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e-politik.de - Artikel
( Artikel-Nr: 1734 )Ochsentour, die 15.: Der Weg zum SPD-Sieg (24. Juni 2002) Autor : Sead Husic Kaum noch jemand glaubt an den Wahlsieg der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands - dabei kippt die Stimmung und die Union wird nervös. Von Sead Husic. Von Bundeskanzler Gerhard Schröder ist dieser Tage nicht viel zu sehen. Viele aus der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) glauben bereits, dass der "Bundes-Gerd" den Kampf gegen seinen Gegner, den "K-Mann" Edmund Stoiber (CDU/CSU), aufgegeben hat.
Doch diese Beobachtung ist falsch. Denn die SPD holt seit Wochen Prozentpunkt um Prozentpunkt auf und beschreitet, zwar gemächlich, aber dennoch den Weg des Sieges.
Und wo ist der Kanzler? Der wartet auf den richtigen Moment. Sobald in den Medien die Langeweile über den weichgespülten Bayern ein Maß erreicht hat, dass sie anfangen über Inhalte und nicht nur über Kompetenzteamparteitagsredenevents zu berichten, kommt der SPD-Schlag. Und zwar mitten in die veranstaltungsarme Sommer-und Nachsommerzeit.
Der Trick eines guten Action-Films liegt darin, zum richtigen Zeitpunkt das Tempo rauszunehmen und fast alles zum Stillstand kommen zu lassen. Wenn dann die Action wieder beginnt, dann wirkt sie auf den Zuschauer dynamischer. So ist es auch bei diesem SPD-Wahlkampf. Das Tempo ist jetzt raus. Man darf gespannt sein, wie heftig die Action der Sozialdemokraten werden wird.
E-mail: redaktion@e-politik.de
An der Parteibasis ist die Stimmung schlecht. Zumindest hört und liest man das überall. Am Wochenende waren auch in Berlin wieder einige Wahlkampfstände aufgebaut, wie in Schöneberg am Kaiser Wilhelm Platz, aber die Genossen wirkten einsam und verlassen. Passanten gingen an dem Stand vorbei - ohne zu den ihnen entgegengestreckten Infozetteln und den "Vorwärts", das Mitgliedermagazin der SPD, zu greifen.
Die Sommerpause naht und die Stimmung für die Kanzlerpartei scheint immer noch ungünstig.
Dabei war man sich vor allem in der CDU-Führungsriege sicher, am 22. September stärkste Fraktion zu werden. Auch der weitere erfolgreiche Verlauf des Wahlkampfes für CSU-Medienberater Michael Spreng war klar. Nach Stoibers Frankfurter Parteitagsrede sollten die Umfragewerte nochmals um zwei bis vier Prozent steigen und damit den leichten Abwärtstrend der vergangenen sechs Wochen, in der die Christenkoalition drei Prozent verlor, brechen und wieder Schwung erhalten, aber es kam anders. Die CDU/CSU-Werte stagnieren. Der "Kandidateneffekt" ist verbraucht und bald ist auch das Kompetenzteam vollständig besetzt.
Es wird schwierig nach der Nominierung von Lothar Späth, Wolfgang Schäuble, Annette Schavan und jüngst Friedrich Merz, neue Medien-Highlights zu setzen. Das Gewinnerimage droht abhanden zu kommen. Die Sendeminuten über neue Stoiber-Clous schrumpfen. Die Nervosität in der CDU ist spürbar. Spreng soll schon gewettert haben: "Wir werden für die Medien uninteressant, weil wir alle Munition zu früh verballert haben."
Dass es funktioniert, bewies die Partei mit ihrem Parteitag in Berlin. Danach legte sie um drei Prozent zu. Seither ist sie im Aufwärtstrend. "Nun gilt es abzuwarten, einen kühlen Kopf und eine ruhige Hand zu bewahren", sagte Franz Müntefering in der Wahlkampfzentrale Kampa seinen Mitarbeitern in Anspielung auf des Kanzlers "ruhige Hand"- Formulierung.
In der derzeitigen Ruhe um die SPD und ihren Kanzler, die von vielen kritisiert wird, liege gerade die Chance der Sozialdemokraten. Schröder sollte nicht zu früh aus der Deckung gehen und verheizt werden. Und dieser Tage ist zu beobachten, dass die Taktik aufgeht. Je mehr die Kommentatoren beklagen, dass vom SPD-Vorsitzenden Schröder nichts zu sehen und hören sei, desto mehr steigt ihr Hunger nach Berichten über diesen. Je mehr der SPD vorgeworfen wird, nichts mehr zu bewegen, desto größer und dynamischer werden die nächsten Wahlkampfveranstaltungen erscheinen.
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