![]() |
![]() |
![]() |
e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1902 )Ein Amerikaner in München Autor : Thomas Bauer Amerikaner zur Oktoberfestzeit in München - das bedeutet mehr Alkoholleichen und weniger Inhalt im deutsch-amerikanischen Verhältnis. Nicht aber in diesem Fall. Thomas Bauer hat den ehemaligen US-Präsidenten Bill Clinton gesehen. Das Amerikahaus am Münchner Karolinenplatz hat bereits des Öfteren hochrangige Gäste nach München geladen. Doch mit dem Besuch von Bill Clinton ist den Organisatoren ein echtes Schmankerl gelungen. Unter dem Titel „Challenges for the new Generation“ wurde eine Vortrags- und Diskussionsveranstaltung angekündigt, die vor allem für das jüngere Publikum gedacht war.
Weiterführende Links:
E-mail: redaktion@e-politik.de
Sicherheit, Sicherheit, Sicherheit
Näherte man sich am besagten Freitag dem Karolinenhaus, konnte man bereits das Kaliber des Ehrengastes erahnen. Polizei, private Sicherheitsdienste und die Bodyguards des amerikanischen Besuchers machten unmissverständlich klar, dass man sich keine ruckartigen oder aufdringlichen Bewegungen erlauben sollte, wenn man nicht sofort in Gewahrsam genommen werden wollte. Nur zu dumm, dass bei aller Sicherheit der Organisator nicht in der Lage war im Vorfeld die richtige Anzahl an Einladungen oder eine korrekte Sitzplatzverteilung zu erstellen. Kleinere Verwirrungen diesbezüglich wurden mit einem milden Lächeln seitens des Amerikahauses überspielt.
Der Held betritt die Bühne
Das saß man nun nach einigen Umsetzaktionen in einem Raum, der so viel Charme wie eine amerikanische Schul-Theaterbühne ausstrahlte, lauschte dem musikalischen Vorprogramm einer guten Swing-Band, und wartete nervös auf den Hünen aus Arkansas. Kaum eingetreten, durfte sich Bill Clinton im beigefarbenen 70er-Jahre Sessel zwei Begrüßungsworte der besonderen Art anhören. So kam der Vorsitzende des Amerika Haus Vereins, Dr. Peters, unter anderem auf den „American forces Sender in München“ zu sprechen, oder er erinnerte an „Bill, driving round the Karolinenplatz in einem Porsche“. Aber Bill amüsierte sich wohl mehr über das holprige Englisch des Gastgebers, als über die Anekdoten aus alter Zeit, als er zum ersten und einzigen Mal in seinem Leben einen Porsche fahren durfte – mehrere Male im Kreis um den Karolinenplatz in München.
Vom Porsche zur Politik
Das faszinierende für die Teilnehmer der Veranstaltung dürfte die Abwechslung gewesen sein, mit der Bill Clinton anschließend von alten Zeiten aber auch den Herausforderungen der Zukunft sprach. Allgemein fiel auf, dass es ihm Spaß machte mit seiner unnachahmlichen Lockerheit über sein Leben und seine politischen Ziele zu sprechen. Richtig interessant wurde es aber nach 20 Minuten, als der Ex-Präsident seine Rede beendet hatte und auf die Publikumsfragen einging. Denn im Gegensatz zu vielen Politkern, die selbst nach dem Ende ihrer aktiven Zeit keine Kritik an ihrem Verhalten im Amt zulassen, ging Clinton auf diese ein. So versuchte er seine Haltung gegen die Anti-Landminen-Resolution zu erklären und sein schwieriges Verhältnis mit den Vereinten Nationen darzustellen. Er habe schließlich alle Bestimmungen mit den Vereinten Nationen durchgesetzt, welche die jetzige US-Regierung kategorisch ablehne, so etwa das Kyoto-Protokoll oder den Internationalen Strafgerichtshof. Außerdem sei während seiner Legislaturperiode der Schuldenberg der USA bei den Vereinten Nationen abgebaut worden, obwohl er sechs Jahre gegen einen republikanischen, isolationistischen Kongress arbeiten musste.
Kooperation geht vor Vorherrschaft
Clinton stellte ebenfalls eine sehr genaue Analyse des Irak-Konflikts auf, welche vor allem der europäischen Sichtweise der Dinge entgegenkam. Nicht nur das Ziel - die Beseitigung der Bedrohung durch Saddam Hussein - sei wichtig in dieser Frage, sondern auch der Weg dorthin. Eine Schwächung der Organisation der Vereinten Nationen, indem man eigenmächtig an ihr vorbei agiere, wäre gleichbedeutend mit dem Ende des Aufbaus einer „integrated community“. Auch den Nahost-Konflikt könne man nur über Kooperation lösen, gesichert durch Friedenstruppen der Vereinten Nationen, die einen möglichen Waffenstillstand vermutlich auf Jahre hinweg zu gewährleisten hätten.
Von Schlusswörtern und kleinen Snacks
Das Ende der Fragerunde nahm einen ungewollt amüsanten Charakter an, als Clinton auf die Frage eines amerikanischen Studenten einging, wie er als Christ für Saddam Hussein beten solle und der Ex-Präsident mit Zitaten aus der Bibel einen Ausweg für seinen Landsmann aus dessen moralischer und religiöser Zwickmühle suchte. Applaus gab es dennoch zum Abschied, und danach durften sich die Gäste am bereitgestellten Büffet mit Bier, Brezeln und Leberkäse erfrischen. Also blieb doch alles beim Alten, als ein Amerikaner in München weilte.
Foto: Copyright liegt beim Weißen Haus
Bill Clinton im Internet: http://www.clintonpresidentialcenter.com/
Homepage des Amerikahauses: http://www.amerikahaus.de/
![]() |