden sie sich durchaus nicht, und darum sei die Gewalt des Herrn über den Sklaven auch nicht rechtmäßig, sondern sie beruhe lediglich auf Zwang." (Pol I 3, 1252 b 20ff)
Aristoteles erkennt wohl die Problematik seiner Begründung, beachtet seiner Kritiker aber nicht weiter. Problematik: Besiegte eines Krieges werden nach dem Krieg zu Eigentum und somit zu Sklaven. "Es gibt auch Sklaven und eine Sklaverei auf Grund des Gesetzes." (Pol I 6, 1255 a 5f) Die Sieger einer Schlacht haben einfach mehr Tugend und damit Gutes in sich, sonst hätten sie nicht gewonnen und die-ser Vorsprung an Gutem rechtfertigt die Versklavung der Besiegten. (vgl. Pol I 6, 1255 a 12ff)
Unterschied Frau und Sklave: Die Frau neigt nicht von Natur dazu, körperliche Arbeit zu verrichten, wie der Sklave, aber sie ist von Natur aus auch nicht zum Herrschen veranlagt. (Unterschied zu Plato)
"Der Sklave hat das Vermögen zu überlegen überhaupt nicht, das Weibliche hat es zwar, aber ohne die erfor-derliche Entschiedenheit..." (Pol I 13, 1260 a 11f)
"Denn die Frauen sind die Hälfe der Freien..." (Pol I 13, 1260 b 18)
4. Ökonomie (oikos: Haus, nomos: Gesetz) - Die Erwerbskunde
Im aristotelischen Sinne: Die Lehre vom richtigen Führen des Hauses. Ein Haus kann nur autark sein, wenn der Hausherr über Besitz verfügt, also Dinge die zum Leben unerlässlich sind. (Gebäude, Grund und Boden, Sklaven!!). Der Mensch sollte versuchen "wahren Reichtum" zu erlagen, d.h. das Ansammeln der Dinge, die zum Führen des Hauses notwendig sind, z.B. durch Tauschhandel. Reichtum hat aber nichts mit Gelderwerb zu tun.
Die widerrechtliche Form des Gelderwerbs, die Kunst des Gelderwerbs (chrematistike): Unnatürliche Form des Tauschhandels (Tauschhandel ist aus natürlichem Bedürfnis entstanden, um Mangel und Über-fluss an bestimmten Gebrauchsdingen auszugleichen, er hat dem Haus zur Autarkie verholfen.) Geld ist auch aus einer Notwendigkeit heraus entstanden, aber der reine Gelderwerb als selbstständiger Zweck ist widernatürlich. Er bezeichnet diese Art von Gelderwerb als maßlos und un-sittlich. Leute, die ausschließlich nach Reichtum trachten, vergessen den Sinn des Lebens, das gute und das glückselige Leben. Naturwidrige Erwerbskunst nach Aristoteles:
a)Groß- und Kleinhandel
b)Geldgeschäft zum Zweck des Zinsnehmens
c)Arbeit gegen Entgeld
Seine Vorstellung waren aber auch damals schon antiquiert, denn Athen verdankte einen Großteil seines Reichtums dem Handel.
5. Die Erziehung der Kinder
Die Erziehung der Kinder (Jungen) sollte eine gemeinsame Sache sein, die Kinder werden im Staat erzogen. Sie sollen die späteren Führer des Staates werden. Die Kinder müssen Nützliches lernen, aber nur solche Dinge die sie nicht zu "Banausen, zu gemeinen Handwerkern her-abwürdigen". Vier wichtige Fächer die die Muße fördern (Muße ist Dreh- und Angelpunkt):
a)Grammatik oder Lesen und Schreiben (Geldgeschäfte, Hauswirtschaft, Staatsgeschäfte, Erlernen von anderen Wissenschaften)
b)Gymnastik oder Leibesübungen (gibt Kraft und Gesundheit): Bis zur Mannbarkeit nur leichte Übungen, damit das Wachstum nicht beeinträchtigt wird
c)Musik (bestimmt für die edle Geistesbefriedigung in der Muße, sie ist eines freien Mannes würdig und schön, Gemütsbildung, Unterhaltung und geistiger Genuss)
d)Zeichnen (Nützlich zur Beurteilung von Kunsthandwerken, schärft den Blick für die Schönheit, denn ein freier Mann darf nicht alles nur nach dem Nutzen beurteilen)
Diskussionsfragen:
a) Wären seine Vorstellungen der Haushaltslehre verwirklicht worden, hätte diese nicht die Entwicklung der Menschen gehemmt?
b) Das Menschenbild des Aristoteles ist zutiefst menschenverachtend und rassistisch!
c) Aristoteles versucht durch seine fadenscheinige Begründung der Sklaverei nur seine wirklichen Vorstellungen - eine auf Unterdrückung und Unfreiheit basierende Gesellschaft - zu kaschieren, denn er war sich dieser Ungereimtheiten sehr wohl bewusst!
Literatur:
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