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( Artikel-Nr: 1323 )Islam ist nicht Islam
Autor : Nina Bludau
E-mail: redaktion@e-politik.de
Die schrecklichen Ereignisse am 11.September und die bald darauf folgende Schuldzuweisung in Richtung Usama bin Laden haben vielen ein falsches Bild des Islam vermittelt. Nina Bludau appelliert an Vernunft und Besonnenheit.
Muslimische Gemeinden bekommen Drohanrufe, dunkelhäutige Mitbürger werden
auf der Strasse angepöbelt und viele christliche Bürger haben einen neuen
Staatsfeind entdeckt: den Islam. Aber da gibt es einen Haken: 99% der
Muslime verurteilen die Terroranschläge ebenso betroffen wie wir alle.
Islam, das heisst "Hingabe zu Gott", und nur ein sehr geringer Prozentsatz
dieser Muslime hat etwas mit Extremisten zu tun.
Im Koran steht geschrieben: "Wer auch nur einen unschuldigen Menschen tötet,
tötet die ganze Menschheit" und so denken und fühlen Muslime in der ganzen
Welt angesichts der grauenhaften Ereignisse in den vergangenen Tagen. Leider
hat George Bush jr. das nicht erwähnt, als er vom "Krieg zwischen Gut und
Böse" sprach.
Verschiedene radikale Gruppen
Dass es muslimische Extremisten gibt, bestreitet keiner. Aber auch da sollte man genau unterscheiden: Da gibt es zum Beispiel die "Islamische Gemeinschaft Milli Görüs", eine türkische Gruppe. Ihr Ziel ist die Bekehrung der Türkei und später der Welt zum Islam. Aktivitäten sind keine bekannt. Oder "Der Kalifatstaat" und die "Muslimbruderschaft", die ebenfalls beide bisher nur passiv eine muslimische Weltherrschaft anstreben. Dahingegen gibt sich die "Islamische Heilsfront" mit einem muslimischen Algerien zufrieden. Die "Hamas" wollen ein muslimisches Palästina, der "Islamische Ruf" möchte Saddam Hussein stürzen. Die Mitgliederzahlen in Deutschland liegen zwischen 80 und 2000 Personen.
Palästina ist kein Maß
Die Bilder feiernder Palästinenser haben die Welt schockiert. Das und die verstärkten Vermutungen der Beteiligung bin Ladens hat das Misstrauen und die Wut gegenüber den Muslims noch gesteigert. Was in dem Medienspektakel zwar richtiggestellt, aber nur noch wenig beachtet wurde, ist die Tatsache, dass nur wenige Palästinenser in Feierlaune waren. Es waren diejenigen, für die Amerika der Anwalt Israels ist, oder diejenigen, die ihre Arbeit und ihr Heim in Kuwait während des Golfkrieges verlassen mussten. Die Reaktion ist dennoch zweifellos grausam, dumm und unverständlich, aber wieder besteht die Gefahr, einige als Beispiel für alle zu benennen.
Keine Diskriminierung Unschuldiger
Die insgesamt etwa 3,2 Millionen Muslime, die laut Verfassungsschutz in Deutschland leben, sind zu 99% friedliche Mitbürger. Ebenso betroffen, ebenso schockiert und ebenso fassungslos wie alle anderen. Es ist wahr, dass Islamisten im Namen Allahs in vielen Ländern der Erde ungerechtfertigte Bluttaten und Kriege ausgelöst haben, wie einst die Kreuzritter im Namen Gottes. Vermutlich ist eine falsche Auslegung dieser Kultur auch Ursache für die Ereignissse des 11.September. Aber wir dürfen jetzt nicht den Fehler machen, alle Muslime für die Tat Weniger zu verurteilen. Die Betroffenheit und das Unverständnis gegenüber den Terroranschlägen in den USA darf nicht Begründung unüberlegter und falscher Schuldzuweisungen sein.
Zum Dossier über die Terroranschläge in den USA